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Hiddensee
nach Schaprode  - nach Wiek
Text und Fotos: © Martin Schlu 2008 - 2017, Stand: 11. August 2017, alle Links waren an diesem Tage gültig.

Hiddensee als Tagestourist  -  Hiddensee für länger
- Geschichte der Insel - Einkaufen - KulturLiteratur
Neuendorf KlosterGerhard-Hauptmann-Haus  Kirche und Friedhof  - Inselblick Heimatmuseum - Strand
Dornbusch
Leuchtturm -
Vitte - Seglerhafen - Asta-Nielsens Haus „Karusel“

Der Inselblick - eines der am häufigsten fotografierten und gemalten Motive der Insel. Man sieh Richtung SüdspitzeDer Inselblick - eines der am häufigsten fotografierten und gemalten Motive der Insel. Man sieht Richtung Südspitze und ab 20.00 Uhr ist mal allein.

Geschichte nach oben
Hiddensee ist eine Insel gegenüber von Rügen und über einige Fährorte und Stralsund zu erreichen. Bis zum 6. Jh. war die Insel christlich, wurde dann slawisch besiedelt, kam im Mittelalter nach Dänemark und war nach dem Dreißigjährge Krieg schwedisch - wie Rügen und andere Inseln hier auch.

1754 wurde Hiddensee  an den Stralsunder Kaufmann Joachim Ulrich Giese verkauft, der hier Ton für seine Stralsunder Fayencenmanufaktur (Porzellanfabrik) abbaute. 1815 wurde die Insel preußisch und zwanzig Jahre später an das Stralsunder Kloster zum Heiligen Geist verkauft. Die Mönche bauten Schulen, forsteten den nördlichen Teil (Dornbusch) auf und legten eine halbwegs intakte Infrastruktur an. Um 1800 hatte Hiddensee etwa 350 Enwohner, die entweder als Fischer, Bauern oder Seeleute überleben konnten, um 1850 waren es 500 und heute sind es etwa tausend Einwohner, die entweder vom Tourismus leben - das sind die meisten - oder von der Landwirtschaft und dem Fischfang.

Im 19. Jahrhundert galt die Insel Hiddensee als Ort für verrückte Urlauber, ausgeflippte Künstler und die „Malweiber“ , wie man die - vermeintlich durchgeknallten - Frauen empfand, die keinen Sinn für Mann, Kind und Herd hatten, sich wochen- und monatelang auf der Insel einmieteten und malten. Die Anreise war damals erheblich schwieriger, denn das Dampfboot aus Stralsund konnte nicht anlegen und so mußten die Verrückten, die freiweillig auf die Insel wollten, vor der Insel auf Fischerboote umsteigen, kurz vor dem Strand aussteigen und die restlichen Meter nasse Füße bekommen. Ein Anleger war noch nicht gebaut und die Häfen existierten auch noch nicht, sondern die Fischerboote wurden auf den Strand gezogen, wie es im dänischen Jütland heute noch geschieht:

Fischerboote werden in Stjenberg/DK heute noch traditionell über Nacht auf den Strand gezogen, weil es dort keinen Hafen gibt.
Fischerboote werden in Stjenberg/DK heute noch traditionell über Nacht auf den Strand gezogen, weil es dort keinen Hafen gibt.

Unter denen, die unbedingt den Sommer über ein einfaches Leben auf Hiddensee führen wollten, gab es berühmte Persönlichkeiten, z. B. Elisabeth Büchsel (eine der ersten Malerinnen, deren Geburtshaus in Stralsund in der Ossenreyerstraße liegt) und den Eremiten Alexander Ettenburg, ein heute vielleicht eher schrullig wirkender Mann, der aber erstmalig Kultur auf der Insel etablierte, nachdem er sich 1895 völlig mittellos auf Hiddensee niederließ. Als er 1919 in Stralsund starb, hatte er eine malerische Naturbühne an der „Svantevitschlucht“ etabliert, eine Bergschänke gegründet und die Insel für Kulturverrückte interessant gemacht - es war auf neudeutsch „ccol“ geworden, den Sommer auf Hiddensee zu verbringen.

Mittlerweile war eine regelrechte Künstlerkolonie entstanden, zwar nicht so wichtig wie Worpswede, aber schon vergleichbar mit Ahrenshoop und größer als Schwaan (Rostock). Weitere Künstler und Literaten folgten: Gerhard Hauptmann verbrachte den Sommer ab 1896 - 1899 zunächst in Vitte (gesprochen „Fitte“), ehe er sich in Kloster unweit des Strandes ein Haus bauen ließ, das heute das Gerhard-Hauptmann-Museum beherbergt. Der Erste Weltkrieg ging an Hiddensee im Prinzip vorbei, weil die Einwohner mit den Festländern sowieso nicht viel am Hut hatten, Berlin war weit genug weg und in den Krieg wurden nur die eingezogen, die nicht in die Versorgung der Familie und der Insel eingebunden waren - das war kaum jemand.

Nach der Überflutung 1921, als Häuser in Kloster unter Wasser standen, sollte eine Schutzmauer gebaut werden, doch dies dauerte bis in die 1930er Jahre. Die Insel war nun ein bißchen in Mode gekommen und Berühmtheiten wie der dänisch/deutsche Stummfilm-Star Asta Nielsen kamen jeden Sommer und mieteten oder bauten sich dort Ferienhäsuer (z.B. das „Karusel“). Der GröFaz ließ die Organisation „Kraft durch Freude“ gründen und krempelte Hiddensee ein bißchen um. Zuerst wurde eine regelmäßige Dampferlinie mit einem Hafen in Vitte eingerichtet, dann kamen im Sommer täglich die KdF-Schiffe und brachten nationalsozialistische Werktätige in die Sommerfrische. Ein regelrechter Bauboom setzte ein, denn jeder Einwohner wollte nun Zimmer vermieten und Geld verdienen. Ab etwa 1938 wurde begonnen, den Höhenzug „Hucke“ in Kloster zu sichern, ein knapp 30 Meter hohes Steilufer, und Hunderte von abkommandierten Arbeitern waren bis Kriegsbeginn damit beschäftigt, Granitbrocken im Meer zu versenken, um die Hucke zu schützen. Leider wurde der größte Teil der Arbeitenden ab dem 1. September 1939 abgezogen und mußte zurückschießen und als der Krieg und Reichsdeutschland vorbei waren, hatte die neu gegründete DDR andere Probleme als irgendein Steilufer in der Ostsee zu schützen. Nach wie vor kamen linientreue Werktätige - dieses Mal aus der DDR - und der Tourismus wuchs weiter. Nach der Wiedervereinigung 1990 war zwar für die blühenden Landschaften Geld da, aber für den Weiterbau der Schutzmaßnahmen an der Hucke eben nicht. Bis heute liegt deswegen ein großer Teil der Granit- und Basaltblöcke da, wo er zu Führers Zeiten provisorisch abgelegt wurde um später weiter verarbeitet zu werden und vermutlich wird das noch ein paar Jahrzehnte so bleiben.

Geht man von Kloster aus am Meer entlang, sieht man die Steinbrocken zwischen Strandzugang und Nationalparkhaus rechts im Gebüsch liegen.

Links zur Geschichte Hiddensees
https://reiseziel-hiddensee.de/1606/huckemauer/

https://reiseziel-hiddensee.de/1589/steilkueste/
https://de.wikipedia.org/wiki/Hiddensee
http://www.seebad-hiddensee.de/

Tagestouristen nach oben
Einzupacken ist festes Schuhwerk, ein Friesennerz oder eine wetterfeste Jacke, Mückenmittel und Sonnenöl, denn Hiddensee hat furchtbar viele Tümpel mit stehendem Wasser, eine reichhaltige und blutrünstige Mückenfauna und die meisten Sonnenstunden in Deutschland. Trotzdem kann jederzeit das Wetter umschlagen und es innerhalb von zwei Stunden regnen.

Um nach Hiddensee zu kommen gibt es mehrere Möglichkeiten. Die schnellste und häufigste Verbindung für die Tagestouristen ist die von Schaprode oder Breege, jedoch ist der Autoparkplatz vor den Toren des Dorfs und man muß zehn  Minuten laufen. Die Überfahrt nach Neuendorf oder Vitte (Mitte der Insel) dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Behinderte fahren umsonst, ihre Begleitung auch. Von Schaprode kostete die Fahrt heuer € 21.- zzg. 1,50 Euro Kurtaxe.

Wer viel Zeit und Lust hat, kann - wie eh und je - auch ab Stralsund abfahren und braucht für die Verbindung gut zwei Stunden. 

Vom Darß aus kann man ab Zingst oder Barth fahren, doch im Herbst sind diese Verbindungen nur am Wochenende und so muß man, wenn man auf dem Darß wohnt, entweder die Frühfähre um 9:20 Uhr ab Stralsund nehmen, die ca. zwei Stunden bis zum Ort Kloster braucht (liegt etwas höher als Neuendorf), oder man fährt eine Stunde länger bis Schaprode und hat weniger Fahrtzeit - es ist aber egal, denn vor halb elf ist man sowieso nicht auf der Insel. Wem das Reisen der Zweck ist, der nimmt die Fähre ab Wiek oder Dranske, die zweimal am Tag geht und bei der jede Strecke eine gute Stunde dauert. Hinzu kommt die Tageskurkarte für Erwachsene. 

Die meisten nehmen als Autotouristen aber die Rügener Verbindung ab Schaprode und wer mit der Bahn anreist, startet eben ab Stralsund, wie dies früher auch der Standard war. Das Parken ist in Stralsund allerdings teurer, denn in Schaprode kriegten wir die Woche auf dem Massenparkplatz für € 20.- . Das hätte in Stralsund noch nicht mal für einen Tag gereicht.

So erschließt sich einem die Insel, wenn man sie das erstemal von der Fähre sieht - bis man im Hafen ist, dauert es aber noch etwas.

Neuendorf nach oben
Der erste Ankunftsort ist der Ort Neuendorf, an dem die meisten Tagestouristen aussteigen, die zu Fuß oder mit dem mitgebrachten Fahrrad die Insel erkunden wollen. Die Buslinie (VRR 59) wartet auf das Schiff und wenn man mit dem Bus nach Vitte oder Kloster will, ist man etwa eine halbe bis ganze Stunde schneller da als mit dem Schiff (Einzelfahrt: € 3.- , Tagesticket: € 4,50.-). Viele steigen fahren von dort auch mit dem Bus in die Dünenheide, denn da blüht im Sommer das Heidegewächs Erika, es gibt dort ein paar FeWos und man kann dort sehr gut laufen. Da es um den Hafen außer Fischbude, Eisladen, Souvenirladen und Klo nicht viel gibt, kann man Übungen in Genügsamkeit machen. Wir waren nach einer halben Stunde mit dem Ort durch und verbrachten eine gute Stunde am Hafen, während wir auf den Inselbus warteten. Das kann man trainieren und dabei ganz glücklich sein. Zwischendurch konnten wir ein- und auslaufende Segler beobachten und jeden Menge Studien machen, wie die Rollenverteilung zwischen dem Skipper (meistens dem Papa) und dem Leichtmatrosen (meistens die Ehefrau/Freundin/Kinder) ist und von Gleichberechtugung war da noch keine Spur. Wenn Papa irgendwo gegen fuhr, waren immer die anderen schuld....

Neuendorf hat mit Kloster zusammen etwa 350 Einwohner und etwa ein Drittel davon lebt hier. Die Umgebung ist wunderbar, wenn man ausgiebig Fahrrad fahren will, denn bis zum nächsten Ort - Vitte, im Norden - sind es etwa sieben Kilometer und nach Süden kann man etwa drei Kilometer bis zum Leuchtturm Gellen fahren und nach weiteren zwei Kilometern hört der Weg auf, denn weiter darf man weder fahren noch gehen. Der gesamte südliche Teil der Insel (Gellen) ist Vogelschutzgebiet und für Menschen verboten. Wer sich aber fürs Vogelgucken entschieden hat, hat auch einen Fahrradanhänger mit der Fotoausrüstung dabei.

Links
https://www.hiddensee.m-vp.de/neuendorf/


Der Hafen Neuendorf
oben: Der Hafen Neuendorf

unten: Skyline von Stralsund von Neuendorf aus gesehen.
Die Skyline von Stralsund von Neuendorf aus.

Beim Ablegen zur Weiterfahrt nach Kloster sieht man an Steuerbord (Fahrtrichtung rechts) schemenhaft die Silhouette von Stralsund: Rügenbrücke, Werfthalle und die drei großen Kirchen. Danach fährt die Fähre den Ort Kloster an, im Norden der langgestreckten Insel. Dort kommen die Tagestouristen etwa ab halb elf Uhr an und werden von zahlreichen Kutschen erwartet. Wer das erste Mal auf der Insel ist, sollte sie sich von der oberen Mitte aus erschließen. Das heißt, man steigt schon in Vitte aus und kann von dort aus nach Kloster laufen oder oder noch weiter in den Norden, an dem der Dornbusch liegt, gekrönt von dem weißen weltbekannten Leuchtturm.
Von Vitte sind es etwa 2,5 km bis zum Hauptort Kloster, wer gemütlich zuckeln will, nimmt den Pferdewagen, denn die Insel ist autofrei. Der Kutscher meinte während der Fahrt zu mir, mittlerweile gäbe es bestimmt ein Dutzend Autos auf der Insel: Post, Energie, Hermes, Inselbus, Arzt, Krankenwagen, Pfarrer, Bürgermeister, ein paar Fischer und einer für die Polizei, aber die habe nicht viel zu tun. Kaum war der Satz gesagt, sah man den Polizisten - er kontrollierte einen E-Rollstuhl. Kein Witz, sondern wirklich passiert.
Unten besagte Polizeikontrolle.
Die Polizei kontrolliert einen Rollstuhl auf Hiddensee

Kloster nach oben - Gerhard-Hauptmann-Haus - Heimatmuseum -  Inselblick Kirche und Friedhof  - Strand - Weiteres

Kloster ist so etwas wie das Zentrum Hiddensees, dort sind die Kirche, der Friedhof, das Haus von Gerhard Hauptmann mit angrenzendem Museum und genug Läden, in denen man essen und kaufen kann. Die meisten wollen zum Leuchtturm auf dem Inselteil „Dornbusch“. Wenn man das geschafft hat, kommt man auf dem Weg zum Schiff sowieso wieder durch den Ort und so gibt es keinen Grund, seine Einkäufe durch den Dornbusch zu tragen. Nur einen Geldautomaten gibt es nicht - der ist in Vitte.

Kloster: Die Dorfstraße bei Hochbetrieb
Die Dorfstraße bei Hochbetrieb. Auf dieser Straße kann man seine Kinder ruhig spielen und laufen lassen - sie fallen höchstens hin.

Das erste Mal war ich im Frühling auf Hiddensee. Die Bäume hatten kaum Laub angesetzt, die Krokusse blühten und die Dorfstraße wurde repariert. Ich dachte zuerst, sie würde gepflastert, habe bei einem zweiten und dritten Besuch aber mitgekriegt, daß sie nur geglättet und aufgefüllt wurde und weiß nun auch warum: Weil über die Straße ständig die Pferdekutschen rollen, kacken die die Pferde fleißig drauflos und ab und zu wird der ganze Mist mit Split versehen und in die Schlaglöcher gefüllt, die Walze geht ein paarmal drüber - fertig. Der Straßenbelag ist so biologisch-mineralisch, funktioniert ganz gut, erfüllt seinen Zweck und es stört keinen. Wenn man aber mal richtig Regen erlebt hat und die Pfützen eine Woche lang knöcheltief sind, denkt man anders darüber und nimmt sich vor, nichts an der Dorfstraße zu mieten, was keine Mückengitter hat.
Auf der Dorfstraße in Kloster tobt zwischen halb zwölf und halb fünf das touristische Leben: ein Café, Fisch-, Bier- oder Souvenirgeschäft reiht sich an das andere, auf einen Supermarkt kommen ca. dreißig Souvenierläden und zehn Künstlerateliers, die aktiv werden müssen, sobald das erste Schiff ankommt. Es ist ein bißchen wie früher: war man vor hundert Jahren Seemann, Fischer oder Bauer leben die meisten Hiddenseer heute vom Cafe, den Ferienwohnungen und dem Fahrradverleih, doch es gibt auch Echtes zu entdecken.

Das Wohnhaus von Gerhard Hauptmann ist ein Muß, nicht nur für Deutschlehrer. Es macht Sinn, in den diversen Buchgeschäften über Literatur und Kunst in Hiddensee zu stöbern, man findet dort eine Menge, von dem man nichts geahnt hat und kriegt geistige Verbindungen zu vielen dagewesenen Künstlern.
Hauptmann lebte von 1896 bis 1899 im Sommer in Vitte, danach in anderen Häusern auf Hiddensee. Ab 1926 verbrachte  er jeden Sommer in Kloster, im „Haus Seedorn“, das er 1930 kaufte und das bis 1943 sein Hauptwohnsitz wurde. Dann wurde er von der sozialistischen Führung nach Agnetendorf (Agnieszków) in Schlesien umgezogen und starb dort. Er ist aber auf dem Friedhof in Kloster begraben.

Thomas Mann war 1924 ebenfalls in Kloster gewesen, hatte zu Gerhard Hauptmann aber nicht die Beziehung gefunden, die er sich vorgestellt hatte. Die Manns waren damals komplett angereist (Ehefrau Katia, die Kinder Erika, Klaus, Golo, Elisabeth und Michael) und wohnten im „Haus am Meer“, wie Gerhard Hauptmann und seine Frau auch. Jedoch war Thomas Mann sehr unzufrieden, wie man ihn gegenüber Hauptmann behandelte, denn Hauptmann wurde als Dichterfürst behandelt (er hatte den Nobelpreis ja schon 1912 bekommen) und Thomas Mann war nur einer von vielen Gästen (mit dem Nobelpreis dauerte es noch bis 1955).

Zu sehen sind im Haus auch Zeichnungen von Walter Trier (er hat nicht nur Hauptmann gezeichnet, sondern auch viele Illustrationen zu Kästners Kinderbüchern) und Fotos vom Filmstar Asta Nielsen und dem Dichter Joachim Ringelnatz und vielen anderen, die sich ab 1929 in Asta Nielsens Sommerhaus „Karusel“ trafen.
Das Hauptmann-Haus im Frühling
Oben: Das Hauptmann-Haus im Frühling,
unten: Das Hauptmann-Haus im Herbst
Das Hauptmann-Haus im Herbst

Inselfriedhof - zurück nach Kloster - Gerhard-Hauptmann-Haus - Kirche  - Inselblick Heimatmuseum - Strand
Nach dem Hauptmann-Haus nimmt man sich vielleicht Zeit für die Kirche und den kleinen Friedhof, auf dem der Dichter begraben liegt (Nr. 3). Dort findet man auch den Regisseur Walter Felsenstein mit seiner Frau (Nr. 9) und weitere Künstler.


Kirche - zurück nach Kloster - Gerhard-Hauptmann-HausFriedhof  - Inselblick Heimatmuseum - Strand
Die Kirche ist eine typische Seemanns- und Fischerkirche und ein Bild einer dramatischen Rettung ist unter dem Orgelprospekt angebracht. Bei meinem vorletzten Besuch probte ein recht gutes Jugendsinfonieorchester dort und es stellte sich heraus, daß seit 50 Jahren im Juli immer ein Musiktreffen stattfindet, bei dem auf hohem Niveau musiziert wird. Als Tagestourist schafft man beim ersten Mal in vier Stunden den Ort Kloster mit seinen Sehenswürdigkeiten und den Leuchtturm - mehr ist nicht drin.  Wem es gefällt, der kommt ja auch wieder und wem es sehr gut gefällt und wer mit sich oder zu zweit gut allein sein kann, der quartiert sich für längere Zeit ein - nicht anders als die ersten Touristen vor hundertfünfzig Jahren auch.


Strand   zurück nach Kloster - Gerhard-Hauptmann-Haus - Kirche und Friedhof  - Inselblick Heimatmuseum 
Früh um acht Uhr draußen ist es immer noch still. Um diese Zeit kommen einem die ersten Menschen vom Schwimmen entgegen, denn der Strand in Kloster liegt nicht weit vom Ortskern -  etwa hundert Meter vom Hauptmann-Haus entfernt.  Dort gibt es ein Foto, das den Dichter und seine Frau vom Strand kommend zeigt und ebeso wie Hauptmann nehmen viele nicht mehr als ein Handtuch und einen Bademantel mit. Im Wasser sind morgens bereits etliche Schwimmer und Badekleidung hat kaum einer an - wozu auch? Man ist um diese Zeit unter sich und die Zeit bis zehn reicht immer noch für das Frühstück aus und die Zeit den Laden aufzumachen.

Der Strand bei Kloster - die Badenden sind aus begreiflichen Gründen nicht auf dem Bild
Der Strand bei Kloster gegen acht Uhr morgens - die Badenden sind aus begreiflichen Gründen nicht auf dem Bild.

Um zehn Uhr macht der Strandkorbverleih auf (Tageskarte € 9.-) und dann sind die Einheimischen auch fort, weil ab halb elf die ersten Tagesbesucher kommen. Die DLRG rückt an um den Strand zu bewachen und wenn sich mal jemand ein Muschelstück in den Fuß tritt, dauert es keine zehn Minuten und die Sanitäter sind da. Weil der Starnd aus einer Mischung aus Steinstrand, Muschelsplittern und grauem Sand besteht, lohnen sich für empfindliche Füße Badesandalen. Der einzige Minuspunkt ist, daß es nur wenige Stellen gibt, an denen Lücken zwischen den Granit-/Basaltblöcken sind, über die man ins Wasser kommt und wer sie überklettern will, holt sich wahrscheinlich blaue Flecken oder Schlimmeres.

Die Touristen sind den meisten Einwohnern auf Hiddensee übrigens eher lästig, denn es sind nur wenige, die von ihnen leben (Gastronomie und Souvenirläden), aber es sind viele, die der Rummel nervt, wenn Tausende jeden tag die Straßen bevölkern. Es ist ein bißchen wie Venedig - die Touristen machen aus der Insel ein Eventparadies und die Einheimischen freuen sich auf den Abend.

Heimatmuseum  zurück nach Kloster - Gerhard-Hauptmann-Haus - Kirche und Friedhof  - Inselblick Strand
Wer schon mal da war, weiß, wo der Strand von Kloster ist und kurz davor liegt rechter Hand das Heimatmuseum. Es hat als ständige Ausstellung natürlich die Inselgeschichte, die Seenotrettung, den Deichbau und den einsetzenden regelmäßigen Tourismus ab ca. 1930 und es ist eine Fundgrube für Inselfans. Es gibt Wechselausstellungen - im Augenblick (Sommer 2017) wird Elisabeth Büchsel gewürdigt, die vor 150 Jahren geboren wurde, viel auf und von Hiddensee gemalt hat und gegenwärtig in Stralsund (Katharinenkloster), und im hiesigen Heimatmuseum gezeigt wird - insgesamt etwa 100 Bilder. Schön ist auch der Blumentisch, der täglich aktualisiert wird und auf dem man die gerade blühenden Blumen erklärt bekommt.


Leuchtturm - zurück nach Kloster
Von Kloster aus gibt es einen Rundweg zur Nordspitze, dem Ortsteil Dornbusch. Dort steht der berühmte Leuchtturm. Er wird viel besucht und bestiegen, aber ich war bisher erst einmal oben, weil es bei den meisten Besuchen immer zu diesig war. Wenn man auf dem Weg zum Turm schon nicht klar Rügen erkennen kann, braucht man auch nicht nach oben zu klettern, weil man das dänische oder schwedische Festland mit Sicherheit auch nicht sieht. Die Touristenmassen, die das Schiff ausspuckt, pilgern daher auch zuerst nach oben (der Leuchtturm liegt ja auf einem kleinen Berglein) und wenn sie den weißen Turm das erste Mal sehen, gibt es Verkehrsstau, weil ja alle das Ding knipsen wollen. Dabei lohnt das Besteigen nicht wirklich, denn wenn man am Vormittag knipsen könnte, hat man entweder Gegenlicht aus Südosten (Öffungszeit morgens halb elf) und kann die Insel nicht vernünftig abbilden, oder man wartet auf das Abendlicht - doch ab 16:00 Uhr hat der Turm geschlossen. Ich bin trotzdem beim dritten Besuch nach oben gegangen („geklettert“ kann man bei etwas über hundert Stufen nicht sagen, wenn man den Kölner Dom schon ein paarmal bestiegen hat), habe ein paar Bilder gemacht und bin wieder nach unten gegangen. Dicke Menschen über 130 kg sollten den Aufstieg sowieso lassen - die letzten sechzehn Stufen geht es über eine Hühnerleiter durch ein Loch in der Decke mit siebzig Zentimeter Durchmesser und wenn da jemand feststeckt, ist buchstäblich alles dicht.

 Der Leuchttum am Abhang des Dornbusch
Der Leuchttum am Abhang des Dornbusch.

Die Insel vom nördliche Leuchtturm aus gesehen
Die Insel vom nördlichen Leuchtturm aus gesehen: links die Ostsee, rechts der Bodden. Die weißen Punkte sind Kühe...

Den schönsten Ausblick hat man sowieso auf diesem Plateau, denn da sieht man die ganze Insel: links den Bodden, rechts die „Brandung“ der Ostsee - auch so ein Motiv, das man nicht anständig knipsen kann, weil die Details nicht aufs Bild kommen. Auf dem Plateau vor dem Aufstieg habe ich auch einmal Günter Grass pfeiferauchend und zeichnend gesehen, wollte ihn aber nicht stören und habe ihn deswegen nicht angesprochen.

Wenn man weiß, daß es auf Hiddensee um 1910 eine Künstlerkolonie ähnlich wie in Worpswede gab und auch heute noch viele Künstler von den Touristen leben, paßt das ganz gut. Ein bißchen von der Vergangenheit  kann man noch nachempfinden, wenn man nach dem Ausflug zum Leuchtturm beim „Klausner“ einkehrt. Überall am Weg stehen Kunstwerke, eine Bühne ist angedeutet und man kann noch erahnen, wo der Eremit seine Theatervorstellungen abgehalten hat. In der Nähe der Gaststätte stehen zwei malerische Häuser mit zwei Zimmern direkt an der Steilküste, die in zwei Zimmern bestimmt zwanzig qm haben, also ein komfortables Wohnklo, in dem man auch übernachten kann, wenn man sich sehr lieb hat. Für eine Küche reicht der Platz nicht, so daß man zum Essen ins Restaurant geht, aber es ist bestimmt kuschelig und gemütlich. Viel Gepäck kann man zwar nicht mitnehmen, aber da fährt man auch nicht als Familie mit Kindern hin. Einen Hunni pro Tag muß mal allerdings rechnen und abends ist das Häuschen unschlagbar - es steht direkt am Abhang und man hat von der rückwärtigen Terasse den Blick auf Meer und Leuchttum.

Arbeitshaus des Malers Max Kaus.
oben: Arbeitshaus des Malers Max Kaus.

unten: Hiddensee für Fortgeschrittene: ohne Kamera, aber mit Einkaufskarren.
Hiddensee für Fortgeschrittene: ohne Kamera, aber mit Einkaufskarren.

Links zu Kloster
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Hiddensee
https://de.wikipedia.org/wiki/Hiddensee#Kloster
https://www.lietzenburg.de/
http://www.n-tv.de/reise/Hiddensee-ist-nicht-fuer-jeden-article3945851.html


Weiteres  zurück nach Kloster - Gerhard-Hauptmann-Haus - Kirche und Friedhof  - Heimatmuseum  - Inselblick Strand
Wenn man den Tag in Kloster bleiben will, geht man vom Ortskern kommend vor dem Gerhard- Hauptmann-Haus den sogenannten Biologenweg rechts hoch und gelangt in den Bereich, der Forschungsstationen der Universität Greifswald beherbergt. Dort findet man die Lietzeburg, die keine Burg ist, aber ein schönes Herrenhaus. Sie wurde 1904 vom Maler Max Kruse erbaut, war bis Kriegsbeginn im Besitz der Familie Kruse und war neben dem Karusel das zweite künstlerische Zentrum auf der Insel. Die Wanderkarte hilft nicht wirklich weiter, die Kartenfunktionen der Handies auch nicht, denn außerhalb der Kirchstraße gibt es keine Straßenbezeichnungen und man ist ein bißchen auf den Orientierungsinn angewiesen. Man kommt aber immer wieder entweder am Hauptmann-Haus oder am Leuchtturmweg heraus und ab da gibt es Orientierungen.

In der Nähe des Biologenweges findet man auch das ehemalige „Haus am Meer“ , die spätere Vogelwarte, das Haus, in dem Thomas Mann und Albert Einstein etliche Male gewohnt haben. Lietzeburg und auch ehemalige Vogelwarte sind allerdings längst in anderer privater Hand und daher nicht zu besichtigen. In der Lietzebiurg kann man sich aber einmieten und hat dann eine Treppe zum Strand herunter. Nur das Einkaufen ist etwas unbequem.

Haus am Meer, heute Vogelwarte
Die Lietzeburg der Familie Kruse - heute nicht mehr in deren Besitz
Das Haus am Meer / Vogelwarte im Sommer 2017 Die Lietzeburg im Sommer 2017

Inselbesucher für länger nach oben
Es gibt auch etwa 1.000 Einwohner auf der Insel, viele Saisonarbeiter (momentan die meisten aus Polen) und viele Menschen, die auf Hiddensee ein paar Tage oder ein paar Wochen Urlaub machen. Man erkennt sie daran, daß sie keinen Fotoapperat haben, Einkaufstaschen tragen oder ihren Einkauf gleich mit dem Handwagen nach Hause ziehen. Abends - wenn die letzte Fähre um halb acht gefahren ist - entspannt sich dann die Lage und man erfährt Dinge von den Einheimischen, die einem Tagestouristen nicht erzählt würden. Wenn man ein paarmal als solcher da gewesen ist, schaut man also, daß man irgendwo eine Bleibe bekommt und organisiert den Aufenthalt.

Feste Schuhe und winddichte Jacke sind die ersten Voraussetzungen, ausreichend Bargeld sollte man mitnehmen, denn Geldautomaten sind knapp (es gibt einen an der Sparkasse in Vitte). Daß man sich Hiddensee erlaufen muß, merkt man schon als Tagestourist, aber wenn man länger als drei Tage bleibt, lohnt es sich, ein Fahrrad zu leihen. Man sieht einfach mehr und das Einkaufen geht schneller. W-Lan und Mobilnetz sind aber mit einer Großstadt nicht vergleichbar und laufen im Rhthmus der Insel - also langsamer. Wer ein schnelles Netz braucht, wird hier nicht glücklich, wer schreiben, malen oder denken will, kann das hier sehr gut.

Unsere FeWo hatte im Vorderhaus Atelier und Galerie des Hiddenseer Malers Hermann Sack-Havenstein, der  seit über vierzig Jahren auf Hiddensee malt und davon lebt. Er erzählte uns auch, daß er als junger Mann nch die Hiddensee-Malerin Elisabeth Büchsel kennengelernt hatte, die 1957 starb und dieses Jahr von Rostock, Stralsund und Hiddensee wegen ihres 150. Geburtstages geehrt wird. Vom Internet wollte der Maler aber nichts wissen, er habe sich zwar erklären lassen, was ein Link ist, doch wenn jemand seine Bilder kaufen wollte, ginge das - wie früher üblich - nur gegen Geld und Handschlag und anders würde er nicht mehr handeln. Mit seinen  81 Jahren kann er sich das auch leisten und seine Bilder verkauft er immer noch.

Nachdem die Dorfstraße um acht fast leer war, zogen meine Frau und ich Richtung Dornbusch, suchten uns eine Bank in der Abendsonne und saßen bestimmt eine Stunde lang am Inselblick, während die Sonne unterging. Das geht als Tagestourist einfach nicht - man würde wahrscheinlich noch nicht mal sitzen können.
Abendstimmung am Inselblick
Abendstimmung am Inselblick.
Im Hintergrund ist Stralsiund zu erkennen: Rügenbrücke, Werfthalle, Marien-, Georgs und Nicolaikirche.

Vitte nach oben
Vitte  wird durch den Fischerei- und Fährhafen und die Geschäfte bestimmt. Es ist nicht der Ort, an dem die meisten Fahrgastschiffe halten, aber es ist der Hauptort der Insel, wo am meisten Einwohner leben und arbeiten. Cafés, Galerien und Fahrradstationen gibt es natürlich, aber eben auch die Polizeistation, die Feuerwehr, den Hubschrauberlandeplatz für akute Fälle, die ins Stralsunder Krankenhaus geflogen werden, außerdem Supermarkt, Post und die Sparkasse (mit dem einzigen Geldautomaten auf der Insel. Von Kloster gibt es zwei Wege nach Vitte, die beide etwa zwei Kilometer lang sind: der eine führt an der Ostsee lang und eröffnet mehrere Strandzugänge, der andere verläuft über den Deich am Bodden. Man geht am Sporthafen vorbei und kommt am Hafen von Kloster heraus.

Der Hafen kurz vor dem Gewitter - da ist man froh, wenn man geschützt liegt.
Der Sporthafen kurz vor dem Gewitter - da ist man froh, wenn man geschützt liegt.


Karusel nach oben
Der Stummfilmstar Asta Nielsen(1881-1972) kaufte für Urlaube mit ihrer Famiie 1929 ein Sommerhaus, das der damals berühmte Architekt Max Taut in den frühen 1920er Jahren für eine betuchte Berliner Familie entworfen und gebaut hatte. Der Name des Hauses erklärt sich aus zwei Rundungen mit jeweils drei Fenstern, damit die Räume möglichst viel Tageslicht bekamen. Vom ersten Stock hat man heute noch freie Sicht auf den Hafen Vitte und den Hafen Kloster.

Von 1929 bis zur Machtergreifung Hitlers 1933 verbrachte Asta Nielsen viele Monate in diesem Haus, denn wenn sie in Berlin drehte, war das Haus innerhalb von sechs Stunden mit Zug und Fähre zu erreichen. Im Sommer war dieses Haus außerdem Treffpunkt etlicher Künstler, wie Heinrich George (1893-1946) und  Joachim Ringelnatz (1883-1934). Gerhard Haupmann (1862-1946) wohnte ja schon seit langem jeden Sommer dort und war als Nobelpreisträger sozusagen der Star der Insel.
 
Joachim Ringelnatz reimte knittelversend über dieses Haus:

„Fischerhütten, schöne Villen
Grüßen sich vernünftig freundlich
Steht ein Häuschen in der Mitte,
Rund und rührend zum Verlieben.
„Karusel“ steht angeschrieben.
Dieses Häuschen zählt zu Vitte“.


Das „Karusel“ - mehr als ein Rechtschreibfehler Asta Nielsens

Im Inneren des Hauses findet man man Zitate aus Asta Nielsens Autobiografie in ihrem speziellen Deutsch und erfährt, wie Ringelnatz sie öfters mit seinen abstrusen Ideen und Aktionen zur Verzweiflung gebracht hat.

„Hiddensee,  20 Juni 1929
...Wo Ringelnatz ist, ist man nie sicher. Entweder steht meine Seife auf vier hohen Beinen, oder die Brötchen auf dem Mittagstisch quietschen, oder die Pfirsiche kommen auf den Tisch mit Straußenköpfen aus Papier und einer Gänsefeder als Schwanz. Er taucht in den merkwürdigsten Sachen auf. Zum Beispiel spazierte er heute herum mit einer Baskenmütze, kokett angebracht auf dem einen Ohr. Die Mütze hatte er gestern Abend, sagte er, zur Erinnerung an eine schöne, junge Dame auf dem Hotelball geschenkt bekommen. Übrigens trank er gestern Abend Brüderschaft mit vier Fischern an der Schenke und auf dem Heimweg war er zu klug, um mit uns anderen den gewöhnlichen Weg nach Hause zu gehen, er wusste einen viel besseren. Er kam zwei Stunden später als wir nach Hause, bis zur Taille durchnässt, nachdem er in einen Sumpf hineingeraten war“
zit. nach Asta Nielsen: Ein Leben zwischen Kopenhagen, Berlin und Hiddensee. Hrgg. von Renate Seydel,Demmler-Verlag, Ribnitz-Damgarten 2011, S. 138. (Rechtschreibung nicht original, MS

Nach Asta Nielsens Abreise 1933 wurde das Haus etliche Jahre nicht genutzt und blieb so, wie sie es abgeschlossen verlassen hatte. Kein Wunder, daß Asta Nielsen immer bedauert hat, nach 1933 auf Hiddensee nicht mehr Urlaub machen zu können. Von 1945 bis 1961 diente das Haus als Flüchtlingswohnung. Danach nutzte die DDR das Haus einige Jahre als Lehrerwohnung und nach dem Tod der Lehrerwitwe 1989 kaufte die Gemeinde Vitte das Haus von Asta Nielsens Erben. Es war für Asta Nielsen ab 1933 also unmöglich, wieder nach Hiddensee zu kommen.
Nach vielen Jahren des Leerstandes wurde das Karusel von den Erben Nielsens gekauft, vor zwei Jahren saniert und das Standesamt hat seitdem oben ein Zimmer belegt. Heute ist das Haus ein Museum für Asta Nielsen und Max Taut. Es liegt am Beginn des Weges Vittes nach Kloster und ist nicht zu verfehlen

Adresse:
Asta-Nielsen Haus, Zum Seglerhafen 7, Vitte. Tel 038300 - 64229, Öffnungszeiten: 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr, Sonntags geschlossen

Links
http://www.hiddensee-kultur.de/1880_niels.php
http://www.asta-nielsen-haus.de/

http://www.textlog.de/22915.html
(Gedicht Ringelnatz' über Asta Nielsen)

Stortebeker gibt es auch hier - als Bier
Störtebeker gibt es auch hier - als Bier


Einkaufen nach oben
Wenn man ein paar Tage hier verbringen will, kann man im Inselmarkt in Kloster einkaufen, einem kleinen Laden, der aber hervorragend sortiert ist, weil er Lebensmittelgeschäft und Baumarkt in einem ist. Ich habe dort schon Ersatzkabel für den Fernseher bekommen, nötige Ersatzteile für die Wohnung hat er auch und auch als Allergiker wird man fündig. Ein weiterer Supermarkt findet sich am Hafen Kloster am Hafen Vitte und in Neuendorf. Es empfiehlt sich, entweder eine Einkaufskarre mitzunehmen oder das Fahrrad mit Satteltaschen zu benutzen. Nachschub gibt es über einen LKW-Anhänger, der in Schaprode auf eine Lastplattform geschoben und über den Bodden geschleppt wird. Auf der Insel wird er dann mit einem Elektro-Schlepper zum Supermarkt gezogen. Genauso kommen auch Baumaterial oder Ersatzteile für die Bauern auf die Insel.

Kultur nach oben
2012 bekam der Dichter Lutz Seiler den Deutschen Buchpreis für sein Buch „Kruso“ , das auf Hiddensee spielt und regelmäßig gibt es Kleinkunstabende. Eine mittelgroße Jazzband wird zwar nicht so ohne weiteres hier spielen, weil ja auch die Tontechnik irgendwie transportiert werden muß, aber alles, was man tragen kann, kommt hier zum Einsatz und jeden Abend Kultur wird ja auch zu viel....



Literatur zur Einstimmung auf die Insel Hiddensee nach oben
Kulturthemen
Rüdiger Bernhardt: Gerhard Hauptmanns Hiddensee. Ellert & Richter., Hamburg 1996 ISBN 3-89234-598-8
Eine sehr fundierte Biographie Gerhard Hauprmanns mit dem Schwerpunkt Hiddensee. Ideal zur Nachbereitung des Besuchs im Hauptmann-Haus (Kloster).

Konrad Bindemann: Von Capril bis Hiddensee. Die Malerin Elisabeth Büchsel. hgg. von Walther Bindemann, Hiddensee 2017, Eigenverlag, ISBN 978-3-928918-39-8

Angela Rapp/Joergen Degenaar: Tante Büchsel ist zurück. Die Malerin Elisabeth Büchsel. Buch zur Ausstellung ... des 50. Todestages ... 2007 i Inselmuseum Kloster auf Hiddensee. Berlin/München 2007, ISBN 978-3-00-02140-1,

Elisabeth Büchsel: Die Malerin von Hiddensee mit einem Text von Oda-Maria Schmidt. Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2009
Bilder und Biographie der Malerin aus Stralsund. 


Insel-Geschichte nach oben
Marion Magas: Künstler auf Hiddensee. Berlin 2010
Engagierte Sammlung von Bildern, Texten und Biographien - sozusagen aus erster Hand, weil die Herausgeberin auf Hiddensee lebt und weiß, wovon sie spricht.

Renate Seydel (Hrsg.): Hiddensee. Ein Lesebuch. Ullstein-Verlag, Berlin 2004/2007.
Sammlung von Texten, Biographien, Lyrik und Bildern um und über die Insel Hiddensee. Insbesondere die biographischen Details zwischen dem "König von Hiddensee" Gerhard Hauptmann und der auf ihn eifersüchtigen Thomas Mann-Gattin Katia sind lesenswert, aber auch die Aufzeichungen des Dorfpfarrers und die Kapitel über Asta Nielsen und Joachim Ringelnatz.


Historischer Roman
Judith Kern: Der Tanz der Kraniche. Roman. Knaur Taschenbuch, München 2011
Der Roman handelt von einer aufstrebenden Malerin aus Stralsund, die um 1900 nach Hiddensse zieht um dort zu malen und in die Künstlerszene auf der Insel gerät. Der
historische Hintergrund spielt um die Pesonen Elisabeth Büchsel (Malerin) und den antrosophischen Eremiten Alexander Ettenburg (Kabarettist, Dichter, Impresario und Lebenskünstler), der eine Hiddenseer Künstlerszene ins Leben rief, auf dem Gebiet des heutigen Klausner ein Waldtheater unterhielt und mit der Malerin Maria Magdalinski eine langjährige Beziehung hatte. Wer mehr wissen will, möge den Roman lesen und dabei die genannten Personen googeln.

Hiddensee-Krimis nach oben
Eric Berg: Das Nebelhaus. Kriminalroman. Blanvalet, München 2014
Der Roman von einem ungeklärten Verbrechen in  einem Haus auf Hiddensee. Das Besondere sind die Psychogramme der handelnden Personen. Ideal zu lesen, wenn man schon ein paar Mal auf der Insel war, sich etwas auskennt und draußen schlechtes Wetter ist , denn das Finale findet bei Sturm statt. Literarisch außerdem ein Highlight - die anderen Krimis fallen da etwas ab.

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Timm Herden: Gellengold. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2010, ISBN 978-3-898-127059
Inselkrimi um den südlichen Inselteil Gellen, alte Schätze und Wrackräuberei. Kommissar Rieder kommt aus Berlin nach Hiddensee und muß mit dem auf den Inselpolizisten Damp klarkommen. Die Handlungsorte sind das südliche Vogelschutzgebiet, die Ortsteile Vitte und Kloster und für den Strand ist es die optimale Einstiegslektüre in die Krimiserei von Timm Herden.

Timm Herden: Toter Kerl. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2012, ISBN 978-3-898-128940
Kommissar Rieder und der langgediente Inselpolizist Damp müssen diesmal den Mord am Inselpfarrer aufklären, der sich als ehemaliger RAF-Terrorist entpuppt und die Polize von Hiddensee, das LKA in Berlin und den Staatsschutz in Atem hält. Nebenbei erfährt man im Hintergrund, wie sich RAF-Miglieder mit Duldung der StaSi in der DDR ein neues Leben aufbauen konnten.

Timm Herden: Norderende. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2014, ISBN 978-395 4622412
Inselkrimi im Herbst: Kommissar Rieder und Revierleiter Damp müssen sich diesmal mit einem toten Bauunternehmer herumschlagen, der an Grundstücksspekulationen beteiligt ist, die das Gesicht Hiddensees stark verändern würden. Schauplätze sind die Villa über dem Strand in Kloster, das Hotel Enddorn auf Grieben und natürlich die Orte Vitte, Neuendorf und Kloster. Zwischendurch gibt es einen Exkurs nach Bergen auf Rügen mit einer hübschen Polizistin, die im vierten Band eine größere Rolle spielt.

Timm Herden: Harter Ort. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2016, ISBN 978-3-954-626366
Inselkrimi im Winter: Kommissar Rieder liegt nach dem Ende des dritten Falls noch auf der Intensivstation im Koma und kommt desweghen nicht vor. Im Hafen Vitte bringt das aufgestraute Eis das alte Hotelschiff zum Sinken und an der Bar sitzt jemand, der nicht ertrunken ist. Selbst bei sommerlichen Temperaturen im Strandkorb kann man sich die Schilderung der durch Treibeis und Schnee von der Welt abgeschnittenen Insel lebhaft vorstellen und mit Ortskenntnis hat man von dem Krimi unglaublich viel. Der Ortspolizist Damp bekommt diesmal die junge hübsche Polizistin aus Bergen zur Seite gestellt, die etwas Staub in Hiddensee aufwirbelt.

Timm Herden: Titel noch unbekannt, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2018???  Ich warte noch darauf!
Nach dem Gesetz der Serie muß der Krimi nächstes Jahr erscheinen......

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Birgit Lauterbach/Johann Ebend: Hühnergötter. Prolibris-Verlag Rolf Wagner, Kassel 2005, ISBN 3-935263-29-5
Krimi, der auf Hiddensse spielt und von dem man mehr hat, wenn man schon da war. Ganz nett geschrieben und eine schöne Sommerlektüre bei gutem Wetter

Birgit Lauterbach/Johann Ebend: Totenseelen Goldmann-Verlag Rolf Wagner, München 2008, ISBN 978-3-442-46855-3
Krimi um eine Leiche unter einem 1939 fertigestellten Haus, der in die 1930er Jahre führt, in denen die Insel großflächig bebaut und der „Hucke-Damm“ angelegt wurde.
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