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Fischland
Text und Fotos: © Martin Schlu 2008-2014, Stand: 15. August 2016

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Fischland - Ahrenshoop
Dieses Gebiet beginnt bei Wustrow und endet am Grenzweg in Ahrenshoop. Es ist ein Landstreifen von etwa 15 km Länge und bis zu einem Kilometer Breite, der hinter Ahrenshoop in den Darß übergeht. Seinen Namen hat dieser Landstrich von den unzähligen Fischern, die früher das Land besiedelten und von Meer und Bodden lebten und in der Kirche von Wustrow hängt logischerweise auch ein Schiff, das die Verbindung von Seefahrt und Glauben symbolisiert, wie auch in der Stralsunder oder Rostocker Marienkirche. Daß man den Kirchturm bereits etliche Kilometer vor Wustrow sehen kann, ist gewollt: Gerade Kirchtürme bilden die wichtigen Landmarken, an denen die Seeleute sich orientierten.


Den Kirchturm von Wustrow sieht man bereits etliche Kilometer vor dem Dorf.

Wustrow ist ist der einzige größere Ort in Fischland und natürlich leben die Leute hauptsächlich vom Tourismus, aber es ist noch nicht so schlimm wie in Zingst oder Ahrenshoop, wo mittlerweile märchenhafte Preise verlangt und bezahlt werden. Der Ort selber ist durchaus ohne Tourismus vorstellbar, es gibt ganz normale Geschäfte und Betriebe und die Neubauten für die Besucher passen sich noch dezent an. Wustrow hat eine gemütliche Seebrücke mit ertragbaren Verkaufslädchen und -ständen und in der Saison gibt es sogar ein Kinozelt. Die Skulptur des Slawengottes „Svantevit“ steht am Anfang der Seebrücke und der Ort hat durch ihn seinen Namen bekommen: „Swantevit Wustrow“ (Insel des Slavengottes), denn Wustrow war früher eine Insel und ist im Lauf der Jahrhunderte mit anderen Inseln zusammengewachsen. Schon im 18. Jahrhundert war Wustrow Stand einer Königlichen Navigationsschule, zu DDR-Zeiten wurde die Seefahrtsschule aus- und neugebaut, doch 1991/92 wurde sie nach Rostock zentralisiert und das Gebäude steht seitdem leer. Was damit passieren wird, ist auch heute immer noch offen.

Die Ferienhaussiedlungen zwischen dem alten Leuchtfeuer und dem Ostseehotel sind für Familien mit kleinen Kindern sehr empfehlenswert, weil sie an der dünnsten Stelle Fischlands liegen und der Weg zum Strand nicht weit ist. Entsprechend begehrt sind sie. Wer eher im Ort wohnt, geht zum Strand an der Seebrücke - er ist für Kleinkinder auch gut geeignet, denn weiter im See liegen Felsbrocken, die die größten Wellen brechen, so daß am Strand nur noch sanftes Geplätscher ankommt. Wer richtig schwimmen will, kann das hier besser als in Boltenhagen.   nach oben

Der Strand ist feinsandig, gut für Kinder geeignet und gegen den Wind kann  man sich schützen.
Der Strand ist feinsandig, gut für Kinder geeignet und gegen den Wind kann  man sich schützen.

An Ostersamstag ist die Attraktion der Strandgalopp, für den schon Tage vorher trainiert wird und es kommt durchaus vor, daß ein Rudel Ponies den Strand entlanggaloppiert.

An den Autokennzeichen erkennt man aber, daß vornehmlich Berliner und Rostocker hier ihren Zweitwohnsitz oder ihr Wochenendhäuschen haben. Der Reiseverkehr am Freitag hin und am Sonntag zurück spricht da eine deutliche Sprache. Von Wustrow aus kommt man schnell nach Ribnitz-Damgarten, das eine größere und belebte Innenstadt und einen Bahnanschluß nach Rügen und Rostock hat, in der Nähe liegt ein weiteres sehenswertes Dorf, Klockenhagen, das ein Freilichtmuseum hat, in dem das „alte“ Mecklenburg um ca. 1700 - 1900 gezeigt wird.

Natürlich wird eine Stadt wie Wustrow auch boots- und schiffsmäßig von beiden Wasserseiten angelaufen. Von der Seeseite gibt es die schöne Seebrücke, an der auch Schiffe anlegen und von der Boddenseite gibt es die Möglichkeit in den kleine Sporthafen einzulaufen und dann ist man schon ziemlich in der Innenstadt und kann die Einkäufe direkt aufs Boot tragen. nach oben



Größere Schiffe legen an der Seebrücke an und lassen die Zeit dann stillstehen, wie der Dreimaster, der an Karfreitag an der Seebrücke anlegte - ein Plattbodenschiff, das den Kiel an die Backbordseite einholen und dann in flachen Gewässern anlegen kann. nach oben


Nach Rostock fährt man mit dem Auto in spätestens einer guten Stunde, ebenso nach Stralsund und nach einer weiteren Stunde ist man mitten auf Rügen (worüber es schon einen Bericht gibt). Wustrow ist hervorragend geeignet abzuschalten, wenn man das Glück hat eine Ferienwohnung am Bodden zu bekommen. Im September/Oktober kann man sich die Kranichfahrten sparen, weil man in der Dämmerung die  Schwärme sehen und hören kann. Wer näher dran sein will, muß entweder in der Dämmerung an der  Meiningen-Brücke sein (Übergang des Darß zum Festland)  oder im Gebiet zwischen Zingst und Barth tagsüber an abgeernteten Feldern Ausschau nach den Vögeln halten.

Literatur zur Einstimmung auf Wustrow
Corinna Kastner: Die verborgene Kammer Bastei-Lübbe-Verlag, Köln 2009
Hochkomplexe Familiengeschichte eines Zwillingspaares mit überraschenden Handlungssträngen über mehr als hundert Jahre. Schaupätze sind Wustrow und Stralsund, sdie Protagonisten sind Hoteliers, Maler, Seeleute, die ärmere und die bessere Gesellschaft. Am Ende des
absolut gut geschriebenen Stoffs entwickelt sich die Geschichte zu einem Krimi. Von den drei Wustrow-Büchern, die ich von Corinna Kastner kenne, ist dieses mit Abstand das beste. Am meisten Spaß´macht die Lektüre, wenn man zwischendurch immer mal wieder durch den Ort läuft - die meisten Schaupätze des beschriebenen Stoffs wird man finden.

Corinna Kastner: Fischland-Mord. Emons-Verlag, Köln 2011
Küsten-Krimi um die Pensinsinhaberin Kassandra Voß, die nebenbei einen Mord aufklärt, nachdem ein Gast von ihr mit Boddenwasser durchnäßt in ihrer Pension tot aufgefunden wird. Wer sich in Wustrow auskennt, erkennt problemlos alle Gebäude, Einrichtungen und Anspielungen.

Corinna Kastner: Fischland-Rache Emons-Verlag, Köln 2013
Der zweite Küsten-Krimi um die Pensinsinhaberin Kassandra Voß. Auch hier wieder viel Lokalkolorit von Wustrow, Stralsund und Ribnitz und schöne Beschreibungen des Eiswinters 1978/79. Genauso wie im ersten Band ist die finale Auflösung etwas überladen, aber noch akzeptabel.

Holly-Jane Rahlens: Everlasting. Der Mann, der aus der Zeit fiel. Aus dem Englischen, Wunderlich-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2012 (Nicht unbedingt nur ein Wustrow-Roman, sondern eine gut erzählte Science-Fiction-Liebesgeschichte, die im Berlin um 2010 und New York um 2264 spielt   - aber eben auch in Wustrow. Für entspannte Tage sehr lesenswert mit schönen Anspielungen und Wortspielen) - nach oben

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Ahrenshoop
heißt der nächste Ort, eine ehemalige Künstlerkolonie, zwar kunsthistorisch nicht so bedeutsam wie Worpswede, aber mit einer immer noch aktiven Künstlerszene. Die Maler, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hierhin kamen, waren Anna Gerresheim (1852-1921), Hugo Richter-Lefensdorf (1854-1904), Paul Müller-Kaempff (1861-1941), Elisabeth van Eicken (1862-1940) und sie gründeten hier eine eigene Malerkolonie, ähnlich dem „Schwaan“ bei Rostock oder der „Malweiber“-Szene in Hiddensee. Gerade Paul Müller-Kaempf spielt eine wesentliche Rolle hier und es gibt eine Bild von ihm in der Kunstahlle, was jede Wohnung sprengen würde, weil es so groß ist (211 x 350 cm). Es ist aber auch ziemlich gut: „Schifferfriedhof“

Man findet in Ahrenshoop viele Künstlerwerkstätten, eine 2013 neu eröffnete Kunsthalle am Ortsausgang nach Born mit guten Wechselausstellungen und diese Kunsthalle versucht, die Maler des 19. Jahrhunderts mit den aktuellen Strömungen gegenüberzustellen, was seinen Reiz hat, aber manchmal ein gewisses Denken um die Ecke erfordert. In den drei Jahren, seit es diese Kunsthalle gibt, habe ich kaum eine Ausstellung versäumt (was für die Qualität spricht, da ich in Köln / Bonn und Frankfurt fast alles haben kann, was ich will). Das absolute Highlight dieses Jahr (2016) war eine Ausstellung mit Werken Lyonel Feiningers, die seine Zeit in Wustrow und an der Ostsee um 1912 wiedergab - da habe ich mit den Ohren geschlackert.

Ich verstehe manchmal nicht alles, was gezeigt wird, aber ich kann mit meiner diesbezüglichen Unvollkommenheit ganz gut leben - ebenso manche Künstler, denn weil die wissen, daß die Ü50-Generation ihr Geld nicht nur für Kunst ausgibt, ist alles etwa ein Drittel teurer als z.B. in Wustrow, so daß es dem Ort Ahresnhoop spürbar besser geht als der ärmeren Schwester fünf Kilometer entfernt.

Ferienhäuser am Meer liegen weit oberhalb der Schmerzgrenze und so verliert sich meist der Geldadel in den teuren Villen an der Steilküste. Damit nicht jedes Jahr ein halber Meter dieser Küste vom Meer abgeknabbert wird, hat man auch hier etwa hundert Meter vom Strand ordentlich große Felsbrocken im Meer deponiert, die zumindest als Wellenbrecher vor den Villen und der Aussichtstribüne funktionieren und dafür sorgen, daß dort kein Strand verschwindet. Die Franzosen machen das auch schon lange, sie benutzen an der Atlantikküste dafür die alten Bunkerstellungen, die vor sechzig Jahren unter dem GröFaZ mit deutschem Beton von deutschen Soldaten auf den französischen Dünen erbaut wurden und nun hundert Meter davor im Meer liegen. Da die Ahrenshooper keine alten Bunker haben, müssen sie die Felsbrocken eben irgendwo auftreiben. Der Effekt ist der gleiche und die malerischen Villen sind wohl für die nächsten hundert Jahre geschützt - wie die französischen Dörfer. nach oben


Diese Art Häuser sind nicht käuflich, können aber für mittleres bis größeres Geld tage- und wochenweise gemietet werden. Schön sind sie trotzdem

Im Herbst leuchtet der Sanddorn rot über die Dünenflora und dieses Zeug wächst hier in solchen Massen, daß es eine florierende Industrie gibt, die die roten Perlen verarbeitet, als Saft, Likor, Marmelade (schmeckt sehr gut), Parfüm oder Seife verkauft und damit einen guten Nebengewinn erzielt. Parallel dazu kann man - je nach Jahreszeit - die entsprechenden Aquarelle und Ölbilder erstehen. Die Themen wechseln natürlich: Steilküste im Schnee, Steilküste im Frühling, Steilküste im Sommer mit und ohne badende Kinder, Steilküste im Herbst mit reichlich Sanddorn und so weiter. Die Ahrenshooper wissen schon, was ihre Zielgruppe gerne kauft. Übrigens malen alle Künstler gerne nach Bestellung und damit ist die Kunst wieder da, wo sie schon bei Rembrandt war: Konservierung des Geldadels. Irgendwovon müssen die Maler ja leben.


Anschrift Kunsthalle Ahrenshoop:
Kunstmuseum Ahrenshoop, Weg zum Hohen Ufer 36, 18347 Ostssebad Ahrenshoop. Tel +49 38220 66790, www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

Anschrift "Schwaan":
Kunstmühle , Mühlenstr 12, 18258 Schwaan. Tel +49 3844 891792, www.kunstmuseum-schwaan.de


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Steilküste mit Sanddorn im Herbst, nicht gemalt, nur geknipst und daher umsonst.

Im Herbst wird die Steilküste zum Dorado für die Wind- und Kitesurfer, denn die Windstärken der Herbststürme bieten optimale Trainingsmöglichkeiten für die Könner. Bei einem der starken Herbststürme 2013 waren wir am Strand und schauten fasziniert zu, wie die Kite-Surfer eine Luftfigur nach der anderen zeigten und ein atemberaubendes Tempo auf den Wellen fuhren. Es sah schon ziemlich weltmeisterlich aus. nach oben

oben: Der Sturm treibt ordentlich Sand vor sich her

unten: Eine gekonnter Start aus dem Stand, der Wind war einfach stark genug.


Weitere Dörfer gibt es in Fischland nicht mehr - hinter Ahrenshoop beginnt der Darß - nach oben
Außerdem interessant:
Boddenfahrten ab Wustrow oder Zingst, insbesondere die Kranichfahrten im September/Oktober vom Darß

Bernsteinmuseumin Ribnitz-Damgarten (im Kloster Ribnitz)
Anschrift:
Deutsches Bernsteinmuseum, Im Kloster 1 - 2, 18311 Ribnitz-Damgarte. Tel +49 3821 2931, www.deutsches-bernsteinmuseum.de