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Rügen für Anfänger
Text und Fotos: © Martin Schlu 2011/2012 /ergänzt am 9. Oktober 2014
 
Anreise und  Allgemeines
Besichtigung:  Bergen - Binz und Prora - Breege - Hiddensee - Jasmund und Königsstuhl - Juliusruh und Schaabe - Kap Arkona und Vitt  - Putbus - RalswiekSagard Sassnitz - Schaprode - Sellin - Wiek - Wittower Fähre

Essen und Trinken - Einkaufen - Unterkunft 

Tagestouristen

Nach Rügen kommt man entweder als Tagestourist, als Wiederholungstäter, man wohnt dort ein paar Wochen oder zieht sogar hierhin. Bis man die Insel ein bißchen kennt, braucht man aber mehr Zeit als bei anderen Orten, denn die Uhren ticken hier immer noch ein bißchen langsamer als in den Städten und bereits die Anreise zwingt zur Gelassenheit. Natürlich muß man heute nicht mehr die Fähre ab Stralsund nehmen, die ja schon immer dazu zwang, weil man nur warten konnte, bis sie kam, sondern man bevorzugt die neue Brücke über den Strelasund, von dem Stralsund seinen Namen hat. Eine gewisse Demut stellt sich aber spätestens ein, wenn man nach dem Ende der Ausbaustrecke der B96 im Stau steht, denn es gibt nach den beiden Brücken die ersten fünf Kilometer nur diese Straße und man ist davon abhängig, wie die anderen fahren, wann sie abbiegen können, wann sie ankommen und wann sie ihren Parkplatz finden. Geduld wird auf Rügen also ganz wichtig.

Im Folgenden gibt es eine Beschreibung für den ersten Eindruck, den man als in der Regel als Tagestourist bekommt. Außerdem sind über die Links etwas ausführlichere Beschreibungen möglich, die mindestens eine Woche Aufenthalt voraussetzen. Die passende Ferienwohnung hat man sich etwa ein halbes Jahr vorher oder früher im Internet oder durch direkte Kontakte besorgt - ein Vorteil, den man hat, wenn man schon mal dagewesen ist. Also denn:

Anreise: für den ersten Eindruck - für mehrere Tage
Tagestouristen für die Kreidefelsen (TT) kommen meistens aus dem Raum Lübeck, Boltenhagen, Wismar, dem nördlichen Brandenburg oder Usedom und haben daher im Normalfall zwei Stunden Anreise über die Ostseeautobahn hinter sich. Egal, woher man kommt, man fährt Richtung Stralsund und nimmt dort die Brücke über den Sund. Eisenbahnfans nehmen den Zug ab Stralsund Richtung Sassnitz, Bergen oder Binz, aber die haben vermutlich sowieso eine Nacht im Hotel einkalkuliert und interessieren hier nicht, denn sie haben mehr Zeit, weniger Streß und im Normalfall nicht einen Stall voll Kindern dabei.

Der übliche Tagestourist ist aber mit seinem Anhang gegen acht Uhr losgefahren und steht etwa um halb elf auf der Brücke über dem Sund (mit Navi ist es auch möglich in Stralsund am Hafen vorbeizufahren und von dort auf die alte Brücke zu kommen). Es gibt am Anfang nur diese eine Straße nach Rügen, es sei denn man könnte auch eine der Fähren ab der Küste zwischen Greifswald und Stralsund nehmen, doch man spart kaum Zeit. Die Mehrzahl der TT drängt es zu den Kreidefelsen im Nordosten der Insel. Die fahren auf der B96 alle erst Richtung Bergen und dann Richtung Sassnitz oder Jasmund, stellen das Auto gegen halb zwölf oder zwölf auf dem großen Parkplatz in Hagen an der Stubbenkammer ab, tigern etwa eine halbe bis Stunde durch den Rügenwald (je nach der Beinlänge ihrer Kinder) und sind gegen halb eins oder später auf dem Gelände. 


Der Buchenwald steht sehr dicht, zieht sich lang hin und ist sehr entspannend - auch mit Kindern („Papa, wann sind wir da?“)
Dort zahlt man ziemlich viel Eintritt pro Person, kann dafür ein Dokumentationszentrum mit allerlei Halb- und Vollwahrheiten begucken und steht Schlange vor der Terasse, von der man aus den Kreidefelsen anschauen kann (auf dem anderen steht man ja selbst). Als ich das erste Mal da war, durfte man etwa eine halbe Minute an der besten Stelle stehen und mußte dann den Platz räumen, wenn man keine Schlägerei riskieren wollte, denn jeder, der die stundenlange Anreise hinter sich hat, will ja nun das Bild, das dokumentiert, daß man da gewesen ist. Es ist etwa so wie bei der Mona Lisa im Louvre, nur ist diese Diva etwas größer.


Natürlich sieht man von oben nicht die Ansicht, die auf den meisten Postkarten zu sehen ist. Dafür muß man nach Sassnitz und eine Bötchenfahrt zum Kreidefelsen unternehmen, wenn man ihn so sehen will (unten) - also nicht enttäuscht sein. Gibt man in das Navi "Königsstuhl" ein, wird man nach Sassnitz zum Hafen gelotst.

Wer größere, lauffaule Kinder hat, schickt sie danach für eine Stunde mit etwas Würstchen- , Cola- oder Eisgeld ins Dokumentationszentrum und läuft ein paar hundert Stufen bis zum Strand. Dort kann man bestimmt ein paar hundert Meter unten an den Felsen herunterlaufen, sollte aber immer wieder nach oben gucken, weil der Kreidefelsen eben nicht aus Felsen besteht, sondern aus einem hellen, lehmartigen mit Steinen durchsetzten festen Matsch, von dem immer mal wieder etwas abbricht und nach unten donnert. Wieder oben angekommen reicht die  Zeit noch für eine weitere Wurst und dann fährt man wieder zurück und steht ab halb fünf wieder im Rückreisestau Richtung Stralsund oder macht noch einen Abstecher in den Norden der Insel, aber das wird meistens zu knapp. So machen das viele tausend TT täglich - nur die Insel lernt man dadurch natürlich nicht kennen.

(Nachtrag April 2014: Nachdem  an Weihnachten 2011 an der Steilküste von Kap Arkona ein kleines Mädchen von herabstürzemdem Mergel erschlagen und verschüttet wurde, ist an vielen Stellen der Zugang unterhalb der Kreidefelsen aus gutem Grund gesperrt).


Anreise für mehrere Tage - nach oben
Weit besser ist die Variante mit ein paar Tagen oder Wochen Zeit.  Ohne Auto geht es allerdings nicht, wenn man die Insel kennenlernen will, es sei denn, man hat soviel Zeit, daß man für jeden Tag einen Ort mit dem Bus einplant, denn der fährt eben nicht jede halbe Stunde. Es gibt diverse Linien (11, 12,13), die die kleinen Orte miteinander verbinden und auch in die größeren Dörfer und Städte fahren, aber sowas braucht Zeit und ist bestenfalls etwas, wenn man allein oder zu zweit fährt. Im Sommer gibt es zusätzlich eine Ringbuslinie, den „Jasmund-Hopper“, der für eine Runde über die Jasmund-Halbinsel ca. 90 Minuten braucht - nix für kleine Kinder, die alle fünf Minuten fragen, wie lange es noch dauert. Es dauert!!!

Man hat sich daher entweder mit dem eigenen Auto auf die Insel und die B96 gekämpft oder ist bis Berlin geflogen, mit dem Zug nach Stralsund gefahren und hat sich dort einen Leihwagen genommen. Die großen Firmen holen einen auch am Bahnhof ab. Danach zuckelt man ganz entspannt über vorher erwähnte Sundbrücke/n.

Bei der Vorplanung sollte man allerdings wissen, was man will. Steht einem der Sinn nach Strand, bietet sich die "Schaabe" an, ein wunderschöner langgezogener Sandstrand im Osten der Insel, der an der schmalsten Stelle gerade 500 Meter breit und eher eine mit Wald bewachsene Sandbank zwischen Ostsee und Bodden ist („Bodden“ nennt man die mit Meerwasser gefüllten Seen und Fjorde, die es hier massenhaft gibt). Möchte man lieber Ruhe haben, empfielt sich die Nordspitze um Kap Arkona, denn da sind die TT ab halb sieben weg und dann ist es richtig schön und ruhig.  Wir haben beide Alternativen ausprobiert, einmal eine Woche in einem Appartement in Juliusruh an der Schaabe, aber auch drei Wochen in Putgarten mit Sicht auf die berühmten Leuchttürme von Kap Arkona. Schön ist beides und Tagestouren bringen mehr, wenn man schon auf der Insel eine Bleibe hat. Wenn man im Laufe des Nachmittags eingetrudelt ist, hat man sowieso nur noch Zeit für einen ersten Rundgang und stellt dann fest, daß man die Zutaten für einen mittleren Familienhaushalt eben nicht beim örtlichen Dorfladen kaufen kann, entweder, weil es keinen  gibt oder weil man keinen Goldesel zuhause hat. Hier greift wieder das Auto, denn es gibt im Prinzip nur wenige Stellen, an denen man auf Rügen familiengerecht einkaufen kann. Einkaufen

Wer ganz viel Ruhe haben will, kann sich auch auf der Insel Hiddensee einmieten. Der fährt entweder nach Schaprode, stellt sein Auto dort ab und nimmt die Fähre oder das Wassertaxi oder er fährt mit dem Zug nach Stralsund und nimmt am Hafen die Fähre zur Insel, denn sein Auto darf man auf diese Insel nicht mitnehmen. Man darf auch kein Allergiker sein, weil das Speisenangebot der Restaurants keine Rücksicht darauf bietet und der Laden im Hauptort logischerweise eine  beschränkte Auswahl hat - dazu aber später mehr.
Essen und Trinken
Was man auf Rügen überall findet, sind Restaurants mit Fischgerichten und vornehmlich deutscher Küche mit allen möglichen Bier- und Schnapssorten. Es tut zwar ganz gut, mal keine Pizzerien und Dönerbuden in Massen zu sehen, aber wenn man keinen Fisch mag, wird es schwer und wenn man Allergiker ist, ist es unmöglich, essen zu gehen. An den Hafenorten findet sich immer ein Fischgeschäft und oft kann man - wie in Sassnitz - direkt bei den Fischern vom Boot kaufen und weiß, daß die außer Rauch und Salz nichts drantun. Wer selber kochen will, findet auf Rügen alles, was er braucht. Einen Dönerladen habe ich bei Sagard gesehen, es gibt noch einen in Putbus, hinter Stralsund gibt es Mäckes und in Bergen einen Burger King.   Einkaufen

Ferienhäuser
Die Ausstattung der Ferienhäuser und Appartements ist sehr unterschiedlich, wir haben ein Appartement mit vier Frühstücksgedecken und Wasserkocher genauso gehabt wie ein Ferienhaus, was so ausgestattet war, wie wir zuhause wohnen. Vorab muß man sich also informieren und zahlt in der Hochsaison für ein sehr gut ausgestattetes Ferienhaus im Prinzip einen guten Hunni pro Tag, in den kleinen Appartements nicht viel weniger. Je nachdem, was man vorhat, macht es Sinn, das Ferienhaus zwischen/nach Bergen oder Binz zu legen, da gibt es einen Bahnanschluß über Stralsund und Rostock, sonst muß man einfach viel mit dem Auto fahren. Übrigens ist das Wasser im Norden der Insel so kalkhaltig, daß es teilweise weiß aus den Leitungen kommt. Hier muß man evtl. so vorgehen, wie man es aus Spanien gewohnt ist - stilles Wasser kaufen und zum Kochen verwenden.

Einkaufen, Touri-Läden, Tanken und Autofahren
Das größte Einzelhandelsangebot nach Stralsund findet man in Binz, denn da gibt es alles, was es in einer mittelgroßen Stadt geben muß. Das Ladenangebot in Bergen fällt dagegen bereits deutlich ab. Diese beiden Städte haben auch Buchhandlungen, Modegeschäfte, Friseur, Fachgeschäfte etc. und nicht nur Cafés und  Fischbuden. Wenn man aber Spezielles braucht, hilft es alles nichts, man muß entweder aufs Festland (Stralsund) oder läßt es sich schicken.

Supermärkte finden sich in den mittelkleinen Orten (meistens Netto, viermal Aldi, fünfmal Lidl, diverse Edeka), doch das gleichzeitige Nebeneinander von mehreren Discountern habe ich nur in Sagard gesehen. Außerdem gibt es auf Rügen das Kaufhaus Stolz (Klamotten und Haushaltszubehör) mit vier Filialen (Binz, Bergen, Sagard, Altenkirchen). Auf der Insel sollte man sowieso viel frischen und geräucherten Fisch essen, er ist besser und billiger als in den Städten und wer selber eine Angeltour auf der Ostsee machen will, kann in Sassnitz diverse Fahrten buchen (ca. 55.- für neun Stunden auf dem Kutter).

Das beste Angebot an Discountern findet man in Sagard. Man fährt die 96 Richtung Altenkirchen und biegt vor Safard auf die Landstraße L 30. Wenn die in das berüchtigte Kopfsteinpflaster übergeht, kommt man kurz danach an eine Kreuzung, wo alles liegt: Aldi, Lidl, Edeka, ein non-food-Supermarkt mit Teppichen, Handtüchern, Elektro, Kleinmöbel und die dazugehörigen Fisch-, Fritten- und Wurstbuden. Selbst von Kap Arkona lohnt es sich, die 30 km dorthin zu fahren. Laktose-, Gluten- und Nuß-Unverträgliche finden im großen Edeka in Sagard alles, was sie brauchen, Aldi und Lidl müssen da noch etwas tun (immerhin gibt es laktosefrei Milch und den einen oder anderen Käse), Netto hat diesbezüglich nichts, dafür alle möglichen Fertigwaren. Wir sind immer nach Sagard gefahren.

Man muß gerechterweise aber auch sagen, daß es viele Orte gibt, in denen man nur wohnen kann und dort essen gehen muß, wenn man keine Zutaten hat. Dafür hat jedes Dorf einen Touri-Laden, in dem man Muscheln, Kerzen, blau angemalte Holzmöwen, Filzfiguren, Leuchttürme in allen Größen, Farben und Formen kaufen kann - wer mit Kindern fährt, kann sich davor sowieso nicht retten und wer es schön findet, dem sei es gegönnt. Die vielen Kunsthandwerker mit Angeboten zum Selberfilzen, Basteln von Traumfängern, Kerzenziehen bis zur Selbstverwirklichung etc. lasse ich jetzt auch mal außen vor.

Tankstellen sind ebenfalls rar gesät. Wer neu ist, tankt erst einmal kurz hinter Stralsund auf der B 96. Die weiteren Tankstellen sind gut versteckt, doch man findet sie irgendwann durch Zufall (Bergen, Sagard, Binz, Sassnitz , Altenkirchen und noch ein paar andere Orte). Trotzdem sollte man den Tank nicht unter 50 km Reichweite fallen lassen - es könnte eng werden, wenn man sich verfahren hat. Ein gutes Navi macht sich hier bezahlt (meins hat mir schon viel Zeit, Nerven und Stau gespart, weil es auch die überlasteten Straßen erkannt hat).

Autofahren ist bis zur neuen Rügenbrücke kein Problem. Man erkennt die fortgeschrittenen Anstrengungen um einen vierspurigen Bau der von der neuen Brücke kommenden Straße, doch es wird noch dauern, bis man zumindest bis zum Abzweig Bergen und Sassnitz fahren kann, ohne dauernd anhalten zu müssen. Schlimm ist es für Fußgänger und Radfahrer, die die B96 überqueren müssen. Die warten auch schon mal zehn Minuten, bis sie beide Spuren überqueren können. Auch hier braucht man viel Geduld.

Das Fahren auf den engen Alleen ist dagegen Nervensache. Die Straßen haben mancherorts sogar noch den originalen Vorkriegszustand des Ersten Weltkrieges und wer unbedingt Fahrrad fahren will, läßt es spätestens dann, wenn er auf dieses Pflaster kommt. Auf der Autobahn wäre eine solche Straße wie unten eine Fahrspur, auf den Nebenstrecken sind es zwei. Überholen geht einfach nicht und ich habe mehrere „Spiegelklatscher“ in wenigen Wochen gesehen, weil man die Breite der Straße überschätzt hat. Viele Kreuze mit Blumenvasen, Fotos und Schildern zeugen von tödlichen Unfällen, denn wenn man auf den engen Alleen zu schnell fährt und einen Fahrfehler macht, klebt man direkt am nächsten Baum, die hier oft im zehn-Meter-Abstand stehen.

Gerade auf den Alleen ist also Gemütlichkeit angesagt, dann kann man noch bremsen, wenn ein Wohnmobil oder ein LKW entgegenkommt. Also auch hier ganz viel Geduld haben und sich Zeit nehmen.


Kopfsteinpflaster aus der Jahrhundertwende - für Pferde bedingt geeignet. Gesehen auf der Straße zwischen Wiek und Juliusruh, doch solche Straßen findet man auch um Sassnitz und Jasmund.
Die gleiche Straßenbreite wurde einmal geteert und rüttelt daher weniger. Straße zwischen Altenkirchen und Kap Arkona.
Jetzt kann man weitermachen.
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Text und Fotos: © Martin Schlu 2011/12, Stand:9. Oktober 2014