Reiseberichte - Deutschland - Rügen - Binz


Rügen

Binz
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Text und Fotos: © Martin Schlu 2011/12, ergänzt 30. Juli 2012
 

Das Seebad Binz Ende Juli 2012

Binz wurde in der zweiten Häfte des 19. Jahrhunderts ein Seebad für etwa 100 Feriengäste, die anfangs privat untergebracht wurden. Als sich abzeichnete, daß man mit diesen Feriengästen Geld verdienen konnte, wurde bis zur Jahrhundertwende erheblich investiert. Ein Bahnhof wurde gebaut, der an die Linie Stralsund-Bergen anschloß, die Wege wurden planiert (Autos gab es noch nicht, aber Kutschen) und als aktuelles Statussymbol wurde 1902 endlich ein 520 Meter langer Fähranleger fertiggestellt, von dem die Gäste vom Schiff direkt an Land gehen konnten, ohne daß sie - wie z. B. in Hiddensee - erst in ein Fährboot umsteigen mußten. Zwei Jahre später wurde der Anleger das erste Mal neu gebaut, weil eine Sturmflut ihn zerstört hatte, doch die Investition rechnete sich, denn Seebäder waren in Mode gekommen. Bei einem Zusammenbruch des Anlegesteges gab es 1912 vierzehn Tote, weil sich zuviele Menschen auf ihm aufgehalten hatten. Diese Katastrophe zog weite Kreise, führte zur Gründung der DLRG und zu sicherheitstechnischen Auflagen für künftige Stege. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Steg 1943 aus strategischen Gründen zerstört und zu DDR-Zeiten nicht wieder aufgebaut. Nach dem Mauerfall entstand die Seebrücke 1994 neu, besteht nun aus Beton und Stahl und führt 370 Meter ins Wasser. Am Ende können wieder Schiffe anlegen.

Der Anlegesteg, wie er sich heute zeigt

Zahlreiche Villen entstanden bis 1900 direkt am Strand und als der Strand unter den Familien aufgeteilt war, baute man in zweiter Reihe oder an der Hauptstraße, die auf das neue Kurhaus führte. Um 1910 war das Badeleben und der gesellschaftliche Status, den der Ort gewonnen hatte, auf einem Höhepunkt, doch diese Zeit endete mit dem zweiten Weltkrieg und der DDR-Zeit. Mittlerweile sind es wieder Tausende, die im Sommer in Binz leben und die Strände und Promenaden snd entsprechend voll. Schön ist es immer noch, denn der Strand ist lang und fällt so langsam ab, daß es selbst für kleine Kinder möglich ist, ein paar Meter ins Wasser zu gehen. Man muß etliche Meter ins Wasser gehen, ehe man überhaupt schwimmen kann und entsprechend langsam kommen die Wellen an.

Heute ist Binz eine größere Stadt mit einer quirligen Fußgängerzone, allen möglichen Geschäften, sehr guten Einkaufsmöglichkeiten, ausreichend guten Restaurants und vielen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten. Wer wie zu Kaisers Zeiten wohnen möchte, findet in den restaurierten Villen ein stilvolles Ambiente. Wer es anders mag, findet genug Ferienwohnungen oder geht ins Hotel. Selbst in der Hochsaison findet man noch das eine oder andere Appartement.


Literatur zur Einstimmung auf das Seebad Binz

Kern, Judith: Das Leuchten des Sanddorns. Roman. Knaur Taschenbuch 63987, München 2009
Der Roman handelt von der Villa Luise vom Ende des 19. bis zum beginnenden 21. Jahrhundert und natürlich auch der zu ihr gehörenden Familie. Die Geschichte ist literarisch
zwar nicht der ganz große Wurf und nicht mit Christine Brückners "Poenichen"-Trilogie vergleichbar, aber trotzdem sehr interessant beschrieben. Die Verfasserin schildert die wilhelminische Epoche, die erste Weltkriegszeit, Inflation und aufkommende Nazizeit, sie beschreibt die Nachkriegszeit, den darauf folgenden Stalinismus und die beginnende DDR-Zeit. Am Ende des Romans springt die Verfasserin im Epilog auf die Nach-Wende-Zeit nach dem Mauerfall. Besonders gelungen sind die Passagen, die in Binz und Sassnitz spielen, weitere Orte auf Rügen werden kurz abgehandelt.  Insgesamt ist das Buch sehr lesenswert und für Binz-Urlauber eine Offenbarung.


An einer Historientafel des Hotels „Imperial“ rechts vom Binzer Seesteg findet man ziemlich viele Parallelen zwischen der Romanfamilie und der realen Hotelfamilie Staub und Löw. Die Im Text behandelte "Villa Luise" gibt es so nicht, aber man muß sie sich so vorstellen wie die existierende "Villa Charlotte" und an der zur Promenade führenden Straße und in zweiter Reihe zur Seeseite findet man solche Häuser auch heute noch.
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Text und Fotos: © Martin Schlu 2011/12, Stand: 30. Juli