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Bonn als Regierungssitz - 1288 - 1314 - 1582  1673 - 16891949
Text und Fotos: Martin Schlu,  Stand: 18. Februar 2025


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Einführung


Beuel
Innenstadt
Godesberg
Hardtberg

Regierungszeit

Beethoven
Schumann


Der Regierungssitz vn 1659 - heute eine Universität.


Der alte Regierungssitz der Kölner Erzbischöfe - heute die Bonner Universität.

Die Schlacht von Worringen 1288
1282 erlosch die Erbfolgelinie des Herzogs von Limburg, der auch Besitzansprüche in Brabant hatte. Weil Brun von Köln (der Bruder Ottos des Großen) von 953 an sowohl über das Erzbistum Köln als auch das Herzogtum Lothringen geherrscht hatte und als Kölner Erzbischof der Vertreter des Königs gewesen war, wollten die Grafen von Berg (Rheinland) und die Grafen auf der Mark in Westfalen als Rechtsnachfolger ihre Macht zur Unabhängigkeit vom Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg ausnutzen. Um sich zu wehren, bildete Siegfried 1283 eine Allianz von Luxemburg bis zum Sauerland gegen den Herzog Johann I. von Brabant, der wiederum vom Bergischen Land bis nach Westfalen unterstützt wurde. Es ging also um größere Gebiete.

Nach fünf Jahren Krisendiplomatie und kleineren Scharmützeln kam es zu einer Belagerung der Stadt Worringen, bei der die Kölner Bürger das Brabanter Heer militärisch stark gegen ihren Erzbischof unterstützten. Mit ca. 10.000 Soldaten kam es am 5. Juni 1288 zur Schlacht auf der Fühlinger Heide, die für den Kölner Erzbischof nicht glücklich ausging, weil erst die verbündeten Luxemburger Herrscher in der Schlacht starben und danach die Brabanter den Erzbischofgefangen nahmen. Etwa 30% der beteiligten Soldaten, Reiter und Bauern starben. Brabant und die Niederlande gingen gestärkt aus diesem Krieg hervor, Kurköln wurde geschwächt, Düsseldorf gestärkt. Die Kölner Erzbischöfe hatten von nun an gegenüber der Kölner Bürgerschaft keine weltliche Macht mehr und kommende Erzbischöfe suchten deswegen lieber Residenzen außerhalb Kölns. Die Godesburg in Bonn bot sich an, die ab 1210 erbaut worden war, in guter Erreichbarkeit lag und einen guten Schutz vor feindlichen Angriffen bot.Die

So wurde Bonn das erste Mal vorübergehend Regierungssitz.

Die Godesburg als Modell, wie sie um 1300 ausgesehen hat.
Oben: Die Godesburg als Modell, wie sie um 1300 ausgesehen hat.

Unten: Die Godesburg im heutigen Zustand - mittlerweile sogar mit Fahrstuhl

Die Godesburg im heutigen Zustand

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Die doppelten Könige 1314
Um die Nachfolge  Heinrichs VII. von Luxemburg als König des Heiligen Römischen Reiches stritten sich seit dessen Tod am 24. August 1313 Ludwig der Bayer (Haus Wittelsbach) und sein Vetter Friedrich der Schöne (Haus Habsburg). Ludwig hatte im Juni 1313 die Vorherrschaft in Bayern erlangt und schlug im November des gleichen Jahres das Heer Friedrich des Schönen, Damit hatte er auch die Vormundschaft über seinen älteren Bruder Rudolf I., den Pfalzgrafen zu Rhein erworben und sah sich als Nachfolger der Limburg-Luxemburger Königsfamilie.

Um eine weitere Dynastie der Luxemburger als Nachfolger zu verhindern, schlug sich der Kölner Erzbischof auf die Seite Friedrichs, zusammen mit dem Wittenberger Kurfürst Rudolf von Sachsen und Ludwigs Bruder, dem Pfalzgraf Rudolf I. , der mit ihm noch eine Rechnung offen hatte. Bei sieben Kurstimmen (drei Erzbischöfe und vier Kurfürsten) wäre Friedrich mit drei Stimmen zwar unterlegen gewesen, aber....

Ludwig der Bayer auf einer Darstellung der Drachenburg in Königswinter
Ludwig der Bayer auf einer Darstellung im Treppenhaus der Drachenburg in Königswinter (bairische Rechtschreibung)

die Erzbischöfe von Mainz und Trier gaben Ludwig dem Bayern ihre Stimmen, ebenso der Markgrafen von Brandenburg, weil sie eine Dynastie der Habsburger verhindern und lieber einen Wittelsbacher auf dem Thron sehen wollten. Nun war eine Pattsituation erreicht, denn der König von Böhmen hatte gegenwärtig nicht viel zu sagen, weil er 1310 vertrieben worden war und Papst Clemens V. konnte diesbezüglich auch nicht mehr entscheiden, weil er schon Monate vorher, im April 1313,  gestorben war. Erst 1316 stand der päpstliche Nachfolger fest, doch da waren die Königswahl und  -krönung bereits gelaufen.

Man handelte pragmatisch, weil man eine schnelle Lösung brauchte: Der Wittelsbacher Friedrich wurde am 19. Oktober nicht im Frankfurter Dom gewählt, sondern gegenüber des Doms auf dem Sachsenhausener Ufer. Der Habsburger Ludwig wurde einen Tag später auch nicht im Dom gewählt, sondern vor der Frankfurter Stadtmauer. Ebenso ein Kompromiß war die Krönung: Der rechtmäßige Krönungsbischof, der Erzbischof von Köln, krönte seinen Kandidaten Friedrich am 25.11. 1314 auf Kölner Gebiet, nämlich im Bonner Münster und dieser Friedrich besaß auch die Reichsinsignien (Reichsapfel und Szepter) von seinem Vater. Im rechtmäßigen Krönungsdom in Aachen wurde vom Erzbischof von Mainz und Trier der Habsburger Gegenkönig gekrönt (mit einer Kopie der Reichsinsignien).

Man wartete nun auf einen Krieg der beiden Könige, weil man so ein Gottesurteil gehabt hätte - doch Gott ließ sich gut zwanzig Jahre Zeit. E
rst im September 1322 gab es eine Entscheidung, als Ludwig seinen Vetter gefangennahm und drei Jahre lang festhielt. Der neue Papst  Johannes XXII. entzog Ludwig zwar die Königswürde und drohte mit Exkommunikation, doch Ludwig rettete die Situation, als er Friedrich freiließ und mit ihm das Abendmahl feierte. Mit der Feier des Abendmahls zusammen mit dem geächteten Ludwig hatte Friedrich nämlich die päpstliche Exkommunikation ignoriert und sich dadurch gegen den Papst gestellt. Zur Sicherheit verlobten Ludwig und Friedrich ihre Kinder miteinander. Nun war Friedrich allerdings ein zahnloser Tiger geworden, der politisch nichts mehr gegen seinen Vetter unternehmen konnte. Den Rest seines Lebens verbrachte er daher in Wien, das deswegen stetig zur Habsburger Residenz wurde.

Ludwigs Aufstieg ging unterdessen weiter. 1327 zog er mit dem Heer nach Italien und 1328 krönte er sich selbst zum Kaiswe, ohne daß der Papst dies verhindern konnte. Als Kaiser Ludwig IV. schaffte er es, den päpstlichen Gegenspieler zu entmachten und zwang ihn zum Rücktritt. Auf dem Rückweg von Rom war Ludwig Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und König von Bayern. Er gründete in Oberammergau das Kloster Ettal, das in den nächsten Jahrhunderten eine Kaderschmieder für klerikalen Nachwuchs wurde und heute noch besteht.

Weitere Gebiete kaufte er dazu: Tirol (1342), Holland, Hennegau, Seeland und Friesland (1346) .


Ludwig starb 1347 als Herrscher eines riesigen Reichs. Einen Regierungssitz in Bonn hatte er da längt nicht mehr, sondern die Regierung war dort, wo der König/Kaiser war (Reisekönigtum).

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Der evangelische Erzbischof 1582
Der Kölner Erzbischof Gebhard von Waldburg-Trauchburg wurde 1582 evangelisch, weil er sich verliebt hatte und heiraten wollte. Im Februar 1583 erließ er erst Glaubensfreiheit für Köln, dann heiratete er in Bonn seine Geliebte. Damit brauchten die Kölner einen neuen Erzbischof, doch Gebhardt dachte gar nicht daran seinen Titel abzugeben. Die Kölner verstanden hier keinen Spaß, weil sie befürchten mußten, evangelisch zu werden und jagten ihn aus der Stadt. Als der Papst den evangelischen Erzbischof Gebhardt exkommuniziert und abgesetzt hatte, zog der sich auf die Godesburg zurück, nachdem ihm Truppen aus der Pfalz und dem evangelischen Westfalen zur Unterstützung zugesichert wurden. Damit wurde Bonn das zweite Mal Regierungssitz.

Allerdings ging die Sache schief. Katholische Truppen aus Bayern und Spanien zerstörten die Godesburg am 17. 12. 1583 und vertrieben den evangelischen Erzbischof. Zur Sicherheit wurde das Burggebäude mit etwa 750 kg Schießpulver gesprengt, damit der Erzbischof nicht mehr dort wohnen konnte. Nur der Begrfried blieb stehen.

Gebhardt
bekam durch Wilhelm von Oranien erst Asyl in den Niederlanden und 1587 kehrte er mit einem niederländischen Heer nach Bonn zurück. Die Stadt wurde belagert, einen Tag vor Heiligabend erobert und danach zerstört. Bonn wurde in den nächsten Jahren wieder von Köln verwaltet und hatte zum zweiten Mal den Status des Regierungssitzes verloren.

Die Ruine der Godesburg im heutigen Zustand
Die Ruine der Godesburg im heutigen Zustand. Bikdquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Godesburg_2_db.jpg

Die bayischen Wittelsbacher saßen nun fest im kurkölnischen Sattel und stellten bis zum Ende Kurkölns 1794 (als Napoleon in Bonn einmarschierte) die Erzbischöfe und Köln blieb mit ihrer Hilfe auf Dauer katholisch. Weil die Godesburg aber nicht mehr als weiterer Regierungssitz taugte, erbaute man am Bonner Markt ein neues erzbischöfliches Palais und errichtete weitere Sommerresidenzen in Brühl und Poppelsdorf, die noch später als barocke Neubauten ausgeführt wurden. Die Welt war wieder in Ordnung.

Nach dem Truchseß'schen Krieg heißt die Straße von Friesdorf zur Godesburg bis heute  „Truchseßstraße“.


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Erste Belagerung Bonns (1673)
Nachdem der französische König Ludwig XIV. 1672 die protestantischen Niederlande angegriffen hatte um sie wieder auf den katholische Glauben einzuschwören, hatte der Kölner Erzbischof seine Unterstützung signalisiert. Das stand im Gegensatz zur Reichspolitik Leopold I., der ja auch das Heilige Römische Reich deutscher Nation (HRR) zusammenhalten mußte.  Als die französischen Truppen eine Niederlage erlitten, zogen Truppen der Spanier, der Niederlande und des Kaisers vor das Bonner Stadttor um den Franzosen den Versorgungsweg in die Niederlande abzuschneiden. Am 3. November kamen die niederländischen Truppen unter Wilhelm von Oranien III. in Plittersdorf an und der Kölner Kurfürst und Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern floh aus der Residenzstadt Bonn nach Köln.

Belagerung Bonns durch Wilhelm III von Oranien im Jahr 1673
Belagerung Bonns durch Wilhelm III. von Oranien im Jahr 1673 während des Holländischen Kriegs (Rijksmuseum, Niederlande)
Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/58/1673_Bonnbelagerung.jpg


Die Truppen belagerten die Stadt und begannen fünf Tage später, am 8. Juni, mit dem Beschuß von Stadtmauer und Gebäuden. Der französische Kommandant
Ravillon und der Kurkölner Stadtkommandant von Landsberg kapitulierten vier Tage später, am 12. November, und bekamen freien Abzug.

Ein knappes halbes Jahr später, im April 1674, mußte der Erzbischof von Köln mit den Niederlanden Frieden schließen und deren protestantische Religion akzeptieren. Der französische König mußte seine Expansionspläne in die Niederlande aufgeben und in Bonn wurden die Schäden repariert.
Das Palais am Marktplatz war aber noch bewohnbar.

Erst, nachdem alles vorbei war, kam der Erzbischof wieder zurück.



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Zweite Belagerung Bonns von 1689
1668 konnte der Maximilian Heinrich von Bayern mit französischen Bestechungsgeldern Ludwigs XIV. durchsetzen, daß Egon von Fürstenberg designierter Nachfolger in Köln werden sollte. Egon hatte 1657 den französischen König kennengelernt, sich mit ihm verbündet, war beruflich aufgestiegen und sechs Jahre später Bischof von Metz geworden. Maximilian war selbst Bischof von Freising, Neffe des Kurfürsten Maximilian I. und des Erzbischofs von Köln Ferdinand von Bayern, der gleichzeitig auch Herzog von Westfalen war, das damals bis nach Lüttich und Hildesheim ging. Ihm lag also daran, das Kölner Territorium auszuweiten und die beiden Brüder Fürstenberg sollten die Türöffner zum französischen König werden.

Als Maximilian am 3. Juni 1688 starb, schien die geplanten Übernahme des kölnischen Erzbischofs  durch Egon von Fürstenberg glatt zu gehen, doch Papst Innozenz XI. verweigerte seine Zustimmung, weil er befüchtete, daß der französische König zu mächtig würde, wenn ausgerechnet der Erzbischof von Köln eine Allianz mit  Ludwig XIV. einging - immerhin hatte der gerade die Spanischen  Niederlande überfallen und konnte sich am  2. Mai 1668 ein paar Teile Spaniens einverleiben.



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Der Neustart der „Bonner Republik“ 1949
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