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Frühbarock - Schütz - Kaiserwahl und Kriegsausbruch


Barock
Frühbarock

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Alter und Ende
1650 - 1672

Zeittafel

Werke

Literatur

Heinrich Schütz 1619 - 1627
Glück, Unglück und Krieg
© Martin Schlu 2005/4.4.2010

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1619
Kurz nach der Veröffentlichung der "Psalmen Davids" im April heiratet Schütz am 1. Juni 1619 die achtzehnjährige Anna Magdalena Wildeck (geb. am 20. 2. 1601), die Tochter des kurfürstlichen Finanzverwalters, eine Verbindung, die der Kurfürst unterstützt, weil sie Schütz stärker an seinen Hof bindet. Eine Hofkapellmeisterstelle beim Kurfürsten reicht als Grundlage einer Familie allemal aus und Schütz hat einen guten Ruf. Dies wird bei der Hochzeit deutlich, denn von überallher kommen Hochzeitsgeschenke wie goldene Becher, Geld, ein Faß Rheinwein - überraschend sind die Absender: der Weißenfelser Stadtrat (gut, der Vater war dort Bürgermeister), der Magistrat von Chemnitz und das Domkapitel von Naumburg; Schütz ist offensichtlich weit bekannt und gut gelitten, obwohl noch kaum etwas von ihm gedruckt wurde. Zur Hochzeit werden - wie heute auch noch - Gedichte geschrieben und vorgetragen.
 
Am 17. Juli schreibt Schütz dem Rat der Stadt Frankfurt ein Widmungsschreiben zu den "Psalmen Davids":
Edle, Ehrnveste, hoch vnd wohlgelehrte, auch hoch und großachtbare, Insonders großgünstige Herrn, Ew. Herrlichkeiten und gunsten gebe ich dienstfreundlich zu vernehmen, daß ich ezliche Psalm des Königs und Propheten Davids, wie sie in ihren formalibus von ihm selbst concipiret, aus sonderlicher devotion, Gott zu Ehren, wie ein ieder in seinem beruff alles zuförderst dahin zu richten vnd anzustellen verpflichtet ist, in die Noten gesetzt vnd nunmehr auf vieler frommer Herzen vnd Christen anhalten vnd sollicirn in Druck amferttiget, Wann dann Ew. H. vnd gunsten wegen liebreicher Affection zur Music sehr beruffen vnd berühmt werden, Solches auch augenscheinlich in der That erweisen, das sie in ihren wohl bestalten Kirchen und Schulen allerley instrumental und vocal Musicken mit großen Kostenn treulich pflegen und exerciren lassen. Als lebe ich hierumb der Ongezweifelten Zuversicht, Ew. H. vnd gunst wurden zuförderst an solchen und dergleichen Geistlichen Concerten eine hohe Beliebung vndt an diesem meinem opere kein ongeneigtes gemüth oder gefallen schepfen, derowegen an diesselbe ich die Offerirung berührtes und beigebundenes meines operis hiermit zu werck gerichtet, gantz dienstlich bittend solches mit geneigtem Gemüth auff- und annehmen vnd zu ihrer Affection zu jederzeit mich commendiert sein zu lassen. Dargegen ich mich zu allen bereitwilligsten Diensten schuldigst erkennen will. Dresden den 17. Juli anno 1619. Ew. Herrlichkeit Dienstgeflissener Churfürstlich Sächsischer Capellmeister daselbst

Heinrich Schütz.
 
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Nach der Hochzeit wird Schütz nach Bayreuth eingeladen, um am 12. August die neue Orgel abzunehmen und probezuspielen, ein Instrument von Gottfried Fritzsche aus Dresden mit drei Manualen und 34 oder 35 Registern. Mit ihm spielen und prüfen Michael Praetorius, Samuel Scheidt und Johann Staden. Anschließend gibt es ein Bankett im Markgräflichen Schloß und Praetorius beschreibt die Disposition dieser Orgel im zweiten Band seines "Syntagma Musicums".
 
Leider brennt diese Orgel zwei Jahre später beim Bayreuther Stadtbrand wieder ab.(Gregor-Dellin, 113f)

In diesem Jahr stirbt außerdem Kaiser Mathias in Wien und  Johann Georg I. wird im ersten Wahlgang als Kaiser gewählt, obwohl er protestantisch ist. Durch seine Ablehnung wird allerdings Erzherzog Ferdinand als Ferdinand II. sein Nachfolger. Dieser ist noch etwas strenger katholisch als Mathias und das bedeutet für den protestantischen Kurfürsten Johann Georg eine außenpolitische Gefahr, weil man in Dresden (obwohl dem Kaiser untergeordnet) bislang protestantisch liberal sein konnte. Einerseits fürchtet der sächsische Kurfürst den katholischen Kaiser Ferdinand, andererseits wurde dieser Kaiser mit den Stimmen der protestantischen Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg gewählt. Johann Georg vertraut daher eher den protestantischen böhmischen Ständen -  ein Denkfehler, wie sich später zeigen wird.
 
1620 - Seitenanfang
Friedrich von der Pfalz soll sich bis zum 1. Juni aus Böhmen zurückziehen und die böhmische Krone an den Kaiser abgeben. Das tut er natürlich nicht und so kommt es zur "Schlacht am, Weißen Berg" . Dort unterliegen die protestantischen böhmischen Aufständischen und die Katholische Liga erreicht ihren ersten wichtigen Sieg. Nach einem halben Jahr Regierung muß der "Winterkönig" abdanken. - zum Krieg
 
1621 - Seitenanfang
Schütz's erste Tochter Anna Justina wird geboren. Dennoch kommt es nicht zur Familienidylle, denn Schütz wird das erste Mal in den 30jährigen Krieg einbezogen, weil er im Oktober mit Kurfürst Johann Georg nach Breslau muß, damit dort den schlesischen Ständen gehuldigt werden kann. Der Kaiser hat Johann Georg zwar religiose Toleranz (das heißt die Erlaubnis zum Protestantismus) zugesichert, doch wie lange dies gut gehen kann, weiß kein Mensch. Johann Georg probiert ein Doppelspiel: Freundschaft zu den Böhmen und zum Kaiser. Dabei geht der Krieg an die finanziellen Grenzen Dresdens und regelmäßige Soldzahlungen gibt es schon seit 1619 nicht mehr.
 
1622 - Seitenanfang
 
 
1623 - Seitenanfang
Die zweite Tochter Euphrosyne wird geboren.
 
Vermutlich wollte Schütz sich in Frankfurt für das Amt des Musikdirektors bewerben, das 1623 eingerichtet wurde, allerdings hat er auch an andere Städte ähnliche Schreiben gesandt. Überall sonst gab es höfliche Absagen, aber zumindest Aufwandserstattungen in Form von Geld oder Geschenken. Frankfurt hatte einen sparsamen Kämmerer, der Schütz nur sechs Reichstaler übermitteln ließ. Immerhin werden die Noten ordnungsgemäß inventarisiert, erscheinen 1626 im Verzeichnis - und verschwinden.
 
Die Mutter des Kurfürsten, Sophia, stirbt und Schütz muß für die Beerdigungsmusik "Grimmige Gruft"den Grabgesang dichten, weil kein Texter zu bekommen ist:
Bitterer Tod, ob du geschwind
Uns jetzo hast betrübet
Und wie an allen Adams Kind
Dein Tück an uns geübet,
Doch hoffen wir
Daß, welcher dir
Den Stachel hat genommen,
Die Gbeine kalt
Wird wecken bald,
Wann er wird wiederkommen
 
 
1624 - Seitenanfang
 
 
1625 - Seitenanfang
Die "Cantiones Sacrae" SWV 53-93 werden vollendet. Es ist das vierte große Werk von Schütz.
 
Bei der Pockenepidemie stirbt nicht nur die Schwägerin Anna Maria, sondern vier Wochen später auch Schütz' Frau Anna Magdalena. Durch seine vielen Abwesenheiten und Dienstreisen schafft Schütz es nicht, die kleinen Mädchen zu versorgen und Anna und Euphrosyne werden die nächsten paar Jahre bei der Großmutter Wildeck aufgezogen, als die stirbt, übernimmt es eine Großtante und dann sind die Kinder erwachsen. Die Älteste wird gerade siebzehn Jahre, die Jüngere heiratet, bekommt Kinder und wird dann Witwe - der Letzte, der sterben wird, ist ihr Vater. Die Trauermusik zum Begräbnis Anna Magdalenas ist SWV 94 "De Vitae Fugitate, Ich hab mein Sach Gott heimgestellt".
 
 
1626 - Seitenanfang
Anfang des Jahres benötigt Johann Georg eine Hochzeitsmusik, weil seine fünfzehnjährige Tochter zu Beginn des nächsten Jahres heiraten wird. Schütz sieht sich allerdings außerstande dafür zu schreiben, zu frisch ist der Verlust seiner Anna Magdalena, und so bittet der Kurfürst auf Schütz Empfehlung um die Musik von Jacop Peris Oper "Dafne". Nun ist Peris Text natürlich italienisch und Schütz verweist auf Martin Opitz, der ihn auch übersetzen könne. Martin Opitz wiederum übersetzt nicht nur, sondern schreibt komplett neu, so daß Schütz letztendlich doch noch eine Musik zu dem Opitz'schen Text schreiben muß. Die Musik der ersten deutschen Oper "Dafne" ist allerdings verschollen.
 
 
1627 - Seitenanfang
Anläßlich des Mühlhausener Fürstentages vom 4. Oktober bis zum 5. November führt Schütz die doppelchörige Motette "Da Pacem Domnine" auf, die form- und protokollgerecht mit einem Außenchor (vor der Kirche) die anwesenden Fürsten angemessen begrüßt und mit einem Innenchor (in der Kirche) um Frieden bittet. Aufführungspraktisch sehr schwer zu realisieren und offensichtlich bis heute auch nicht mehr so aufgeführt. - zum Krieg 

Vermutlich hat sich Schütz in Mühlhausen auch nach anderen möglichen Arbeitgebern umgesehen - auf dem Fürstentag laufen ja genug Fürsten herum. In München ist dem Kurfürsten Orlando di Lasso gestorben und die Hofkapelle braucht einen Nachfolger - man kann sich den Kurfürstentag auch als eine Art Stellenmarkt vorstellen, aber Schütz bekommt nichts Greifbares. - Seitenanfang
 
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