Allergien und Unverträglichkeiten


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Allergien und Unverträglichkeiten
Stand: 29. Juli 2017 (erste Ausgabe 2003) Text und Fotos von Martin Schlu

2. Begrifflichkeit  -  3. Diagnostik  -  4. Umweltallergien5. Lebensmittelallergien

1. Vorwort
Meine Frau und ich lernten vor über über fünfundzwanzig Jahren mit unseren allergischen Kindern Begriffe wie „Pseudoallergie“ und „Kreuzallergie“ kennen und erfuhren, wie sich Allergien ständig veränderten. Nun sind die Kinder längst erwachsen und die ganze Familie ziemlich fit in allen Dingen, die allergische Reaktionen und Nahrungsunverträglichkeiten betreffen und so können wir jüngeren Eltern vielleicht ein paar Erfahrungen weitergeben. Mittlerweile hat eine der Töchter, Laura, eine Art Redaktion übernommen  den einen oder anderen Fehler verbessert und bei den Familientreffen wird immer gefachsimpelt, denn wir sind in den letzten zwanzig Jahre recht fit geworden. Nun zum Thema:

2. Begrifflichkeit Allergie - Pseudoallergie/Unverträglichkeit - Kreuzallergie - Anfang

2.1 Allergie
Eine Allergie ist eine Überrraktionen des Immunsystems auf Stoffe im Körper, die das Immunsystem als
vermeintlich feindlichen Eindringling bekämpft. Dadurch kommt es zu einer Reaktion wie der Rötung der Haut, Exzeme in Hautfaltenregionen, Schwellungen und Fieber, bis zur Übelkeit mit Erbrechen oder einem allergischen Schock, bei dem es lebensgefährlich werden kann. Klassische Allergien sind Umweltallergien z.B.  gegen Metalle, (wie bei Nickelallergie bei Jeansknöpfen oder Körperschmuck), Katzen-, Hausstaub- oder Wollallergie und Allergien gegen Nahrungsmittel (z. B. gegen Nüsse, Hühnereiweiß oder Ascorbinsäure). Wichtiger geworden in den letzten Jahren ist die Histamin-Intoleranz (HIT), das Schlimmste, was einem Allergiker passiern kann.

Eine Allergie läßt sich heute relativ sicher in einem Bluttest nachweisen. Sie ist aber nicht gottgewollt und ewig, sondern sie verändert sich. Nach zehn Jahren war z.B. die Hühnereiweißallergie bei zwei unserer Kinder verschwunden, denn der Körper hatte sie in den Jahren der Diät einfach vergessen. Begrifflichkeit


2.2 Unverträglichkeiten
Eine
Unverträglichkeit (oder Pseudoallergie) ist eine Überrraktion, die an eine andere Allergie gekoppelt ist, sie zeigt zwar die allergischen Reaktion, ist aber nur schwer oder gar nicht nachzuweisen. Eine typische Reaktion bei Unverträglichkeiten ist Übelkeit oder Ausschlag, unmittelbar, nachdem der Körper mit diesem Stoff in Berührung gekommen ist. Unverträglichkeiten fühlen sich an wie echte Allergien, nur der Umgang mit ihnen ist schwieriger, weil sie sich eben nicht nachweisen lassen.

- gegen Lebensmittel
Lebensmittelunverträglichkleiten sind so gemein, weil wir ja essen müssen und manchmal das, was man uns vorsetzt. Hier kann es lebenswichtig sein, genau zu wissen, was man nicht verträgt, man muß das falsche Lebensmittel erkennen können und af Dauer meiden - schlimmstenfalls kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen und man wird ein Fall für den Notarzt.

weiter zu den Lebensmittelunverträglichkeiten


- gegen Kleidung und Umwelt
Unverträglichkeiten haben viele Menschen auch gegen die Stoffe, die in neugekaufter Kleidung enthalten sind, Färberückstände, Impregnierungen, Mottengifte etc. - ein Grund, jedes neu gekaufte Stück erst einmal zu waschen. Dies sollte man grundsätzlich tun, egal, ob es sich um die eigene Kleidung oder um neue Kinderkleidung handelt. Denn zum einen kann sich neugekaufte Kleidung unbequem anfühlen und zum anderen kann gerade auch die empfindliche Kinderhaut auf diese Stoffe allergisch reagieren. Darum sollte man sich und seinen Kindern immer den Gefallen tun, jede neue Kleidung zu waschen. Von den Arbeitsbedingungen, unter denen fleißige Kinderhände z.B. in Bangladesch für textile Billigmarken diese Kleidung für uns herstellen, will ich lieber nicht reden - aber an der billigen Kleidung kleben auch die von den herstellenden Kindern erworbenen Allergien und Vergiftungen. Die kann man nicht rauswaschen.

- gegen Bett und Zubehör
Jedoch sollte nicht nur neu gekaufte Kleidung vor dem ersten Tragen gewaschen werden, auch Bettwäsche, Bettbezüge und Matratzen sollten gereinigt, sowie regelmäßig ausgelüftet und ausgetauscht werden. Besonders für Allergiker sind diese Schritte sehr wichtig, denn im Schnitt verbringt man täglich sechs bis acht Stunden im Bett und hier ist ökologischer Standard wesentlich. Mittlerweile gibt es Schlafunterlagen die sich äußerst gut für Allergiker eignen. Auch beim Kauf von Bettwäsche sollte man darauf achten, allergiefreundlich einzukaufen. Matratzen und Bettwäsche, die Milbenschutz bieten, können die Schlafzeit der Betroffenen sehr viel angenehmer gestalten. Daß Allergiker möglichst keine Federkissen benutzen sollten, liegt auf der Hand. - Begrifflichkeit
- gegen alles Mögliche
Das übersteigt hier den Platz der Seite, doch es gibt immer wieder Unverträglichkeiten, die die Lebensplanung durcheinanderwürfeln: Der Konditor, der Unverträglichkeiten gegen Mehl oder Laktose entwickelt, der Lackierer, der ständig Hautausschläge hat, die Arbeiter in den Slums, die ohne  Schutz mit Giftstoffen hantieren - wer nichts gegen seine Unverträglichkeite tut oder tun kann, lebt nicht so lange.


2.3 Kreuzallergien
Kreuzallergien
sind Mischformen zweier Allergien, die sich  sich zu einer neuen Variante kombinieren, z.B. eine Allergie mit einer Pseudoallergie. Die Kreuzallergien werden nicht im Allergiepass aufgeführt, da sie sich jederzeit ändern können, weswegen nur die echten Allergien im Pass aufgeführt sind. Hier eine kurze Übersicht der häufigsten Kreuallergie

Birke:
mögliche Reaktionen und Unverträglichkeiten auf Steinobst, Kernobst,
Erdbeere, Zitrusfrüchte, Litschi (Lychee), Kiwi, Petersilie, Tomate, Paprika, Sellerie, Möhre, Zwiebel, Knoblauch, Ananas und rohe Kartoffel (bei rohem Verzehr kann es zu starken Reaktionen kommen, vom harmlosen Niesen bis zum allergischen Schock). Eine Birkenpollenallergie  korreliert auch relativ häufig mit einer Erdbeerallergie, doch die ist nicht nachzuweisen.

Gräser/ Getreide
Verschiedene Mehlsorten, rohe Tomaten, Sellerie, Soja und Erdbeere,
zeitweisen Apfelallergie, die mal vorhanden ist und mal nicht. Gräserpollen gehen oft einher mit einer Weizen-/Gluten-Unverträglichkeit, die sich meistens mit starken Ausschlägen und Übelkeit bemerkbar macht. Eine Überempfindlichkeit gegen Sellerie ist problematisch, weil in den meisten Wurstwaren Selleriesalz enthalten ist. Hier hilft nur Ausprobieren.

Man kann  getrost davon ausgehen, daß eine bekannte Allergie noch mit ein paar Unverträglichkeiten einhergeht - hier muß man ganz einfach ausprobieren, was geht und was nicht. Erfahrene Hautärzte haben die meisten Kreuzallergien drauf. - Begrifflichkeit


3. Diagnostik und Kompetenz
- Anzeichen - Bluttest - Prick-Test - Desensibilierung?Anfang

3.1 
Anzeichen
Es dauert nicht lange, bis man merkt, daß mit dem Kind etwas nicht in Ordnung ist. Ausschläge, die nicht abheilen, Durchfall und/oder Übelkeit nach einem bestimmten Lebensmittel - das sind die Zeichen, die man eigentlich nicht übersehen kann. Wir hatten Glück - u
nsere Kinder hatten bereits bei der Geburt starke Ekzeme und wurden als erste Stufe „hypoallergen“ ernährt, d.h., sie bekamen als erste Fläschenmahlzeit eine reizarme Milchnahrung (auf der Packung muß hypoallergenstehen). Im Laufe der nächsten Monate wurde ein Lebensmittel nach dem anderen zugefüttert: Apfel, Banane, verschiedene Gemüse - jedemal, wenn der Ausschlag schlimmer wurde, wurde das entsprechende Lebensmittel zunächst wieder abgesetzt. Hatte sich die Haut gebessert, wurde es wieder gegeben, trat dann ein Ausschlag auf, hatten wir ein weiteres Lebensmittel gefunden, auf das die Kinder reagierten. Bis unsere Kinder vier waren, hatten wir durch "try und error" folgende Stoffe identifiziert: Hühnereiweiß, rohe Zwiebeln, bestimmte Südfrüchte mit hohem Ascorbingehalt (Orangen, Kiwi, Ananas, merkwürdigerweise nicht Zitrone), rohe Paprika, Geschmacksverstärker, einige Lebensmittel-Farbstoffe und Stabilisatoren.

3.2
Bluttest - zur Diagnostik
Eine Allergie ist eindeutig nur im Bluttest nachzuweisen, den die private Kasse zwar zahlt, aber nicht die gesetzliche Kasse - da reicht das Geld nur für einen Atemlufttest oder den Prick-Test, der aber nicht soviel bringt und eher rausgeschmissenes Geld ist. Man sollte Druck auf die gesetzlichen Kassen ausüben, in der Diagnostik nicht zu sparen, denn eine unbehandelte Allergie wird irgendwann zu einem chronischen Asthma, das für die Kassen viel teurer ist und die Lebensqualität ganz erheblich mindert.
3.3
Prick-Test - zur Diagnostik
Diverse Hautärzte machten einen sogenannten "Prick-Test", bei dem etwa dreißig Substanzen auf dem Rücken aufgetragen bzw. eingeritzt werden. Dieser Test ist bei Kindern ab etwa sechs Jahren möglich und engt das Feld ein, auf dem man suchen muß. Diverse Fachärzte wiesen uns auf die Uniklinik Köln hin. Diese entpuppte sich aber als ein große Katastrophe: wie im Vorgespräch abgesprochen wurde vier Wochen lang ein Ernährungstagebuch geführt, in das ungefähr jedes Gummibärchen eingetragen wurde. Der Tag der Untersuchung wurde festgelegt, ein Spezalist für Nahrungsmittelallegien wollte sich mit uns befassen und als der Tag da war, waren unsere Unterlagen in Köln verlorengegangen (sie sind nie wieder aufgetaucht), der zugesagte Spezialist war seit zwei Woche in Urlaub und eine Arzthelferin wollte wieder mal mit dem Pricktest anfangen - meine Frau und ich guckten uns an, packten unserer Kinder, fuhren wieder nach Bonn zurück und machten mit "Try and error" weiter. Übrigens gibt es eine ganze Reihe von Unverträglichkeiten, die man einfach nicht sauber (medizinisch und damit rechtlich verbindlich) austesten kann. Die wichtigsten sind die Laktose-Intoleranz und die Gluten-Unverträglichkeit. Da freuen sich die Krankenkassen, daß sie nicht dafür bezahlen müssen.
3.4
Desensibilierung - ja oder nein? - zur Diagnostik
Mittlerweile gibt es eine ganze Menge von Hautärzten, die auch Allergologen sind. Da gibt es zwei Glaubenslinien:

a) man neigt zur Desensibilierung und hofft, daß dadurch die Allergie verschwindet (das ist im Prinzip nur was für Privatkassen und unglaublich teuer - manchmal hilft es aber auch);

b) man geht davon aus, daß sich Allergien irgendwann verändern und lindert nur (das ist billiger für die Kassen) - manchmal verändert sich aber auch nichts.

Wir hatten einen sehr guten Kinderarzt (Dr. Boos, Bonn-Beuel), der gerade auf dem Gebiet der Allergologie erfahren war, doch längst in den Ruhestand gegangen ist. Bei schlimmen Allergieschüben hatten wir auf sein Anraten ein Arsenal an Hausmitteln (Joghurt mit Olivenöl und Teeröl) allen möglichen Salben und Cremes, bei harten Fällen griffen wir zu Cortisonpräparate und Antihistaminen (die Flasche Tavegil war immer im Kühlschrank). Dr. Boos war gegenüber der Desensibilierung eher skeptisch (ich bin es auch), eben, weil sich die Allergien sowieso verändern. Meine Frau hat eine Behandlung durchgezogen und ist nach fünf Jahren gegen Frühblüher und Gräserpollen nicht mehr so allergisch, die mittlere Tochter hat nach etlichen Jahren ihre Gluten-Unverträglichkeit auch durch die Desensibilierung nicht in den Griff bekommen und nach etlichen Jahren damit aufgehört - nun ist es besser. - zur Diagnostik


4. Umweltallergien - Anfang
Sehr häufig kommen vor: Gräserpollen, Frühblüher wie z.B. Birkenpollen, Haselnuß oder Salbei. 2002 hatten wir in Bonn eine 200fach höhere Belastung bei Gräserpollen als sonst, so daß auch Leute allergisch geworden sind, die sonst nichts damit am Hut haben. Wenn man im Frühling oder Sommer oft in die Natur muß, ist eine Desensibilierung vernünftig, ansonsten bleibt man an manchen Tagen daheim und wirft eine Telfas 180 nach der anderen ein, damit man überhaupt noch Luft bekommt. Bei den Umweltallegien ist das Risiko relativ hoch, daß aus der allergisch bedingten Kurzatmigkeit irgendwann ein  chronisches Asthma wird und dann ist die Lebensqualität dahin. Das ist der Fall, wo Cortison wirklich nötig ist. Freunde von uns gehen zur Zeit der Birkenpollen-Zeit nicht vor die Tür und wenn man in dieser Zeit die Fenster und Fensterbänke ständig abwischen muß, weil sie dauernd gelb sind, kann man sich auch vorstellen, warum.

Bei Hausstauballegie läßt man am besten den Boden fliesen oder glatt belegen und wischt so oft es geht, denn anders kriegt man das Problem nicht in den Griff. Besonders bei Fußbodenheizung im Winter fliegt der Hausstaub überall herum. Teppichboden bindet zwar den Staub für einige Zeit, aber dann sollte man den Teppichboden alle zwei bis drei Jahre wechseln und das macht kein Mensch.

Weitere Allergieauslöser sind Katzen und Vögel, Tabak und Rauchpartikel, Wolle, Nickel (Jeansknöpfe) - es gibt da viele Möglichkeiten. Hier hilft nur Ausprobieren, woran es liegen könnte - der Prick-Test ist nur etwas fürs allerste Mal. Übrigens hatten wir vierzehn Jahre lang zwei Katzen und bei den Jüngsten wurde die Gesundheit stabiler, es gab später nicht mehr soviele Anfälle und die Augen tränten auch nicht mehr so oft - vielleicht eine Art Abhärtung. Allgemein gilt, daß Haustiere das Immunsystem stärken.

5. Lebensmittelallergien Anfang
in den letzten Jahren seit etwa 2000 sind nach Auskunft der Ärzte und Apotheker die Lebensmittelunverträglichkeiten sprunghaft angestiegen. Grpnde dafür könnend as veränderte Koch- und Eßverhakten der meisten Menschen sein. Es gibt Supermärkte, die -zig Meter Fertiggerichte in ihren Kühlschränken haben, die Anzahl der Singles, die nicht für sich alleine kochen, steigt rapide und daß es abends in jedem dritten Programm irgendeine Kochshow gibt, steht im Widerspruch zu den Kochfähigkeiten der meisten Menschen. Ich wage zu behaupten, daß die meisten Menschen nicht mehr kochen können, weil die Oma-Generation ausstirbt, die auf dem Markt billig die Lebensmittel gekauft hat und dann erst überlegte, was daraus zu kochen sei... Zuviele Leute kaufen nur gezielt für eine Mahlzeit ein.

Hier sind einige Beispiele an kritsichen Lebensmittel aufgeführt. Ich beschreibe die, die am meisten Ärger machen und bei denen man nicht auf die Idee kommen  würde, was sie alles verursachen können.

5.1 Fertiggerichte - 5.2  Fruktose -  5.3 Gluten - 5.4 Histamin  - 5.5 Hühnereiweiß -
5.6
Milchprodukte - 5.7 Nüsse - 5.8 Südfrüchte


5.1 - zurück
Fertiggerichte 
Man wundert sich manchmal, wenn man in die Mensen, Schulküchen und die normalen Restaurants kommt: Da steht der Eimer mit dem Fertig-Kartoffelbrei, aus dem die Kroketten gemacht werden, man kocht mit Milchpulver, Zusatzstoffen, Stabilisatoren, gibt Farbstoffe an das Fleisch, den Fisch und die Nachspeise und selbst einfache Salatsaucen dürfen in Großbetrieben nicht mehr frisch gekocht werden, damit man Salmonellen-Infektionen vermeidet. Es geht weiter in den Eisdielen, die zu 99% ihr „hausgemachtes Eis“ aus allen möglichen Pülverchen (Magermilchpulver, Dextrose, Trockenglucose, Inulin), Fertigsaucen, Zucker, Wasser, Stickstoff und Luft zusammenrühren. Gastronomen können es sich nicht mehr leisten frisch zu kochen, weil alle Gerichte ohne Stabilisatoren am Ende des Tages entsorgt werden müssen um Infektionen auszuschließen. Aus diesem Grunde ist die Mikrowelle mittlerweile wichtiger als der Gasherd.

Was nicht geht
Eine meiner Töchter, die - sechzehnjährig - als Aushilfe in einem bekannten Bonner Restaurant arbeitete, bekam von der Chefin den Auftrag, die in weißer Soße (Aldi) eingelegten - übrig gebliebenen - Heringe zu spülen. Die von der weißen Sauce befreiten Fische wurden dann als Matjes weiter verkauft. Woanders fragte uns ein Kellner nach der Beschwerde über eine lauwarme Calamaris unschuldig, ob er sie noch mal in die Mikrowelle tun sollte. In den Restaurants weiß der Kellner oft nicht, was in den Menüs enthalten ist und der Chefkoch weiß es nur selten. Auch Sterneköchen sind die Zusammenhänge der allergischen Reaktionen nicht unbedingt vertraut. Als Allergiker geht man also nicht essen. Ebenso schickt man sein allergisches Kind nicht in die Schulmensa und besser auch nicht in den Hauswirtschaftsunterricht, weil dort zu oft mit Suppenpulver (Knorr-fix) gewürzt wird.


Maggi-Kochstudio in Dortmund

Für Leute mit robustem Magen gibt es aber in der Dortmunder Innenstadt ein „Maggi-Kochstudio“ (Kein Witz) - als Allergiker faßt man sich nur an den Kopf.
Was geht 
Nach unserer Pensionierung machen wir wahrscheinlich mal ein Restaurant auf, in dem Allergiker essen können - bisher gibt es sowas nämlich noch nicht.

Lösung bis dahin:
1. Frisch kochen und Fertiggerichte boykottieren,
2. Nichts verwenden, was auch die Uroma nicht als Lebensmittel erkannt hätte.  

5.2 - zurück
Fruktose


..... wird noch geschrieben ...



5.3 - zurück
Gluten
Eine weitere gängige Unverträglichkeit ist die gegen Gluten. Sie wird auch "Zöliakie" genannt, Hier liegt eine Unverträglichkeit gegen alle Getreidesorten wie Dinkel, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vor. Symptome bei einer Zöliakie sind dauerhafte blutige Hautausschläge, starke, unangenehme  riechende Durchfälle mit hoher Fettauscheidung (Fettstuhl), ein aufgeblähter Bauch (Pupserei) und Gewichtsverlust. Die aufgetretende Schädigung der Dünndarmzotten kann nur durch eine lebenslange Diät vermeiden werden.

Weizen enthält zu fast neun Prozent Gluten
Gluten ist das Klebereiweiß, das sich auch im Weizen findet Das klingt jetzt so, als würde man einfach auf Weizenbrötchen und Baguette verzichten und dann wäre es gut, aber dem ist nicht so. Dieses Klebereiweiß ist in so gut wie allen Brotsorten, Backwaren und Nudeln, mittlerweile in den meisten Wurstsorten, in den meisten Halbfertig-Gerichten und in den Fertiggerichten sowieso. Am meisten Gluten findet sich in Dinkel (10,3%), etwas weniger in Weizen (8,7%), Hafer und Gerste (5,6%), noch weniger in Hartweizen und Roggen (3,2%).

Konkret heißt das, daß Essen gehen ebenfalls ausfällt, es sei denn, man findet einen Laden, der sich darauf spezialisiert hat. Gluten findet sich aber auch in vielen Zahnpastatuben, wo es zur Verdickung beigemischt wird, ebenso in manchen Duschgels selbst in Produkten von Alnatura und dm. Da eine meiner Töchter Laktose- und Glutenintoleranz hat, heißt das, daß sie beim Essen gehen der Freundinnen bei MäcDoof die Fritten essen kann - sonst nichts. Als glutenfrei gilt  ein Lebensmittel, wenn weniger als 2mg/100g Lebensmittel an Gluten enthalten ist, wenn man Pech hat, reagiert man schon auf Spuren von Gluten, was bedeutet, daß man kein Mehl essen kann, das aus normalen Mühlen kommt, weil beim Reinigen der Mühlen immer Rückstände bleiben. Man kann nur ausprobieren, ob das Lebensmittel Reaktionen hervorruft.

Was nicht geht
Alle Bäckereiwaren, normale Pizzen und Nudeln, Cornflakes, Müsli der bekannten Hersteller, panierter Fisch aus der Kühltruhe und auf dem Weihnachtsmarkt, paniertes Fleisch, der allergrößte Teil an Wurstwaren, Bier, außerdem Hostien beim Abendmahl. Man kann die normalen Bäcker also erst einmal vergessen und muß auch bei Kosmetika aufpassen (s.o.)

Was geht
Glutenfrei sind Hirse, Mais, Reis, Kartoffeln, Quinoa, Amarant, Soja und Buchweizen. (Quelle: Wikipediaartikel „Gluten“). Erlaubt sind bei einer Glutenunverträglichkeit  also Reisgerichte, Brot und Backwaren auf Reis- oder Maisbasis (Reis- und Maiswaffeln), Speisen auf Hirse-, Quinoa- und Amarant-Basis, Pfannekuchen aus Buchweizen, glutenfreie Backwaren, Obst, Salat, Fleisch, Fisch, Panaden auf Mais-Basis, Kartoffelstärke oder Maisstärke (Mondamin), glutenfreie Wurst (Rügenwalder). 
Glutenfreien Produkte bekommt man nun mittlerweile auch in normalen Supermärkten oder bei den bekannten Discountern. (Hersteller: Schär, Seitz, freivon), weil die Nachfrage gestiegen ist. Hat man eine Kombinastion z.B. mit Laktose oder Hiostamin, wird es kompliziert und übersteigt diese Seite. Man kann mich aber fragen.

5.4 - zurück
Histamin
Eine Histamin-Intoleranz (HIT) ist essensmäßig ungefähr das Schlimmste, was einem passieren kann, weil es die Lebensqualität ungeheuer einschränkt. Histamine sind  Gewebshormone und Neurotransmitter, sie beeinflussen die Verdauung und den Stoffwechsel und auch das psychische Wohlergehen. Sie haben im menschlichen Körper also eine große Bedeutung. Das Verdauungsenzym Histidin wird bei der Verdauung in Histamin umgewandelt. Die tödliche Dosis (bei Mäusen) liegt bei etwa 0,2 g/Kilo - es sind im Prinzip also Gifte.

Im Normalfall  sind diese Amine dafür zuständig, im Körper Abwehrmechanismen zu starten, damit durch lokale Entzündungen bakterielle Erreger bekämpft werden. Bei einer HIT machen sie sich aber selbständig und sorgen für dauerhafte Beschwerden wie Hautausschläge, Übelkeit, Durchfall, im weiteren Verlauf kommt es unbehandelt zu einem anaphylaktischen Schock und wenn dann immer noch nichts passiert, führt dies zum Tod. Mit einer HIT ist also nicht zu spaßen und nur wenige Ärzte können sie erkennen. Ein Bluttest schafft Klarheit, auch wenn er evtl. wiederholt werden muß.

Histamine sind in den meisten Lebensmitteln enthalten, und werden auch selber vom Organismus erzeugt, doch bei einer HIT kann der Körper sie nicht mehr selbst abbauen. Streß wiederum kann mehr Histamin erzeugen als die Nahrungsmittel enthalten und so müssen Betroffene sehen, daß sie möglichst ausgeglichen leben können, damit nicht noch mehr Histamin erzeugt wird. Etwa 3% der Bevölkerung sind betroffen. 

Cortison und Antiallergika wie z.B. Telfas sind unwirksam, ein Antihistamin wie Ebastel kann nur lindern, weil es Histamin abbauen kann. Blöderweise kann man nicht sofort erkennen, ob der Niesanfall oder der Hautausschlag durch Gräserpollen oder HIT ausgelöst wird, doch wenn Cortison und Telfas nicht mehr helfen, könnte es eine HIT sein (so geschehen bei uns in der Familie).

Das Zweitschlimmste bei HIT ist, daß es keine Verläßlichkeit gibt, weil Lebenmitteln, die gestern noch funktionierten, heute zu Problemen führen (s.o).

Das Schlimmste ist, daß gängige Narkosemittel, Schmerzmittel und Antibiotika viel Histamin enthalten, so daß man immer einen Zettel bei sich tragen muß, damit die Ärzte im Notfall auf einen Schock vorbereitet sind.

Das ist ziemlich lebensgefährlich.

Was nicht geht
Histamine entstehen bei der Zubereitung von Essen, daher müssen alle Speisen nach spätestens einer halben Stunde Kochzeit fertig sein, denn sonst steigt der H-Gehalt an. Je nach Alter des Lebensmittel steigt der Histamin-gehalt rapide.

Fisch und Fleisch
Am extremsten ist es bei Fisch: innerhalb weniger Stunden wird das massenhaft enthaltene Histidin in Histamin umgewandelt und wenn der Fisch nicht innerhalb einer Stunde nach Fang in der Pfanne ist, wird für HIT-Betroffene ungenießbar. Aus diesem Grund ist alles aus der Fischthele und der Fischkonserve tabu - es ist zu alt.

Schweinefleisch, Huhn und Pute sind ebenfalls sofort tabu, weil das Fleisch immer zu alt ist, wenn es in den Verkauf kommt. Vielleicht kennt man ja einen arabischen Metzger, der selbst schlachtet - dann hätte man etwa zwei Stunden Zeit bis zum Essen. Alle getrockneten (gerebelten) Kräuter fallen aus, ebenso scharfe Gewürze und normaler Essig.

Gemüse und Obst (entweder wegen der Ascorbinsäure oder wegen des kritischen Altes der Speisen)
Bei den Gemüsen funktionieren nicht mehr Auberginen, Avocados, Bohnen, Champignons (lang gelagert, aufgewärmt), Erbsen, Eingelegtes Gemüse in Essig (Gurken, Rote Beete etc.)    Gemüsekonserven (z.B. Mais aus der Dose) , Gemüsesäfte, Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Kichererbsen)
Sauerkraut
, Spinat , Steinpilze, Tomaten und Tomatenprodukte (z. B. Tomatenmark)
bei Obst sind es Ananas, Avocado, Bananen, Birnen, Erdbeeren, Fruchtsäfte, Grapefruit, Himbeeren, Kiwi, Mandarine, Nüsse (Cashewnüsse, Walnüsse, Erdnüsse), Obstkonserven, Orangen, Papaya, Pflaumen, Steinpilze, Trockenobst , Zitronen, Zitrusfrüchte (alle)


Was geht
Gemüse und Obst
Diese Gemüse sind möglich: Artischocken, Blumenkohl, Brokkoli, Champignons (frisch), Chinakohl, Grüner Salat, Gurke, Karotten / Möhren, Kartoffeln, Knoblauch, Kohlrabi, Kohlsorten, Kürbis, Lauch, Mais, Mangold, Paprika, Pastinake, Pfifferlinge        Radieschen, Rapunzel, Rettich, Rhabarber, Rote Beete, Spargel, Salat, Salatgurke, Spargel, Zucchini, Zwiebel
Dieses Obst ist möglich: Apfel, Aprikosen, Brombeeren, Erdmandeln / Tigernuss, Heidelbeeren ( = Blaubeeren), Johannisbeeren (rote und schwarze), Khaki, Kirschen, Litchi, Macadamianuss, Mandeln, Mango, Melonen, Mirabellen, Nektarinen, Pfirsiche, Preiselbeeren, Rhabarber, Weintrauben,Verjus (Alternative für Zitrone)


Fisch und Fleisch
Fisch geht, wenn er direkt nach dem Fang schockgefrostet wurde und tiefgefroren im Backofen zubereitet wird (ca. 40 Minuten), dann ist der Histamin-Gehalt noch tragbar. Rinderhackfleisch ist ebenso möglich. Erlaubt sind Salz, Olivenöl, Verjuice (Essigersatz auf Traubenbasis, der ähnlich schmeckt wie Zitrone - kriegt man auf Weingütern)

Alle anderen Fleischsorten gehen nur theoretisch, denn wo bekommt man Frischfleisch, das vor einer Stunde noch gelebt hat? Das Marinieren verbietet sich von selbst, denn dann wird die kritische Halbstundengrenze überschritten. Ein Braten scheidet aus dem gleichen Grund aus. Vielleicht gibt es Schlachthöfe, wo direkt nach dem Schlachten schockgefrostet wird - dann könnte man es verwenden (s. Fisch). 


Backwaren
HIT-Patienten sind eingeschränkt wie Gluten-Betroffene und können sich an deren Getreidearten orientieren. Erlaubt sind Mais, Reis, Quinoa, teilweise geht auch Dinkel, wobei der mehr Gluten enthält als Weizen. Roggen hat nicht funktioniert...

Getränke, Knabberzeug und Süßigkeiten
Was geht 
Wasser, dünner Kaffee, Milch und weiße Schokolade (wenn man nicht Laktose-Intoleranz hat), grüner Tee, Säfte aus erlaubtem Obst (s.o), Weißwein, klarer Schnaps wie  Wodka oder Korn, evtl. Rum;
Chips (auf Mais- oder Kartoffelbasis mit Salz - sonst nichts), ebenso Popcorn. Junger Käse geht vielleicht...



Was nicht geht
Kakao, schwarzer Tee, normaler Kaffee oder Espresso, Cola, Rotwein und Glühwein, Liköre, Bier, modifizierte Schnäpse wie Grappa, Ouzo etc.; Scholokade, Marzipan, Nougat;
Knabbergebäck,
normale Chips (wg. Weizen, Chemie und Gewürzen);
jeder Käse, der länger gereift ist

Absolut tabu sind Geschmacksverstärker, Emulgatoren (E-Nummern), synthetische Aromastoffe, Süßstoffe, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Antioxidanzien und Treibmittel wie Hefe oder Backpulver.


5.5 - zurück
Hühnereiweiß
Hühnereiweiß ist in
den meisten Kuchen und  Backwaren enthalten, weil es beim Backen selten ohne Eier geht. Es findet sich aber auch in den meisten deutschen Nudeln (es gab mal die Marke "7Hühnchen" - warum wohl?) , ist auch in Sekt enthalten, in den meisten Billigweinen und den meisten Billigcremes zur Körperpflege. Fast alle Fertigsaucen (z.B. Grillsaucen) und alle Speisen, die in Fertigsaucen verkauft werden (z.B. Heringstopf) enthalten Eiweiß, ebenso Majonaise und viele Wurstwaren. Weil Hühnereiweiß nicht kennzeichnungspflichtig war, wurde es oft verschwiegen, und dann wußten wir nicht, was die allergische Reaktion auslöste. Gerade bei diesem Stoff machten wir die Erfahrung, daß es kaum Lebensmittel gibt, in denen es nicht enthalten war, selbst in Wein, Schokoriegeln oder Hamburgern. Dies hat sich seit etwa 1998 etwas gebessert, weil Hühnereiweiß heute mehrheitlich durch Johannisbrotkernmehl, Guakernmehl und Soja ersetzt wird und die sind kennzeichnungspflichtig - wenn diese Stoffe auf der Verpackung stehen, kann man die Lebensmittel kaufen.
In Italien lauten die Übersetzungen dafür: „Di semi di carrube“ und „gomma di guar“ , „soja“ erklärt sich von alleine.

Hühner und ihr Eiweß

Was geht
Nudeln und Nudelgerichte aus Hartweizengrieß, wie sie außerhalb Deutschlands üblicherweise hergestellt werden, (Zitat einer Ökotrophologin eines großen Bonner Krankenhauses: "Fragen Sie mal, ob Sie das in einer Apotheke bekommen.." ) Das braucht man aber nicht, die Nudeln vom Aldi tun es auch. Natürlich gehen Kartoffeln, Reis, Mais, doch die meisten Kinder stehen auf Nudeln. Wir haben gute Erfahrungen mit Wachteleiern gemacht - diese Eier wurden gut vertragen, aber wir haben es nie geschafft an Gänseeier zu kommen, die wären auch gegangen.

Brot, Weißbrot und Hefeteilchen enthalten kein Ei, wenn sie nicht glasiert sind, ebenso Quark-Öl-Teig oder selbstgemachter Bisquitteig (der geht auch ohne Ei). Kuchen mit Soja funktioniert nur mit Mineralwasser und schmeckt dann immer noch nicht gut - wir haben es öfter beim Kindergeburtstag ausprobiert und sind dann bei Quark-Öl-Teig geblieben, der geht immer.  
 
Was bei Hühnereiweißallergie auch immer geht, ist natürlich Gemüse und Fisch. Bei Restaurants sollte man aber immer darauf achten, was in die Saucen getan wird, denn eine Sauce Hollandaise geht z.B. nicht ohne Ei und oft nimmt man auch Eiweiß um die Sauce zu binden oder Eigelb, um sie schön gelb zu machen. Im Zweifelsfall muß man nachfragen. Sauce aus der Tüte geht sowieso nicht....


5.6 - zurück
Milchprodukte, Laktose-Intoleranz und Milcheiweiß-Allergie
Laktose / Lactose ist der Begriff für den Milchzucker und darf nicht mit Milcheiweiß verwechsel werden. Die häufigste Unverträglichkeit bei Nahrungsmitteln ist z.B. die Laktose-Unverträglichkeit, bei der dem Körper das Enzym Laktase fehlt, es dann im Dünndarm zu häßlichen Krämpfen kommt und der Durchfall fuchtbar stinkt. Schwieriger ist eine Kuhmilchallergie, denn dann reagiert der Körper auf das Ferment Lab, das im Labmagen der Kuh gebildet wird. Das funktioniert übrigens schon bei einem Laktoseanteil unter einem Promille.

Rindfleisch funktioniert bei Laktoseintoleranz

Die Schwierigkeit, zwischen einer echten Kuhmilchallergie und einer Laktose-Intolerenz zu unterscheiden, ist recht hoch, denn die Symptome sind so ähnlich. Wenn Schafs- oder Zigenkäse vertragen wird, ist es vermutlich eher eine Kuhmilchallergie. Sicher kann man sein, wenn man bereits auf das Ferment Lab reagiert, denn das bilden Ziegen und Schafe nicht. Die Bezeichnugn auf den fraglichen Lebensmitteln lautet dann „mit natürlichem Lab“ - spätestens dann weiß man: es ist Kuh drin! Wer öfter in Italien ist, kennt das Problem, daß dort das Ferment oft nicht angegebn wird und immer mehr Hersteller schreiben „100%“ Ziege oder Schaf und dann steht doch irgendwo „mikrobielles Lab“. Aus die Maus!

Laktose-Intoleranz
Bei gestillten Kindern kann ebenfalls eine Laktose-Unverträglichkeit auftreten, wenn sie gegen die Muttermilch allergisch sind. Dies haben wir bei unseren Enkeln erlebt, die anfangs etliche Wochen Schreikinder waren und etwa eine Stunde brüllten, nachdem sie gestillt waren. Teilweise konnte man beobachten, daß die Muttermilchtropfen auf der Haut einen Ausschlag verursachten. Die Unveträglichkeit hat sich allerdings nach drei Monaten gegeben und heute können die Enkel (fünf, drei, eins) ganz normal essen.

In Spanien und Frankreich haben wir in den letzten zwei Jahren die leidvolle Erfahrung gemacht, daß dem Ziegenkäse trotzdem Kuhmilch zugesetzt wird, dann kann man den auch nicht essen (“avec ferment de lait“ bzw. “capra con ferment laktif“). In Polen kann man deswegen mit einer Laktose-Intoleranz nicht Urlaub machen, weil Ziegen und Schafe dort als das Allerletzte empfunden werden und auch mit muttersprachlicher Hilfe sind wir da nicht fündig geworden. Die Niederlande und Belgien haben sich mit dem Problem wohl noch nicht beschäftigt, da findet man immer noch keine Hinweise („geitenkaas“ und „schapekaas“ , manchmal mit „enzuim“ dann lieber nicht.

Beim Essengehen mit Laktose-Intoleranz geht deutsche Küche also gar nicht mehr, denn fast überall gibt es Probleme, weil zuviel in Butter angebraten wird (Fisch, Kartoffeln, Gemüse) und Milch oder Sahne in allen Varianten zur Verfeinerung dazukommen. Das merkt man spätestens eine halbe Stunde später und es ist zu schade um das Essen -  denn gemeinerweise schmeckt es ja. Wir haben für die Folgen des Menüs den Begriff "Klo knutschen" geprägt... Ich bin dann ganz froh, daß wir nicht auch noch koscher kochen müssen (traditionell jüdische Trennung von Milch- und Fleischprodukten) - denn das geht heute nur noch mit größten Schwierigkeiten. Zum Glück haben wir in Bonn-Oberkassel die „Karawane“ und der Chef Schonauer kann koscher kochen. Wenn man also koscher essen geht und Fleisch bestellt, hat man gute Chancen, daß man alles verträgt, wenn wirklich traditionell gekocht wird.

Man muß man einfach alles vermeiden, was Laktose enthält und das ist eine ganze Menge: Schokolade, Joghurt, Salatsauce auf Sahnebasis, in Butter angebratener Fisch, Brot, Würstchen, Burger, Riegel und Kekse - alles, wo Milch, Butter, Sahne oder Joghurt in irgendeiner Form vorkommt. Mittlerweile ist sogar in fast jeder Wurst Laktose enthalten (sie klebt das Fleisch besser zusammen). Fast alle Brotsorten enthalten Laktose und fallen aus (Laktosezusatz sorgt für die lecker aussehende braune Kruste), fast alle Gewürze enthalten es, denn der Zusatz von Laktose sorgt dafür, daß die Gewürze nicht so schnell klumpen und es ist momentan einfacher, die paar Lebensmittel zu nennen, in denen unter 0,1 % Laktose enthalten sind - das ist der in meiner Familie ausgeteste Grenzwert, ab dem die Reaktion eintritt. Produkte die mit dem Wort „laktosefrei“ werben, setzen entweder Laktase zu (z.B. die Marke „minus-L“) oder sie werben damit, daß etwas laktosefrei ist, wo sowieso keine Milch hineingehört (Gemüse, Fleisch, Fisch).

Was geht:

Milch:
Natürlich geht Milch aus Schaf- oder Ziegenproduktion, die ist aber nicht so leicht zu bekommen. In Bonn zahlt man für den Liter Ziegenmilch zwischen 1,40 und 3,50.- je nach Laden. Schafsjoghurt gibt es bei „Momo“. Wenn man nicht ganz so empfindlich ist, geht auch die die „minus L“-Reihe aus Ravensburg, die mittlerweile viele Supermärkte führen (Rewe, Edeka). Aldi bietet auch laktosefreie Milch an, das ist aber nur etwas für relativ Unempfindliche, weil da einfach Laktase zugesetzt wird, genau wie bei der „minus L“ - Serie. Gerade wenn man mit Milch kochen will (z.B. Kartoffelpüree) bietet sich Schafsmilch an, die sich genauso verhält wie Kuhmilch, aber meistens besser vertragen wird. Dafür kostete der Liter auch bis zu zwei Euro.

Man kann mittlerweile auch das fehlende Enzym in Tablettenform kaufen und darf dann auch mal Sahnetorte schlemmen, wenn man vorher drei bis vier Tabletten einwirft, aber das ist keine Dauerlösung, denn die Laktasetabletten mildern nur die Folgen - manchmal schieben sie sie auch nur auf.

Käse:
Was meistens geht, ist Ziegenkäse (gibt es als Schnitt- und Frischkäse) und originaler Feta (Schafskäse), aber nur, wenn er nicht doch aus Kuhmilch hergestellt wird - dann ist es "Feta-Art". Lidl und Rewe haben ein bißchen Ziegenkäse (Ziegenfrischkäse), Aldi nur eine problemlose Sorte (Schnittkäse), die Discounter sind noch nicht so weit. Edeka hat mittlerweile eine passable Auswahl an Ziegen- und Schafsmilchprodukten.
Sushi geht auch, wird auf Dauer zwar arg teuer, aber Fisch enthält natürlich keine Laktose. Übrigens ist es regelrecht Mode geworden, Produkte als „laktosefrei“ zu bezeichnen, die sowieso keine entalten. Ich habe schon „laktosefreies Gemüse“ gesehen, „laktosefreie Steaks“ und „laktosefreies Obst“. Seufz!

Salat und Gewürze
Im Zweifelsfall macht man den Salat sowieso selber an: Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer - das reicht. Wer empfindlicher ist, besorgt sich am besten über das Internet laktosefreie Gewürze und geht nirgendwo essen, wo man nicht ungewürzt essen kann. Aufpassen muß man bei den Frittenbuden, ob die rotes Paprika-Salz verwenden - Finger weg!!! Dieses rote Salz hat fast immer Molke zugesetzt. Molke wird den Gewürzmischungen zugesetzt, damit sie „rieselfähig“ bleiben.
Wurstwaren: Hier gibt es von der Rügenwalder Mühle diverse Streichwurstsorten, die frei von  Laktose und Gluten sind und die vertragen werden. Oft geht Salami, wenn sie original italienisch, spanisch oder französisch ist, weil sie ohne Laktose auskommt, ebenso geht Putenbrust und Hähnchenfleisch - von normaler Kochwurst (Mortadella etc.) läßt man besser die Finger, denn weil nur wenige Hersteller angeben, daß ihre Wurst Laktose enthält, kann man im Umkehrschluß davon ausgehen, daß die meisten Wurstwaren nicht verträglich sind. Aldihat drei Wurstsorten, in denen keine Laktose ist (Schinken-Lyoner, Puten-Mortadella, kleine Streichmettwurst - aus!) - wir haben es ausprobiert. Parmesankäse funktioniert meistens, weil sein Laktosegehalt im Laufe der Jahre auf unter 1% sinkt. Je härter, desto besser.

Brot: Es gibt gegenwärtig ganz wenige Brotsorten, die wir kaufen können: rein italienisches Ciabatta enthält keine Laktose, türkische Brotfladen enthalten sie auch nicht.

Folgende Supermärkte haben mittlerweile etwas im Angebot: 

ALDI: Vollkornbrothälften in eingeschweißter Tüte, die man lange lagern kann; 
Netto: hat ein laktosefreies Vollkornbrot;
Lidl: hat leider noch wenig verläßlich Laktosefreies, doch Ciabatta und Panini funktionieren;
Rewe: hat regelmäßig Ziegenmilch und Schafsjoghurt;
Edeka: hat die Schär und Seitz-Produkte und eine vernünftige Auswahl;
dm: hat meistens eines gute Auswahkl an Schär-Produkten,
die teilweise gluten- und laktosefrei sind.

Milcheiweiß-Allergie
Schlimmer als eine Laktose-Intoleran ist eine Intoleranz gegen Milcheiweiß. Hier besteht eine Intoleranz gegenüber jeglicher Milch, sei es von Kuh, Schaf, Ziege oder sonstwas. Es hilft nur konsequener Verzicht auf tierische Milch und man muß auf Ersatzprodukte umsteigen wie Sojamilch, Reismilch oder Hafermilch. Einer meiner Schüler hatte dies jahrelang, fuhr irgendwann ein halbes Jahr zur Kur auf eine Nordseeinsel und kam ohne Milchzucker-Intoleranz zurück. Warum, weiß keiner.

Weitere Informationen:
Markus Fuchs schrieb mich an und schickte einen Link zur komplexen Kuhfütterung, den man als Ergänzung sehen sollte. http://www.agrarnetz.com/thema/milchkuehe. Spätestens beim Lesen wird ansatzweise klar, warum die chemischen Prozesse, die bei der Entstehung der Milch ablaufen nicht vorauszuberechnen sind - ergo sind sie in der kompexen Verdauungschemie unseres Körpers auch nicht vorherzusagen. Die großen Rätsel für Kinder sind sowieso anders: Warum fressen Kühe grünes Gras und erzeugen weiße Milch? Eben!
(Jujja Wieslander, Sven Nordqvist, Angelika Kutsch: Mama Muh liest)

5.7
Nüsse - zurück


..... wird noch geschrieben ...


5.8
Südfrüchte - zurück
Orangen, Ananas, Kiwi, auch Erdbeeren und Rhabarber
Was nicht geht: Hier verzichtet man auf Limonaden wie Fanta, Sprite, Trinkpäckchen und fast alle Säfte, außer, es ist nur Apfel und Wasser enthalten. Tabu sind außerdem alle rote Fruchtsaucen, doch Mandarinen gehen. Auch hier muß man auf Fertigsaucen verzichten, die süß-sauer schmecken und viele Eissorten. Zu vermeiden sind außerdem Gewürzsalze, alle Fertiggerichte, alle Tütensuppen, die meisten Halbfertiggerichte, alles, was irgendeinen Geschmacksverstärker und einen Zusatzstoff der E-Bezeichnung enthält, denn dann ist in der Regel auch Ascorbinsäure enthalten, oft der Bestandteil, warum man auf die Südfrüchte allergisch reagiert.


Was geht 
Quark und Joghurt neutralisieren zwar die Fruchtsäure, doch dann darf man keine Laktose-Intoleranz haben. Zucker verschärft die Allergien in der Regel, daher sind Honig oder Ahornsirup zum Süßen besser geeignet.

Essen gehen - lieber nicht!
Wenn sie trotzdem unterwegs essen gehen müssen, fragen Sie die Verkäufer nach der Liste  mit den Inhaltsstoffen. Die meisten Verkäufer glauben das, was sie sagen, aber sie wissen zuwenig darüber. Im Zweifelsfall läßt man sich sein mitgebrachtes Brot belegen - das geht auch! In Deutschland findet zur Zeit offensichtlich ein Umdenken statt und immer mehr Betriebe nehmen die Probleme zumindest zur Kenntnis.

Was nicht geht
Das Hauptproblem in der Gastronomie ist die Laktose in den Würzmischungen, denn allen Würzmischungen wird Molkepulver zugesetzt, damit sie „rieselfähig“ bleiben. Wer unter 0,01% Empfindlichkeit leidet, merkt das sehr drastisch, wenn man nach einer Pommes mit Salz/Paprikamischung dringend zur Toilette muß.

Lösung I
Nur Salz, frisch gemahlenen Pfeffer aus der Mühlerverwenden, Essig und Öl - mehr nicht.
Gehen Sie im Zweifelsfall davon aus, daß Sie unterwegs nichts kaufen können, oder von Bananen und Äpfeln leben müssen. Aus diesem Grunde haben wir immer Tupper-Dosen mit entsprechendem Inhalt dabei.

Lösung II
Koscher oder vegan essen gehen - nachdem man sich informiert hat, daß die Inhaber um die Problematik wissen. Die jüdische Küche verbietet Milch und Fleisch parallel, ißt man also Fleisch, dürfte es gehen (s. Gewürze...) Vegane Küche darf diese Gewürze ebenfalls nicht verwenden, wenn es ernst gemeint ist.

Italienische und griechische Küche geht gut, wenn wirklich traditionell gekocht wird, denn diese Küche kommt ohne Laktose aus.

Stand: 29. Juli 2017
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