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Reisebericht Amsterdam -   nach Texel


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Amsterdam im Hausboot  
Text und Fotos: © Martin Schlu,  Schlußredaktion: 3. Januar 2019 , 20:45 Uhr

Anreise - Unterbringung
Museen: Rijksmuseum - Van Gogh-Museum - Stedelijkmuseum - Moco-Museum - Anne Frank-Haus    
Concertgebouw  - Was in Amsterdam anders ist 

Als ich sechzig wurde, machte meine Frau mir ein wunderschönes Album mit Bildern, wo wir beide schon mal waren und dann ging es darum, wo wir das nächste Mal hinfahren würden. Auf der letzten Seite sah man ein Hausboot in einer Amsterdamer Gracht und da war klar, daß es über Silvester eng und kuschelig werden würde. Ich hatte in meiner Jugendzeit viel gerudert, war oft  wochenlang mit  dem Boot unterwegs und ahnte schon, daß die Raumverhältnisse auch hier beengt sein würden, aber die Lage schien optimal: Ecke Prinsengracht / Utrechtsestraat - zentraler ist da nur noch der Bahnhof Amsterdam. Freunde witzelten schon, ich würde mich jeden Abend im Coffeeshop mit Gras zudröhnen, aber erstens hat mich das vor 45 Jahren schon nicht gereizt und Ausländer kriegen in Amsterdam diesbezüglich
auch nur Harmloses verkauft.

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Freitag
Nach Amsterdam fährt man nicht mit dem Auto, weil man es fast nirgendwo los wird. Das war schon 1973 so, als ich das erste Mal hier war um bei van Kessel in der Ostaadestraat 66 einen Super City Gitarrenverstärker zu kaufen (der Einspruchs meines Vaters verhinderte den Kauf, aber deswegen kann ich heute noch recht gut hören, denn diese Dinger waren elektrisch überdimensioniert und schweinelaut). Die Bahnverbindung ging damals noch ab Bonn, aber seit dem Regierungsumzug ist das Angebot ausgedünnt und so fährt der Zug ab Köln. Auf unseren reservierten Plätzen steht zwar Duisburg-Utrecht, aber wir haben es korrekt ja auf der Fahrkarte stehen und setzen uns. Logischerweise kommt in Duisburg eine Dame vorbei und möchte auf unseren Plätzen sitzen - offenbar hat die Bahn die Plätze zweimal verkauft. Kurz darauf kommen sechs junge Frauen in schwarz mit einem pinkfarbenen Tutu vorbei und fangen mit jedem, der sich darauf einlässt, ein Gespräch über Hochzeitsbräuche oder Hochzeitsnachtpraktiken an - ja, es ist ein Junggesellinenabschied, der gnadenlos bis Amsterdam durchgezogen wird und nach drei Stunden sind die Passagiere genervt und die Damen nur noch äußerlich pink, aber innerlich blau. Wir sehen sie am Centraal mit ihren Rollkoffern Richtung Hotel entschwinden.

Das Elektrotaxi bringt uns in einer knappen halben Stunde zum Hausboot, musste aber zweimal Umwege fahren, weil eine Straße gesperrt war und in der Prinsengracht selber ein Fensterputzer auf einen transportablen Kran stand, der den Weg versperrte. Selbst holländische Flüche halfen nicht weiter, so dass noch ein Umweg gefahren wurde, doch wir sind pünktlich am Treffpunkt. An der Tür steckt ein Zettel, der darauf hinweist, daß im Briefkasten der Schlüssel liegt und wir treten ein.























Es ist nicht dieses Hausboot (Datenschutz), aber das, um das es geht, wird nächste Jahr sowieso ausgewechselt.
Es ist nicht dieses Hausboot, denn das, was beschrieben wird, wird in ein paar Tagen Jahr sowieso ausgewechselt. Wer es genauso sehen will, wie wir es erlebt haben, muß hier klicken..

Das Hausboot ist etwa drei Meter breit und zwanzig Meter lang. Vorne ist eine Schlafkoje, in die nur ein Bett paßt, hinten ein Mini-Bad, in dem auf höchstens drei Quadratmeter ein Klo, eine Dusche, der Boiler, ein Fenster und ein Waschbecken eingebaut wurde, das wegen der Enge nur so groß wie mein Laptop ist. Zähneputzen gerät zur Schweinerei und findet deshalb über der Spüle statt. Die Ausstattung ist minimalistisch - nichts ist öfter als viermal da, denn weil das Sofa ein Schlafsofa ist, sind rechnerisch vier Personen möglich, aber die dürfen keine Angst vor zuviel Nähe haben. Dafür ist der Wasserspiegel dreißig Zentimeter unter dem Fenster und wenn man auf dem Sofa sitzt und eine Touristenboot kommt vorbei, gucken wir uns gegenseitig an und manchmal wird gewinkt. Kleinigkeiten sind zu bemängeln: eine neue Pfanne hätte sich noch gelohnt, denn in diesem verbogenen Ding kann man bestenfalls Frikandel braten, alles andere brennt an und Fisch geht gar nicht. Im neuen Hausboot wird alles besser!

Kurz bevor es dunkel wird, drehen wir eine Runde um Prinsengracht, Utrechtse Straat (die immerhin eine eigene Webseite hat), dann über die Amstel zum Königlichen Theater „Carré“ - auch auf der Suche nach einem Supermarkt. In der Nähe gibt es Albert Hejn und Aldi an der „Nieuwe weteringstraat“ und das reicht für die Grundbedürfnisse. Nur einen Genever kann man in den Supermärkten nicht kaufen - alles, was mehr Umdrehungen hat als Bier oder Wein, kriegt man nur in speziellen Geschäften - als junger Mensch sowieso nur mit Ausweis. Für heute ist genug - morgen machen wir Kultur.


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Samstag
Im Vorfeld hatten wir schon geguckt, daß wir auf jeden Fall zum Museumsplein (= Museumsplatz) wollten, denn dort steht das Rijksmuseum, in der Nähe ist das Van-Gogh-Museum und der Concertgebouw ist auch nicht weit. Nachdem ich dreimal hintereinander den Tubisten des gleichnamigen Orchesters beim meinem Leib- und Magen-Posaunenreparateur getroffen habe, wollte ich mal dessen Arbeitsplatz sehen. Der Museumsplein ist riesig - wir haben in Bonn zwar auch eine „Museumsmeile“, aber die Meile ist erheblich kleiner als der hiesige „plein“.

Museumsplein vom „Concertgebouw“
Museumsplein vom „Concertgebouw“. Von links das moderne Kunstmuseum „Stedelijk Museum“, das „Van Gogh-Museum“ (Mitte) und das Rijksmuseum“

Der Weg ist nicht weit: Prinsengracht, Spiegelgracht, Weteringstraat, Museumsplein. Massen von Menschen strömen in diese Richtung und wir denken gutgläubig, die wollten alle Eislaufen, denn im Winter wird der Brunnen auf dem Platz umgebaut und auf ihm eine Eisbahn angelegt. Wir sehen aber schnell, daß die Menschenmassen sich geduldig am Eingangsbereich anstellen und denken erst, daß wir dann eben nicht heute gehen, laufen zu einer weiter entfernten und leeren Kasse und erstehen für € 72.- zwei Tagestickets für Van Gogh (Silvester, 10:00 Uhr) und für das Rijksmuseum eben jetzt. Also gehen wir wieder zum Eingang, die große Schlange hat sich wunderbarerweise aufgelöst und wir kommen zügig rein.

Das Rijksmuseum von innen
Von innen wurde das Rijksmuseum kürzlich neu gestaltet - bei 10.000 Besuchern pro Tag braucht man auch entsprechend Platz

Dort stehen wir wieder an: erst an der Garderobe und dann am richtigen Eingang, wie man im Rijksmuseum immer anstehen muß, egal ob für die 20 Stehplätze im kleinen Café, für Tische beim großen Café, für die Garderobe beim Auschecken oder für die Ausgangstür. Vielleicht ist es heute (29.12.) extrem, aber ich habe noch bei keinem Museum so lange gestanden wie hier und heute. Das Museum selber gilt als Highlight: Es ist das holländische Nationalmuseum schlechthin, hier sind die meisten Rembrandts, vor allem die „Nachtwache“, es gibt ein paar Frans Hals, einige van Gogh (darunter ein berühmtes Selbstportrait) und es kommen alle Gesellschaftsschichten und Nationalitäten, wie ich das noch nicht einmal aus Berlin kenne. Irgendwie läuft die Integration in Holland besser als bei uns.

Wir fangen natürlich mit  der „Nachtwache“ an: riesiges Format mit einer riesigen Schar davorstehender Menschen, die alle versuchen mit ihren Handys das Format irgendwie zu erfassen. Es klappt nicht. Ich habe eine ganz gute Kamera, aber bei diesen Lichtverhältnissen bräuchte man ein Stativ und viel Zeit - beides ist nicht vorhanden. Es ist so, wie ich es vor etlichen Jahren im Louvre mit der „Mona Lisa“ erlebt habe, jeder durfte fünf Sekunden gucken und wurde dann weggeschubst. Hier ist es ähnlich, abgesehen davon, daß sechzehn Quadratmeter Rembrandt besser zu sehen sind als das kleine Bildchen von Leonardo, das mal gerade ein Dreißigstel der Fläche hat. Das Hauptproblem sind die gezeigten Motive, denn die Niederländer waren immer protestantisch korrekt, was bedeutet, daß die meisten Amtsträger tiefschwarze Kleidung hatten - und die läßt sich einfach schlecht fotografieren. Im Original sieht es toll aus - gerade Rembrandt konnte dies wunderbar darstellen  - aber es ist für den Normalsterblichen nicht möglich es zu knipsen. Da hält man sich lieber an Wikipedia. Ünrigens war das Bild mal etwa ein Drittel größer, aber es hing mal im Rathaus, war zu groß und dann hat man es solange abgeschnitten, bis es paßte. Auch das ist Kunstgeschichte.

Schutters van wijk XI onder leiding van kapitein Reynier Reael, bekend als ‘De magere compagnie'
Nicht Rembrandt, sondern Hals - diese Künstler kann man nur schwer unterscheiden.

Ähnlich ist es bei dem Bild von Franz Hals: Das Bild „Schutters van wijk XI onder leiding van kapitein Reynier Reael, bekend als ‘De magere compagnie' ("Schützen des XI. Viertels unter der Leitung von Kapitän Reynier Reael, bekannt als „Die tapfere Truppe") von 1637. Es ging mit 1600 Asa, langer Belichtung und ruhiger Hand. Das Problem ist aber immer dasselbe: Schwarze holländische Pietisten oder Militärs sind nur schwer zu knipsen.

Nach zwei Stunden intensivem Gucken (Barock und 19. Jahrhundert)  waren wir reif für eine Erfrischung und suchten ein Café. Es gab eines mit ein paar Stehtischen und etwas weiter ein richtiges, allerdings mit einer langen Schlange. Schnell war geklärt, daß man mit dem Ticket aus dem Museum raus und auch wieder rein kann und so gingen wir ohne Jacke (denn an der Garderobe war die Schlange mittlerweile fünfzig Meter lang) Richtung Eisbahn. Daneben liegt das Café „Cobra“. Es sah zwar voll aus, aber wir fanden einen Tisch, bekamen bezahlbar etwas zu essen und gingen nach einer guten halben Stunde wieder, die fehlenden Epochen anzuschauen. Um es kurz zu machen: es hat sich nicht gelohnt. In der Mittelalter-Abteilung gibt es wenige interessante Stücke (wenn man Köln oder Bonn als Maßstab nimmt) und die Moderne ist auch nicht so doll. Dafür bekam man einen guten Überblick über die holländische Koloniengeschichte („Batavia“ hieß eine holländische Kolonie des heutigen Indonesiens) und man zeigt jede Menge Beutekunst, die bestimmt einmal zurückgegeben werden muß. Für mich nicht so interessant waren die Darstellungen der erfolgreichen niederländischen Schlachten gegen die Engländer oder aufständische Koloniebewohner, die Portraits erfolgreicher Militärs oder Kaufleute, aber es gab ein paar nette Darstellungen zur Geschichte der Ostindien-Kompanien (VCO) und ein schönes Schiffsmodell des 18./18 Jhts. - aber dafür fährt man als Ausländer ja nicht in dieses Museum. Ich weiß nur ein bißchen, weil ich mal darüber gearbeitet habe. Wen die Geschichte der Ostindien-Kompanie interessiert, der möge hier weiterlesen.

Fazit nach vier Stunden: Das Rijksmuseum ist wie eine Fleischerei - viel Wurst und Schinken, etwas Beigabe und Hackfleisch, wenig Filet. Andererseits kann man die wichtigen Rembrandts nur hier sehen und von den etwa eine Million Objekten, die das Museum hat, können nur immer etwa 8.000 gezeigt werden. Van Gogh sehen wir übermorgen (und dann ein paar Monate später im Frankfurter Städel), Vermeer sahen wir in Delft und für Frans Hals fahren wir demnächst mal wieder nach Haarlem. Dort ist er auch begraben. Bleiben also die Rembrandts, für die es sich allene lohnt, hier anzustehen, denn (im Rembrandt-Huis findet man eher die Zeichnungen, die Ölbilder sind im hier.

Am Nachmttag legen wir die Füße hoch, gucken den Booten hinterher und abends finde ich um die Ecke noch einen guten Amsterdamer Genever bei „De goude Ton“, kurz bevor der Laden schließt. Am Abend kommen zwei Schwäne, klopfen gegen das Fenster und schnorren Brot. Die haben sich ganz gut angepaßt, aber sie haben nur einmal was bekommen.

Man kann alle paar Minuten ein Boot vorbeifahren sehen, denn die Prinsengracht liegt auf der Hauptroute der Touristenboote.

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Sonntag
Weil wir die Karten für das Anne-Frank-Haus bereits in Deutschland bestellt hatten und erst um 17:45 dran sind, haben wir am Vormittag Zeit für einen Bummel. Die Prinsengracht gehen wir lang, lassen die Vijselgracht links liegen (eine U-Bahn-Station, von der man aus wieder schnell Richtung Bahnhof oder anderswohin kommt) und passieren den Museumsplein von weitem.
Ein Freund von uns, Christoph Dahlhausen, hat gegenwärtig ein paar Stücke in einer Galerie an der Prinsengracht 510 ausgestellt, aber die hat zu und da müssen wir wohl später noch mal hin. Danach  schwenken ab zum Leidseplein und stellen fest, daß dies auf jeden Fall ein lebendiges Zentrum ist. Das Internationale Theater Amsterdam ist das eine dominierende Gebäude, der Apple-Store in einem riesigen Altbau das andere und dazwischen ist viel Platz für Kleineres wie das Parthé, ein ziemlich großes Kino im City-Theater.

Vom Platz mit dem Theater geht die Leidsestraat ab und alle paar Minuten kommt eine Straßenbahn vorbei. Nach Lektüre der Verkehrsübersicht kann man feststellen, daß man mit einem Tagesticket wunderbar per Straßenbahn Amsterdam erkunden kann - eine Option für Regentage, wenn man nicht draußen herumlaufen will. Fast alle Läden auf der Leidsestraat haben geöffnet. Mehrheitlich sind es Freßbuden, Souvenirläden aber auch Klamottenläden und Galerien. Jedenfalls ist die Leidsestraat recht belebt, überquert die Keizersgracht und die Herengracht und man kann, wenn man will, dort recht viel Geld ausgeben, z. B. für hollandse kaas, den man in der Leidsestraat auch räderweise kaufen kann.

Leisestraat zwichen Leidseplein und Prinsengracht
Leidsestraat zwischen Prinsengracht und Keizersgracht

Am Ende unserer Vormittagstour flanieren wir durch die Nieuwe Spiegelgracht im Spiegelkwartier zwischen Taschenmuseum und Rijksmuseum. Galerie liegt neben Galerie, zwischendurch Antiek-Winkelen (Antiquitätengeschäfte), die Delfter Kacheln für € 45.- pro Stück verkaufen und in den Galerien findet man unnumerierte und unsignierte (also wertlose) Chagall-Drucke, manchmal signierte Roy Liechtensteins und an einer Galerie fanden sich mehrere Banksys für einen Preis auf Anfrage (der Künstler, der kürzlich bei Sotheby's ein Bild verkauft hatte, das sich danach selbst zerschredderte).
Ob im Preis der Schredder enthalten ist, war nicht zu erfahren. Mehr Banksys gibt es im Moco-Museum am Museumsplein.

Am Nachmittag ziehen wir etwas früher los, weil man im Dämmerlicht vielleicht noch Bilder machen kann. Etwa eine Stunde vorher sind wir am Anne-Frank-Haus und staunen über die effektive Organisation: Am Eingangsbereich besagt der erste Monitor, daß es Karten nur online gibt, der zweite Monitor nennt den Zeitraum, in dem angemeldete Besucher nun hineindürfen. Vier Damen in Uniform bestimmen resolut die Schlangen, die sich an der Drehtür anstellen dürfen. Eine Stunde Zeit totzuschlagen ist im Sommer sicher kein Problem, aber bei Dunkelheit im Nieselregen ist es nicht ganz so prickelnd. Als wir von A nach B und wieder nach A zurückgelaufen sind, ist die Zeit fast rum und dann können wir rein. Nun warten wir wenigstens im Warmen, daß wir am Drehkreuz passieren dürfen. Die Leute, die sich den Computerausdruck mitgebracht haben, brauchen pro Person im Schnitt fünfzehn Sekunden, bis sie reinkommen, wer seine Karte auf dem Handy hat, ist nach fünf Sekunden drin. Eine vorsichtige Hochrechnung ergibt eine tägliche Zahl von ca. 4.000 Besuchern und das deckt sich ungefähr mit der genannten Zahl von 1, 2 Mio in diesem Jahr.

Neuer Eingangsbereich des Anne-Frank-Hauses - anders kann man Tausende Besucher pro Tag nicht durchschleusen.
Neuer Eingangsbereich des Anne-Frank-Hauses - anders kann man Tausende Besucher pro Tag nicht durchschleusen.

Zur Ausstellung: Wer nichts über Anne Frank und die Nationalsozialisten weiß, muss einen Audioguide ans Ohr halten und darf ihn im Prinzip nicht absetzen. Weil meine Frau und ich schon diverse Unterrichtsreihen über das Tagebuch und Anne Frank gemacht haben, kennnen wir uns ein bißchen aus. Ohne diese Kenntnis hat man aber nichts vom Besuch, denn die Texte der Ausstellung streifen nur ganz kurz das Allerwichtigste. Die Versionsgeschichte, das Aufhübschen der Tagebücher (bzw. das Herausstreichen der sexuellen Komponenten) durch den Vater in der ersten Ausgabe wird nur am Rande thematisiert, aber wenn man in Anne Franks Zimmer steht und sieht, wie versucht wurde, zumindest mit Fotos von Filmstars das kahle Versteck halbwegs erträglich für ein junges Mädchen zu machen, ist das schon berührend, weil wir alle wissen, wie Zimmer von pubertierenden Mädchen normalerweise aussehen. Wenn man dann an den originalen Tagebüchern steht und darin liest, ist das der nächste berührende Punkt.

Die sensible Grenze zwischen Aufklärung und Kommerz ist bsher noch nicht überschritten, aber sie kommt in Sicht. Mit unseren Enkeln werden wir in ein paar Jahren hingehen. Hoffentlich ist es dann nicht schlimmer. Da man nicht fotografieren darf (und wegen der Lichtverhältnisse auch nicht kann), habe ich ein bißchen gesucht und zwei brauchbare Filme bei youtube gefunden:

Videos
Otto Frank spricht über Annes Tagebuch
https://www.youtube.com/watch?v=AWRBinP7ans

Otto Frank und seine Familie
https://www.youtube.com/watch?v=MTbHYBeUe0Y

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Montag, Silvester 2018

Van Gogh-Museum
DAs van Gigh-Museum am Museumsplein, Amsterdam

Die Karten für das van Gogh-Museum hatten wir schon vorgestern besorgt und den ersten Termin genommen. Um zehn Uhr ist es bereits voll, wieder sind gewisse Schlangen zu überwinden und nachdem wir im Glasbau an der Garderobe durch sind, stellen wir fest, dass im Foyer alle möglichen Selbstportraits hängen und einige hundert Menschen sich um die besten Plätze drängen (denn kein Bild ist wesentlich größer als das A3-Format eines Zeichenblocks) und es ist dort recht eng. Also beginnen wir im ersten Stock. Dort beginnt eine chronologische Hängung, die mit den Malern beginnt, von denen sich Vincent van Gogh hat beeinflussen lasssen - war er doch in seinem ersten Beruf eher Kunsthändler und hat entsprechend viel gesehen (Biographie bei Wikipedia). Die Stärke der Ausstellung ist nun das Aufzeigen der Strömungen, die van Gogh beeinflußt haben. Hinzu kommen einige sehr geniale Ausstellungsideen: Man kann Farbe unter einem Mikroskop sehen, man kann in seinem perspektivische Rahmen Zeichenversuche machen und was mir am besten gefallen hat, ist eine Computerinstallation, bei der Bilder von ihm den Fotos der gemalten Objekte gegenübergestellt werden. Es ist frappierend zu sehen, wenn sich das Foto in einen van Gogh verwandelt und man begreift, wie viele Skizzen einem Ölbild vorangegangen sind.

Ab 1888 gibt es nur noch Selbportraits mit rechtem Ohr (weil er sich in einem Wahnsinnsanfall das linke Ohr mit einem Rasiemesser abgesäbelt hat) und daß er sich im Juli 1890 in einem weiteren Anfall in die Brust geschossen hat, wird auch dokumentiert. Van Gogh ist nur 37 Jahre alt geworden. Früher hielt man sein Verhalten für eine Art epileptischen Anfall, heute denkt man er habe manische Depressionen gehabt und daß er zu Lebzeiten vom Bilderverkauf nicht leben konnten ist ein tragischer Treppenwitz - heute kratzen einige Bilder an der 100-Millionen-Dollar-Marke.

Der Neubau des Museums ist absolut gelungen, die Ausstellung wunderbar. Mir hat es erheblich besser gefallen als letztens im Rijksmuseum.

Das Innere des van-Gogh-Museums: Van-Gogh auf vier Etagen.
Das Innere des van-Gogh-Museums: Van-Gogh auf vier Etagen.

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Moco-Museum (Museum Of Contempary Art)
Moco - Erste Adresse für Banksy

Das Moco-Mueumist so etwas Ähnliches wie das Museum Ludwig in Köln, aber etwas kleiner. In der ehemaligen Villa Alsberg (erbaut 1904) zog 1939 eine Schule ein, ab 2016 ist sie ein Museum, das die wirklich modenen Künstler zeigt. Banksy ist dabei eine Ausnahme, denn dieser Künstler will mit dem Kunstbetrieb eigentlich nichts zu tun haben und hat diese Ausstellung deswegen auch nicht autorisiert. Man sieht ein dreidimensionales Objekt von Roy Lichtenstein, die beiden sehr interessanten iranischen Künstler Icy & Sot und Banksy bis zum Abwinken: sei es die englische Pfundnote der Banksy of England oder die wirklich witzigen Verfremdungen: Ein vermummter Demonstrant des Schwarzen Blocks schleudert einen Blumenstraß, mit Schußwesten und Schlagstöcken bewaffnete Polizisten haben ein Smiley als Gesicht, Banker schleudern  Flaschen und Steine, Che Guavara fährt Rollschuhe, Jesus hängt am Kreuz und seine Hände halten Einkaufstaschen - böse, intelligent und manchmal verstörend, aber immer gut. Wir waren anderthalb Stunden drin und es war nie langweilig. Übrigens wird explizit dazu aufgefordert, Bilder zu machen und sie online zu stellen. Dem komme ich gerne nach:




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Dienstag, Neujahr 2019
Das Stedelijk-Museum ist das letzte, was wir uns vorgenommen haben und das Erste, was im neuen Jahr dran ist. Glücklichweise hat dieses Museum immer auf und so sind wir gegen halb zwölf am Eingang (es war doch eine längere Nacht und die Amsterdamer haben geböllert wie bekloppt). Von anderen Museen und Ausstellungen wissen wir, was unter moderner Kunst alles möglich ist und gehen ganz voraussetzungslos das Museum an (Eintritt: € 18,50 p.P.).



Das erste Kunstwerk, was wir sehen, hätte unseren Katzen sehr gut gefallen: eine Skulptur aus Seil, Stoff , etwa zweineinhalb Meter hoch und damit ein idealer Kratzbaum für mehrere Katzen. Leider kann man aufgrund des Schildes nicht herausbekommen, was es sein soll, denn außer dem verwendeten Material wird nicht viel genannt. Axel Prahl hat in einer Folge eines Münster-Tatorts über etwas kulinarisch Undefinierbares mal geraten „Gebratener Schlumpf?“  So etwa komme ich mir auch vor.

Weiter geht es mit einem computeranimierten Damenpopo, der mit Blättern verschnürt ist, die sich dann selbständig lösen. Im Nebenraum hört man orgiastische Schreie und als wir nachsehen, liegt eine Puppe unter dem Stuhlbein eines schief stehenden Stuhls. Auf den Kopf dieser Puppe wird ein Gesicht projiziert und im weiteren Verlauf steigern sich die Schreie zu einem fulminanten akustischen Orgasmus á la Harry & Sally. Ich weiß nicht, was die Eltern einem kleinen Mädchen über dieses Kunstwerk erzählt haben - sie guckte ganz verständnislos und ich war froh, daß ich nichts damit zu tun hatte. Einen Raum weiter ratterte eine Filmprojektor und projizierte eine Endlosschleife, die immmer wieder ein kleines Mädchen zeigte, das eine gewisse Ähnlichkeit mit Anne Frank hatte. Weiter ging es mit einer riesigen Libelle aus Plüsch und dann kam etwas, das ich kannte: Eine meterlange Stoffbahn mit der Aufschrift „War is over!“ kleingeschrieben darunter: „If you want it". Das war das Transparent aus dem „Bed in“ von John Lennon und Yoko Ono, das 1968 im Amsterdamer Hilton aus dem Fenster hing und später noch einmal verwendet wurde (John Lennon machte daraus ein alternatives Weihnachtslied).
Videos dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=r6tpbKVlpsc
https://www.youtube.com/watch?v=f7hxfGf7lyA

In den nächsten Räumen geht es im Museum um die Hippie-Zeit in Amsterdam und in Paris, es werden Plakate und Transparente gezeigt und man bekommt über recht viele Videos eine recht gute Übersicht, daß Frankfurt, Amsterdam und Paris in den späten 1960ern nicht so wahnsinnig unterschiedlich waren. Hier geht es also eindeutig um politische Kunst, insbesondere um die Vorkommnisse rund um die Keizersgracht im Juni 1969. Erwähnt wird in einem anderen Raum die Besetzung des Rijksmuseums (und die Besetzung der „Nachtwache“ Rembrandts) und irgendwann fanden wir einen Raum, in dem zwar Videokunst lief, der Ton aber abgeschaltet war. Etwa zwanzig Leute (wir eingeschlossen) sahen interessiert zu, wie vier Hände einen Haufen Sand säuberlich zusammenfegten. Da war ich absolut entspannt.

Es gab allerdings zu viel zu sehen, was bei mir nicht hängenblieb. Die positiven Ausnahmen waren ein paar Werke der klassischen Moderne, z.B. das Schwein von Jeff Koon, das von drei Engelchen in den Himmel begleitet wird. Da fiel mir unser Saté vom letzten Abend wieder ein und ich war dem dafür zuständigen Schwein sehr dankbar. Außerdem gab es dort Keith Harings „Apartheid“, einen Chagall (Fiedler auf dem Dach), Beckmanns Doppelportrait mit dem Hut, in dem „London“ steht, ein bißchen Kandinski, Leger, zweimal Picasso, einen Baselitz, Oldenburgs geknickte Fuchsschwanzsäge und Ähnliches. Niki de Saint-Phalle hat mal einen symbolische Altar mit roter Farbe beschossen, so daß das Blut Christi scheinbar in Strömen floß - auch das war für das kleine Mädchen leicht verstörend und eröffnet dem Religionsunterricht ganz neue Perspektiven.

Außer Bildern findet man im Museum auch Design-Objekte, wie den „Schneewittchensarg“ der Firma Braun, eine Plattenspieler-/Radio-Kombination von 1956, die noch heute gut aussieht, damals toll klang und schweineteuer war (wikipedia-Artikel)

Fazit: Wenn man die erste Etage geschafft hat, wird es leichter. Wenn man keine Bildschirme mehr sehen kann, fährt man mit der Rolltreppe in den Keller und hat alles, was wichtig ist. Ob es dann das Geld wert ist, muß jeder selbst entscheiden. Schön ist auf jeden Fall die Eingangshalle und die darf man auch zeigen - die Kunstwerke leider nicht.





Mittwoch
Am Montag hatte ich gesehen, daß man das Gebäude des Concertgebouw besichtigen kann, hatte uns auf der Webseite für eine Führung angemeldet und war ganz zuversichtlich, daß das elektronische Ticket funktionieren würde - das hatte man ja schon im Anne-Frank-Huis gesehen. Zum vereinbarten Zeitpunkt (immer mittags um halb zwei) stehen neunzehn  Personen da, außer uns ein Ehepaar aus Melbourne, eine japanische, eine chinesische und eine spanische Familie und außerdem ein Schweizer und zwei Franzosen - kein Holländer. Die Führungssprache ist also englisch und der junge Mann, der sie leitet, spricht sehr gut und läßt keine Fragen offen und weil die Gruppe vollzähig ist, wird kein einziges Ticket kontrolliert. Auch gut!

Der junge Mann (Führer wollte ich jetzt nicht sagen) beginnt mit der Baugeschichte und erklärt, daß dieses Konzerthaus eben nicht vom König oder einer staatlichen Organisation finanziert wurde, wie die meisten Häuser dieser Art, sondern die Amsterdamer hatten ab 1880 Geld gesammelt, weil sie ein eigenes Konzerthaus haben wollten. Der Bauplatz lag damals, 1882, in den Sümpfen hinter dem Ende der Stadt und weil man durch den sumpfigen Baugrund keine Sichtachse zur Stadt bauen konnte, liegt dieses Gebäude ein bißchen quer. Das war mir schon aufgefallen, als ich vom Rijksmuseum den Museumsplein lang ging, aber alle Museumsgebäude wurden später gebaut als der Concertgebouw und da wußte man schon, wie man im sumpfigen Gelände bauen mußte, legte zuerst den Baugrund trocken und konnte dann „richtig“ bauen. (Näheres bei Wikipedia)

Der Concertgebouw am Ende des Museumsplein

Zur Einweihung 1888 lag das Gebäude immer noch außerhalb des Stadtgebietes und die ersten paar Jahre war es etwas umständlich dorthinzukommen, doch nachdem Amsterdam das Gebiet 1896 eingemeindet hatte, wurden feste Straßen gebaut und es war etwas leichter für die Enthusiasten, dorthin zu kommen. Gespielt wurde alles, was auch in anderen internationalen Konzerthäusern gespielt wurde und etliche berühmte Komponisten leiteten hier die Uraufführungen ihrer Werke:

Seit dem 125 jährigen Jubiläum trägt der Concertgebouw den Titel „Koniglich“, aber die Finanzierung war und ist absolut privat - auch hier anders als in Deutschland, wo es meisten die Städte sind, die neben Hartz IV nicht auch noch die Millionenbeträge stemmen können, die so ein Gebäude mit Orchester einfach erfordert. Ein spätromantisches Orchester hat mindestens 150 Personen auf der Gehaltstliste - nicht nur die Musiker, sondern auch die Organisation, die Technik und  die Hilfskräfte. Sehr effektiv ist das Spendenwesen des
Concertgebouw, das an den Wänden mit zahlreichen Medaillen, Plaketten und stilisierten Goldbarren dokumentiert ist: Einige Großspender (z.B Familie Heineken) spenden jährlich mindestens eine Million, mittlere Spender zahlen mindestens  100.00.- im Jahr und die Kleinspender fangen bei 10.000. jährlich an (Euro, natürlich!).

Irgendetwas macht Bonn falsch!

Zur Führung selber: Weil es heute eine kleine Führung gab, waren wir außer im Großen Saal auch in der Dirigentensuite, auf dem Schnürboden, im Kammermusiksaal, erlebten zahlreiche interessante Momente und hörten das eine oder andere Döneken über Bernhard Haitink, Ceciia Bartoli oder Mick Jagger - hier wird nicht nur hehre Musik gespielt, sondern die Räume werden auch für Rockkonzerte, Tagungen und Events vermietet, obwohl der Cocertgebouw zu den zehn besten Konzertsäulen der Welt gehört. Wenn man an die knapp 100 Millionen denkt, die in Bonn in der Beethovenhalle versenkt werden,  wird einem ganz wehmütig ums Herz, denn ein Mehrzweckraum war diese Halle immer, aber leider nie ein guter Konzertsaal. Da ich WCCB und Beethovenhalle von beiden Perspektiven kenne (vor und auf der Bühne - und das WCCB klingt ein bißchen besser), erlaube ich mir einfach mal die Feststellung, daß man von dem Amsterdamern in Marketing und Bauplanung etwas lernen kann.

Der große Saal aus der Perspektive der Königsplätze
Der große Saal aus der Perspektive der Königsplätze -  Königs sitzen auf normalen Stühlen, damit die Akustik gut bleibt.


Irgendetwas macht Bonn  falsch! Trotzdem - wir müssen wieder nach Hause.

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Was in Amsterdam anders ist
 Alkohol - Anreise - Brot - Essen - Laufen - Nahverkehr - Post - Parken - Radwege - Umweltschutz - Wege - Wohnen

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Zentraler Ankommensort ist der Bahnhof Amsterdam Centraal
Zentraler Ankommensort ist der Bahnhof Amsterdam Centraal


Anreise - +
Das Gescheiteste bis vier Stunden Anreise ist die Bahn, den man kommt an einem riesigen Bahnhof an (Centraal), von dem man mit Straßenbahn und Bus immer recht fix weiterkommt. Wer sich auskennt, mietet direkt ein Rad, wer eins hat, wird es hier auch los. Man muß sich aber merken, wo es stand, wenn man es wiederfinden will.

Erster Eindruck: Fahrrad-Nirvana

Fliegen  ist keine echte Alternative, wenn es nicht deutlich mehr als 600 km sind. Ein- und Auscheckzeiten schlagen mit mindestens je einer Stunde zu Buche. Auch wenn von Schiphol ein Schnellbus fährt, braucht es Zeit. Ab München würde ich fliegen, ab Frankfurt lohnt es sich schon nicht mehr. Mit dem Auto angereiste Menschen tun mir nur noch leid. Sie zahlen unglaublich viel Geld fürs Parken und müssen ihr Gepäck trotzdem weit tragen. - Parken - nach oben


Alkohol - +
Wenn man abends noch Lust auf einen Ouzo/Wodka etc. hat, kann man nicht zur Tankstelle fahren (gibt es in der Innenstadt sowieso nicht), weil die so etwas nicht verkaufen dürfen. Alles, was über Bier oder Wein (genauer gesagt 13% Alkoholgehalt) hinausgeht, muß in speziellen slijterijen (Spirituosengeschäften) gekauft werden. Da gibt es eben keinen Grappa für sechs Euro, sondern man beginnt bei dem Dreifachen. Nach oben gibt es keine Grenze (wenn man Geld hat...). Bei den Preisen zählt daher jeder Tropfen und man trinkt bewußter.


Brot -
Das holländische Brot ist gewöhnungsbedürftig. Meistens ist es eine 15 x 15 cm große labbrige Quadratscheibe, die ähnlich schmeckt, egal was auf der Packung steht. Ich werde als „Moffel“ (stom Duits) nicht mehr dazu sagen, kann mich aber an Niederländer in Bonn erinnern, die fassungslos in einer Bäckerei standen und nicht verstanden, daß es soviele Sorten gab, die alle anders schmeckten. In der Innenstadt fanden wir aber schon nach fünf Tagen am Niewendijklein (Nähe Dam) eine Bäckerei, die so aussah wie zuhause. - nach oben

Essen + Durch die Kolonialgeschichte hat Holland zu Indonesien und Asien im Allgemeinen bis heute sehr gute gastronomische Kontakte, was man schon immer am „Surinamse Rijs“ erkennen konnte, den wir uns immer aus Holland mitgebracht hatten, wenn wir da waren. Entweder man geht hier chinesisch oder indonesisch essen oder man besorgt sich im Aldi oder Albert Heyn die „Satésaus“ oder „Saté“. Es handelt sich hierbei um eine aufgemotzte Erdnußsauce („Pindasaus“), die unglaublich gut schmeckt und bei der man nur erahnen kann, was außer Curry und Erdnüssen noch drin ist. „Saté“ sind in die entsprechende Sauce eingelegte Schweinefleischspießchen, die nach dem Kochen wie von selbst zerfallen. Leider nichts für Schweineverächter, sorry!
Essen gehen ist in der Innenstadt Amsterdams allerdings schwierig, wenn man keine Burger, Döner, Kebap, Schnellgerichte, Cafés oder Koffieshops mehr sehen kann. Wir haben in einer Woche zwei Restaurants gefunden, die diese Bezeichnung auch verdienten: das eine war zwischen Rijksmuseum und Brunnen (sehr luxuriös und teuer), das andere war ein Steakhouse mit Pizzeria in der Nähe des Bahnhofs Centraal (San Thomas / San Tommaso, Martelaarsgracht 7 - 9). Vermutlich gibt es wohl noch mehr Adressen, aber indonesische Restaurants an jeder Ecke haben wir
- im Gegensatz zu früher - nicht mehr gefunden. - nach oben


Laufen und Radfahren +
Ständig wird einem aufgezeigt, daß sich hier alles um Fahrräder und Fußgänger dreht. Straßenbahnen finden sich alle paar hundert Meter, es gibt wahnsinnig viele Zebrastreifen, an denen auch die Straßenbahn hält um einen Fußgänger vorzulassen (in Deutschland undenkbar) und wo es geht, ist die Straße dreigeteilt: Autos und Straßenbahn, eigene Spuren und Zebrastreifen für Fahrräder, eigene Wege für
und Zebrastreifen für Fußgänger. Nur entlang der Grachten funktioniert dies nicht und man braucht als Fußgänger gutes Schuhwerk und stabile Gelenke (s. Wege). - nach oben

ÖPNV +
Der öffentlich Personen- und Nahverkehr ist ziemlich genial: Das 24 Stundenticket kostet € 8-. und gilt im Großraum Amsterdam. Fast alle Straßenbahnlinien fahren alle fünf Minuten am Bahnhoff Centraal ab, was bedeutet, daß ständig eine Linie Richtung Dam abfährt (Dam = Platz, daher hat die Stadt ja ihren Namen: Platz an der Amstel). Man steigt hinten ein, kauft beim Schaffner am Schalter das Ticket und hält es beim Aus- und wieder Einsteigen vor das Lesegerät an der Tür - so wie in London oder Venedig.

Der Dam ist der wichtigste Platz der Stadt und von ihm gehen die touristisch interessanten Nebenstraßen ab. Die touristisch interessanten Linien sind ab Centraal Linie 4 nach Amstelstation mit den Haltestellen wie Rokin und den Grachten (Herengracht, Keizersgracht, Prinsengracht in dieser Reihenfolge) .
Die Linie 14 fährt die die Haltestellen 
Museumsplein/Rijksmuseum, Concertgebouw an. - nach oben
Parken - -
Das Auto sollte man wirklich nicht ins Zentrum nehmen. Stundenpreise von ca. € 5.- und Tagespreise von über € 50.- sind üblich und es wird sehr streng kontrolliert. Wenn es unbedingt ein Auto sein  muss - es gibt an der Prinsengracht ein Parkhaus und manchmal sogar einen freien Parkplatz für maximal zwei Stunden. Die drei Parkhäuser zwische Centraal und Dam sind sowieso ständig voll und in den Straßen wird auch dauernd kontrolliert. 

Am besten parkt man in der Vorstadt und fährt mit der U-Bahn oder der Straßenbahn ins Zentrum oder kommt gleich mit dem Zug.  Die Alternative sind die Parkhäuser wie „De Zwijger“, wo man in ein paar Minuten in der Innenstadt ist (Linie 26 nach „Centraal“). Diese Häuser sind zumindest billiger als alles andere.

Ganz hilflos fragte uns vor ein paar Tagen jemand, der vor dem Hotel geparkt hatte, ob er dort stehenbleiben könnte. Wir haben ihm abgeraten und wissen daher nicht, ob er später sein Hotel wiedergefunden hat.
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Post -
Das Phänomen kannten wir schon aus Texel, aber jetzt haben wir es auch in Amsterdam erlebt: Pünktlich zum Start des Feuerwerksverkaufs am 28.12 werden alle Briefkästen buchstäblich dicht gemacht, so dass man keine Feuerwerkskörper einwerfen kann. Ab dem 2. Januar ist eine Postannahme dann wieder möglich.
Natürlich wird man dann auch keine Karten an Kinder, Enkel oder sonstwen los. Das ist für die Enkel zwar bedauerlich, weil die ja eine Karte von uns kriegen sollten, aber dann werfen wir die halt ein, wenn wir wieder abfahren. Google wußte bei diesem Problem auch nicht weiter... - nach oben

Radwege -
Die Radwege sind - genauso wie die Fußwege - in die Jahre gekommen und deswegen teilweise ziemliche Schlaglochstrecken. Die studentischen (und ärmeren) Radfahrer fahren immer noch Hollandrad, die etwas besser gestellten Radler kaufen sich ein Fat Bike mit extra dicken Reifen, damit es nicht ständig einen Schlag ins Kreuz gibt. Die Hälfte fährt ohne Licht (abends also aufpassen), alle fahren ohne Helm - in Deutschland undenkbar. Bei Dunkelheit wird es auf den Wegen an den Grachten also eng und unübersichtlich. Außerdem sollen Radfahrer an machen Zebrastreifen den Fußgängern Vorrang gewähren - die meisten tun es aber nicht. - nach oben

Umweltschutz
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Alle zweihundert Meter findet man (meist besetzte) Parkplätze für E-Autos. Es hängen nicht nur Teslas dran, sondern auch Mercedes, Mitsubishi, Opel, Ford, Volvo und Toyota sowieso. Merkwürdigerweise steht auf den Ladestationen „Made in Germany“ - was wieder zur deutschen Mentalität paßt, denn mit dem Fax war es ähnlich: In Deutschland erfunden, hat es sich nicht wirklich durchgesetzt und wurde anderswo ein Renner.
In Deutschland habe ich im letzten Jahr weniger E-Autos gesehen als in den letzten zwei Tagen hier. Man sieht hier auch ständig E-Taxis. Eine gefühlte Million Fahrräder erzeugen ebenfalls keine Abgase - höchstens deren Fahrer/innen. 
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Was es kaum gibt, sind Glascontainer (ich habe in der letzten Woche insgesamt drei gesehen, einen davon vor dem Anne-Frank-Haus) und Flaschenpfand für Plastikflaschen oder Getränkedosen. Nur wenige von ihnen haben den Aufdruck „Statiegeld“ und sind Pfandflaschen und die nimmt auch nicht jeder Supermarkt zurück. Die meisten Dosen und Flaschen landen deswegen im Müll. Dieser Müll wird hier zweifach differenziert: Biomüll und alles andere - entsprechend voll sind die Müllsäcke, die frühmorgens in einem Haufen an die Straße gelegt werden. Macht jemand den Sack nicht zu oder legt ihn zu früh an die Straße, freuen sich die Möwen und es gibt eine schöne Schweinerei, weil die Vögel dann die Säcke aufhacken und den Inhalt durchsuchen. Die Reste der Möwenmüllparty werden dann irgendwann vom Winde verweht, landen in der Gracht und ab und zu schwimmt unter dem Fenster eine Plastiktüte oder eine Bierflasche vorbei. - nach oben

Wege -
Nach leidvollen Erfahrungen mit etlichen Stolpereien und mehrmals umgeknickten Füßen sollte man festes Schuhwerk (möglichst Boots) tragen, denn die mit rotem Klinker gepflasterten Wege sind in die Jahre gekommen und da der Untergrund arbeitet, muß man auf den Weg achten, wenn man nicht oft auf der Nase liegen will. Wer das DDR-Pflaster in Erinnerung hat, weiß, was gemeint ist. Stöckelschuhe sind hier nur etwas für Masochisten. - nach oben

Wohnen
Ein Hausboot ist natürlich toll - aber da hatten wir auch Glück. Es gibt für Jüngere, die kaum Geld haben, genug Youth Hostels (auch am Dam), man kann über die üblichen Plattformen booking.com (die haben hier ihren Sitz) oder über Airbnb Ferienwohnungen bekommen und wem Geld ausgeben nicht weh tut, der sucht sich sein Hotel. Ausgebucht ist Amsterdam offensichtlich nie - in Venedig kommt das dagegen schon mal vor.
Lage: Die Herengracht ist ruhig, Keizersgracht und Prinsengracht sind meisten ruhig, Richtung Centraal ist es laut. Man bucht also da, wo ein Straßenbahnanschluss besteht und ein Supermarkt in Laufweite ist
- z.B. unten. Vom Boot aus waren es 20 Meter zur Linie 4 (Prinsengracht) und 150 Meter zum Supermarkt (Albert Hejn).  - nach oben

Das Prinsenboot Ende 2018 vom gegenüberliegenden Ufer - zurück
Das Prinsenboot Ende 2018

Webseite des Prinsenboots
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