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Venedig praktisch - San Marco
von Martin Schlu 2006

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San Marco ist nicht nur Basilika und Campanile, sondern der gesamte südliche innere Stadtteil zwischen der Promenade am Palazzo Duccale und der Rialtobrücke bis zum Gebiet San Polo. San Marco ist der Stadtteil, den die Tagestouristen gerade noch in zwei Stunden schaffen können, bevor sie zur nächsten Stadt weitermüssen (Europe in five days). Entsprechend teuer ist es, da die Tagestouristen ihren Murano-Schmuck nur an der Piazza kaufen können, das Taubenfutterbild muß gemacht werden und vielleicht schafft man noch den Campanile. Die Warteschlange derer, die einmal durch die Basilika San Marco laufen wollen, ist normalerwesie ca. 50 m lang, es kann aber auch mal mehr sein. Wer den Markusplatz menschenleer sehen will, muß ihn zwischen drei Uhr nachts und morgens  halb fünf besuchen. Die meisten Abbildungen ignorieren die zigtausend Touristen, die jeden Tag über ihn laufen und es gibt die Redewendung, daß man, wenn man jemanden treffen will, sich nur auf die piazza stellen muß, den jeder kommt da einmal am Tag vorbei. Bei mir stimmt es - immer wenn ich in Venedig bin, komme ich  mindestens einmal am Tag am Platz vorbei.


Ein Spezialität der piazza sind die Taubenfutterverkäufer. Mutmaßte Manfred Schmidt schon in den 60er Jahren, der Taubenfutterverkäufer würde "abends mit seiner Yacht in seinen Palazzo fahren" (Kapitel "Venedig" aus. "Mit Frau Meier durch die Wüste"), kann man das eigentlich nur bestätigen. Mir erzählte ein Gondolieri, sein Bruder habe die andere Gondel der Familie mit der Lizenz für EUR 40.000.- verkauft und sich dafür eine Lizenz zum Taubenfutterverkäufer gesichert. Unwahrscheinlich? Möglich!


Taubenfutterverkäufer auf der Piazza di San Marco, Das Tütchen enthällt 20 g Maiskörner, damit wird ein Kilopreis von EUR 50.- erzielt. Demzufolge reicht es vielleicht nicht für Yacht und Palazzo, aber für eine solide Existenz.


Höher im Status der venezianischen Tourismusarbeiter stehen nur noch die Gondolieri, die ungekrönten Könige der Stadt. Für eine gute dreiviertel Stunde Fahrt und Führung durch die Kanalwelt sind im Sommer ca. EUR 120.- üblich, manchmal mehr, nur im Winter weniger. Dafür bekommt man Plätze und Häuser zu sehen, die man später niemals wiederfindet, sooft man es auch versucht. Wenn man nicht mit "Gondola, Gondola?" angesprochen werden will, darf man bei einem geringelten Pulli mit Strohhut auf keinen Fall stehenbleiben, oder gar die Gondel anschauen. Hat einen der Gondolieri erst einmal beim Wickel, fährt man auch. Zu zweit ist es gemütlich, mit vier Leuten bezahlbar, ab sechs Mitfahren kippelig. Es passiert aber nie etwas. Wer sich mehr für die Gondel interessiert besucht die Gondelwerkstatt an der Zattere oder fragt den Gondolieri über seinen Beruf aus.

 
Gondeln in der Nähe der Anlegestelle San Marco, Fotos: © Martin Schlu 2006

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