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19. Jahrhundert - Frühromantik - Clara Wieck und Robert Schmann


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1785 Die Eltern
1819 Kindheit
1829 Der Kinderstar
1834 Robert
1838 Widerstand 
1840 Hochzeit
1841 Ehe und Familie
1844 Das Künstlerpaar
1847 Reisen
1853 Alleine
1878 Letzte Jahre
1879 nach Claras Tod 

Literatur

Frühromantik
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19. Jahrhundert

Clara Wieck
Clara und Robert (1834 - 1837)

aktualisiert und ergänzt am 5. März 2011 von Martin Schlu
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1834
Im März wird Robert  und Verleger der „Neue Zeitschrift für Musik" und begründet damit eine bis heute bestehende Fachzeitschrift für Musikinteressierte. In den folgenden Jahren wird er etliche neue Komponisten und Musiker besprechen und ihnen bei ihrer Karriere behilflich sein, u. a. z.B Jhannes Brahms.

Ernestine von Fricken beginnt am 21. April ebenfalls bei Wieck das Studium.
Im Juli wird Claras Halbschwester Cecilie geboren.
 
Robert und Ernestine verlieben sich am 30 August offenbar ineinander und so nimmt Robert Clara auch kaum wahr. Am 30. November beginnt Claras Konzertreise nach Hamburg, Hannover und Magdeburg.
 
1835
Im April kehrt Clara von der Konzertreise zurück und verbringt viel Zeit mit Robert. Dieser erfährt im August von Ernestines früherer Schwangerschaft, beginnt sich von ihr zu lösen und verliebt sich allmählich in Clara. Am 28. September kommt es in Leipzig zu einem Treffen Claras mit Fréderic Chopin, über den Robert Schumann in der  "Neuen Zeitschrift für Musik" begeistert schreibt - einen Artikel, der Chopin in Deutschland berühmt macht. Ob Clara und Chopin einander vorgespielt haben, bleibt offen - unwahrscheinlich ist es nicht.

Am 25. November kommt es - nach Claras Tagebuch - zum ersten Kuß, bevor Clara auf Konzertreise nach Zwickau muß:
 
aus Claras Tagebuch:
"Als du mir den ersten Kuß gabst, da glaubt ich mich einer Ohnmacht nahe, vor meinen Augen wurde es schwarz, das Licht, das dir leuchten sollte, hielt ich kaum"
(zit. nach Borchard, S. 59)
 
Robert Schumann im Tagebuch:
„Ablösung von Ernestine im Sommer und Herbst - ach! - Tägliches Beisammensein mit Klara - zum 8ten Juni von ihr ein Uhrband - (...) Klaras Augen u. ihre Liebe - Der erste Kuß im November-"

... „Im November 1835 nach dem ersten Kuß auf der Treppe im Wieck'schen Haus, als Clara nach Zwickau reiste!..."
(zit. nach Kühn, S. 97)
 
 
1836
Friedrich Wieck schreibt, wie versprochen, an seine Ex-Frau Marianne Bargel und berichtet ihr regelmäßig von Claras Entwicklung. Das liest sich
„Clara ist jetzt sehr oft so unbesonnen, herrisch, voller unvernünftiger Widerspruch, nachlässig, im höchsten Grade unfolgsam, grob, eckig, ungeschliffen, ungeheuer faul, eigensinnig eitel auf Lumpen (an andere Eitelkeit ist gar nicht mehr zu denken, denn sie hat nicht das geringste Interess mehr für die Kunst, und Zeit zum studieren gar nicht, da sie erst um 9 Uhr aufsteht, halb 11 Uhr fertig ist, dann Besuche kommen, Mittags zu Tisch gebeten ist und nachmittags aufs höchste unglücklich ist, wenn sie spielen soll, weil sie dann nur an Theater denkt u. - an die Herren) kurz, was aus ihr werden soll, weiß Gott - zu Hause bleiben kann sie auch nicht. Den letzten Rest meines Lebens ärgere ich mich ab, und selten kann ich mich über sie freuen - ohne Betrübnis....."
(zit. nach Kühn: S. 91)
 
Friedrich Wieck nimmt Clara im Januar zu einem Bekannten auf das Schloß Maxen bei nach Dresden, um sie von Robert fernzuhalten, da eine Beziehung zu ihm ihre Karriere gefährden könnte. Weil am 4. Februar Roberts Mutter stirbt, ist dieser erst mal für ein paar Tage weg , doch Robert und Clara treffen sich nach der Beerdigung trotzdem zwischen dem 7. und 11. Februar heimlich in Dresden. Danach fährt Robert wieder nach Leipzig und als er Ende Februar wieder kommt, ist Clara auf Konzertreise nach Breslau gefahren.

Im Juni schickt Clara Robert alle Briefe zurück - vermutlich auf Befehl des Vaters.

Im November geht Clara auf Konzertreise nach Naumburg, Jena und Weimar. Anschließend besucht Friedrich mit seiner Tochter einen Geschäftsfreund, den Musikverleger Härtel auf Schloß Maxen in der Nähe von Dresden, denn Härtel soll Kompositionen von Clara verlegen, was der auch tut - später nimmt er übrigens noch Robert Schumann in sein Programm auf.  Aus diesem Verlag entwickelt sich in den nächsten Jahren der noch heute bestehenden Verlag Breitkopf & Härtel, ein musikverlegerisches Schwergewicht.

Verleger Härtel hat außerdem eine zeichnerisch begabte Schwester, Elwine von Leyser, und die malt am 4. Dezember dieses Aquarell der siebzehnjährigen Clara.
 
Clara Wieck, portraitiert von Elwine von Leyser 1836 auf Schloß Maxen
Clara 1936, siebzehnjährig auf Schloß Maxen. Zeichnung, teilweise aquarelliert.
Kopie aus dem Überlinger Stadtmuseum, Original im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.

Foto: Martin Schlu © 2010
 

1837
Vom Februar bis zum 3. Mai wird Clara auf Konzertreise nach Berlin, Hamburg und Bremen geschickt, damit sie möglichst nicht Robert begegnet und natürlich aauch, damit Geld in die Kasse kommt, denn Clara ist eine hochbezahlte Solistin. Bei dieser Gelegenheit besuchtClara ihre Mutter in Berlin.  Unterdessen geht der heimlich Briefverkehr zwischen Robert und Clara weiter. Da man aus der Tagespresse entnehmen kann, wo Clara dmenächst auftritt, ist es ein Leichtes für Robert, seine Liebesbriefe an den Konzertort zu schicken, wo Clara sie postlagernd abholen kann - dagegen ist der Vater machtlos, zumal es viele Gelegenheiten gibt vor dem Knzert noch in die Stadt zu kommen und beim Gegenbrief schreibt Clara natürlich, wo sie in den nächsten Tagen sein wird.
 
Um den 10. August (?) schreibt Robert Schumann an Clara:

... Sind Sie noch treu und fest? So unerschüttlich ich an Sie glaube, so wird doch auch der stärkste Mut an sich irre, wenn man gar nichts von dem hört, was einem das Liebste auf der Welt. Und das sind Sie mir. Tausendmal habe ich mir alles überlegt und alles sagt uns: es muß werden, wenn wir wollen und handeln. Schreiben Sie mir nur ein einfaches Ja, ob Sie Ihrem Vater gerade an Ihrem Geburtstag (zum 13. September) einen Brief von mir geben wollen. Er ist jetzt gut gegen mich gesinnt und wird mich nicht verstoßen, wenn Sie für mich bitten.
 
Dies schreibe ich gerade am Tage Aurora. Wäre es, daß uns nur eine Morgenröte noch trennte. Vor allem halten Sie fest daran: es muß werden, wenn wir wollen und handeln. Von diesen Briefen sagen Sie gegen niemanden, es könnte sonst alles verdorben werden. Vergessen Sie also das ‚Ja' nicht. Ich muß erst diese Versicherung haben, ehe ich an Weiteres denken kann.
 
All dies meine ich aus voller Seele so, wie es dasteht, und unterschreib es mit meinem Namen.
(Quelle: Robert Schumann, zit. nach Kühn, S. 100f)
Sofort  antwortet Clara und stimmt zu - vielleicht einer der schönsten Liebesbriefe der Musikgeschichte, denn hier findet die heimliche Verlobung statt und weil sich die beiden Liebenden eben nicht sehen können, muß alles brieflich und schriftlich geschehen - so gesehen ein Glücksfall für die Literatur und Musikwissenschaft:
An Robert Schumann
Leipzig                D.15. August<18>37

Nur ein einfaches "Ja" verlangen Sie? So ein kleines Wörtchen - so wichtig! Doch - sollte nicht ein Herz so voll unaussprechlicher Liebe wie das Meine, dieß kleine Wörtchen von ganzer Seele aussprechen können?  ich thue es und mein Innerstes flüstert es Ihnen ewig zu.

Die Schmerzen meines Herzens, die vielen
Thränen, könnt ich das schildern - o nein! -
Vielleicht will es das Schicksal daß wir
uns bald einmal sprechen und dann ----
Ihr Vorhaben scheint mir riskiert, doch ein
liebend Herz achtet der Gefahren nicht viel.
Also abermals sag ich „Ja“!  Sollte...

Ausriß aus dem Brief vom 13. August 1837
Ausschnitt aus der Briefkopie aus dem Überlinger Stadtmuseum, Original im Stadtgeschichtlichen Museum Berlin
Sollte... Gott meinen achtzehnten Geburtstag zu einem Kummertag machen? O nein, das wäre doch so grausam. Auch ich fühlte längst „es muß werden“, nichts in der Welt soll mich irre machen, und dem Vater werd ich zeigen daß ein jugendliches <Herz> auch standhaft sein kann!
                                        Ihre Clara
Sehr eilig
(zit. nach dem Ausstellungstext der Überlnger Schumann-Ausstellung, August 2010)
 
Am 13. September, Claras 18. Geburtstag. bittet Robert - wie mit ihm und Clara abgesprochen - Friedrich Wieck um die Hand seiner Tochter, denn ab diesem Tag Jahren dürfte sie heiraten - allerdings nur mit der Zustimmung des Vaters und der lehnt dies rigoros ab. Weitere drei Jahre (bis zu Claras 21. Geburtstag und damit zur Volljährigkeit) wollen beide nicht warten - allerdings müßten sie dann Friedrich Wieck auf die Erlaubnis zur Hochzeit verklagen. Es bleibt kompliziert und Friedrich Wieck sieht auch keinen Anlaß auf die Einnahmen aus Claras Konzerttätigkeit zu verzichten. Also wird sie wieder auf Tournee geschickt. Am 15. Oktober erfolgt der Aufbruch zu einer Konzertreise nach Wien, das ist weit genug von Robert weg und schreiben können sich die beiden Liebenden ja genug - Hauptsache, sie sehen sich nicht.
 
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