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Kulturgeschichte - Klassik


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Inhaltsangabe

 

Friedrich von Schiller
Kabale und Liebe

 
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Hofmarschall von Kalb in einem reichen, aber geschmacklosen Hofkleid, mit Kammerherrnschlüsseln, zwei Uhren und einem Degen, Chapeaubas und frisiert à laHérisson. Er fliegt mit großem Gekreisch auf den Präsidenten zu und breitet einen Bisamgeruch über das ganze Parterre. Präsident.
 
Hofmarschall
ihn umarmend
Ah guten Morgen, mein Bester! Wie geruht? wie geschlafen? - Sie verzeihen doch, daß ich so spät das Vergnügen habe - dringende Geschäfte - der Küchenzettel - Visitenbillets - das Arrangement der Partieen auf die heutige Schlittenfahrt - Ah - und dann mußt' ich ja auch bei dem Lever zugegen sein und Seiner Durchleucht das Wetter verkündigen.
 
Präsident
Ja, Marschall, da haben Sie freilich nicht abkommen können.
 
Hofmarschall
Oben drein hat mich ein Schelm von Schneider noch sitzen lassen.
 
Präsident
Und doch fix und fertig?
 
Hofmarschall
Das ist noch nicht Alles. - Ein Malheur jagt heut das andere. Hören Sie nur!
 
Präsident
zerstreut
Ist das möglich?
 
Hofmarschall
Hören Sie nur! Ich steige kaum aus dem Wagen, so werden die Hengste scheu, stampfen und schlagen aus, daß mir - ich bitte Sie! - der Gassenkoth über und über an die Beinkleider spritzt. Was anzufangen? Setzen Sie sich um Gotteswillen in meine Lage, Baron! Da stand ich. Spät war es. Eine Tagreise ist es - und in dem Aufzug vor Seine Durchleucht! Gott der Gerechte! - Was fällt mir bei? Ich fingiere eine Ohnmacht. Man bringt mich über Hals und Kopf in die Kutsche. Ich in voller Carrière nach Haus - wechsle die Kleider - fahre zurück - Was sagen Sie? - und bin noch der erste in der Antichambre - Was denken Sie? -
 
Präsident
Ein herrliches Impromptu des menschlichen Witzes - Doch das beiseite, Kalb - Sie sprachen also schon mit dem Herzog?
 
Hofmarschall
wichtig
Zwanzig Minuten und eine halbe.
 
Präsident
Das gesteh' ich! - und wissen wir also ohne Zweifel eine wichtige Neuigkeit?
 
Hofmarschall
ernsthaft, nach einigem Stillschweigen
Seine Durchleucht haben heute einen Merde d'Oye Biber an.
 
Präsident
Man denke! - Nein, Marschall, so hab' ich doch eine bessere Zeitung für Sie - Daß Lady Milford Majorin von Walter wird, ist Ihnen gewiß etwas Neues?
 
Hofmarschall
Denken Sie! - Und das ist schon richtig gemacht?
 
Präsident
Unterschrieben, Marschall - und Sie verbinden mich, wenn Sie ohne Aufschub dahin gehen, die Lady auf seinen Besuch präparieren und den Entschluß meiner Ferdinands in der ganzen Residenz bekannt machen.
 
Hofmarschall
entzückt
O mit tausend Freuden, mein Bester! - Was kann mir erwünschter kommen? - Ich fliege sogleich -
Umarmt ihn
 
Leben Sie wohl - in drei Viertelstunden weiß es die ganze Stadt.
Hüpft hinaus
 
Präsident
lacht dem Marschall nach
Man sage noch, daß diese Geschöpfe in der Welt zu nichts taugen - - Nun muß ja mein Ferdinand wollen, oder die ganze Stadt hat gelogen.
Klingelt - Wurm kommt
 
Mein Sohn soll hereinkommen.
Wurm geht ab, der Präsident auf und nieder, gedankenvoll
 
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