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Kulturgeschichte - Klassik - Beethovens „Unsterbliche Geliebte


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Kurzdaten

Herkunft
1769 - 1770
Bonn 1773 - 84
Bonn 1784 - 89

Wiener Kontakte
Brunswick-Töchter
Giuletta Giuccardi
"Unsterbliche Geliebte"

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Der Brief an die "Unsterbliche Geliebte"
zusammengestellt von Martin Schlu 1999 (ergänzt: 30.5.2013)
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1801 - 1812 - Näheres
Zum Thema "Unsterbliche Geliebte"ist ib. der Film "Immortual Beloved" (Ludwig van B. :"Meine unsterbliche Geliebte") von Bernhard Rose (1994) zu nennen, der zwar jede Menge historischen Quatsch transportiert, bei allem aber viele Wahrheiten enthält, die sonst nicht ausgesprochen oder für unwichtig gehalten werden. Es ist ein toller Film - aber er ist mit Vorsicht zu genießen.

Ausgangspunkt ist die Situation nach Beethvens Tod, als Anton Schindler (Beethovens langjähriger Vertrauter und erster Biograph) beim Sichten des Nachlasses unter vielen anderen Schriftstücken einen Brief findet, der an „meine unsterbliche Geliebte“ adressiert ist und einen sehr verliebten Beethoven offenbart - nur, wer die Dame ist, bleibt unklar. Anton Schindler begibt sich auf die Suche nach ihr und sucht das Hotel “Schwan“ in Karsbad auf (halber Strecke zwischen Teplitz und Wien) , in dem sich Beethoven öfter einquartiert hat. Die Wirtin zeigt das Gästebuch (das Jahr wird listigerweise nicht genannt) und eine Signatur, die "A", "J", "G" oder "B" bedeuten kann und damit auf verschiedene Damen verweisen kann.


 
Anfang (rechte Seite) des berühmten Briefes

6./7. Juli
am 6ten Juli , Morgends.
Mein Engel, mein alles, mein Ich. - nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift - (mit deinem) - erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimt, welcher Nichtswürdige Zeitverderb in d.g (in dergleichen). - warum dieser tiefe Gram, wo die Nothwendigkeit spricht -
Kann unsre Liebe anders bestehn als durch Aufopferungen, durch nicht alles verlangen, kannst du es ändern, daß du nicht ganz mein, ich nicht ganz dein bin - Ach Gott blick in die schöne Natur und beruhige dein Gemüth über das müßende - die Liebe fordert alles und gantz mit recht, so ist es mir mit dir, dir mit mir - nur vergißt du so leicht, daß ich für mich und für dich leben muß, wären wir gantz vereinigt, du würdest dieses schmerzliche eben so wenig als ich empfinden -
 
meine Reise war schrecklich ich kam erst Morgens 4 Uhr gestern hier an, da es an Pferde mangelte, wählte die Post eine andere Reiseroute, aber welch schrecklicher Weg, auf der vorlezten Station warnte man mich bej nacht zu fahren, machte mir einen Wald fürchten, aber das Reizte mich nur - und ich hatte Unrecht, der Wagen musste bej dem schrecklichen Wege brechen, grundloß, bloßer Landweg, ohne 2 solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegengeblieben
 
Unterwegs - Esterhazi (Fürst Esterhazy, der auch schon Haydn sehr gefördert hat) hatte auf dem andern gewöhnlichen Wege hirhin dasselbe schicksal mit 8 Pferden, was ich mit vier. - jedoch hatte ich zum Theil wieder Vergnügen, wie imer, wenn ich was glücklich überstehe. - nun geschwind zum innern zum aüßern, wir werden unß wohl bald sehn, auch heute kann ich dir meine Bemerkungen nicht mittheilen, welche ich während dieser einigen Tage über mein Leben machte - wären unser Herzen imer dicht an einander, ich machte wohl d.g. die Brust ist voll dir viel zu sagen - Ach - Es gibt Momente, wo ich flnde daß die sprache noch gar nichts ist - erheitre dich - bleibe mein treuer eintziger schaz, mein alles, wie ich dir das übrige müßen die Götter schicken, was für unß sejn muß und sejn soll.

dein treuer ludwig.
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Abends Montags am 6ten Juli
Du leidest du mein theuerstes Wesen - eben jezt nehme ich wahr daß die Briefe in aller Frühe aufgegeben werden müßen. Montags Donnerstags - die eintzigen Täge wo die Post von hier nach K.
(Karlsbad) geht - du leidest - Ach, wo bin ich, bist du mit mir, mit mir und dir werde ich machen daß ich mit dir leben kann, welches Leben!!!! so!!!! ohne dich - Verfolgt von der Güte der Menschen hier und da, die ich mejne - eben so wenig verdienen zu wollen, als sie zu verdienen - Demuth des Menschen gegen den Menschen - sie schmerzt mich und wenn ich mich im zusamenhang des Universums betrachte, was bin ich und was ist der - den man den größten nennt - und doch - ist wieder hierin das Göttliche des Menschen - ich weine wenn ich denke daß du erst wahrscheinlich Sonnabends die erste Nachricht von mir erhältst - wie du mich auch liebst - stärker liebe ich dich doch - doch nie verberge dich vor mir - Gute Nacht - als Badender (Beethoven ist zur Kur dort) muß ich schlafen gehn - (folgen zwei ausgestrichene Worte) Ach GOTT - so nah! so weit! ist es nicht ein wahres Himels-Gebäude unsre Liebe - aber auch so fest, wie die Veste des Himels.
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 guten Morgen am 7ten Juli -
schon im Bette drängen sich die Ideen zu dir meine Unsterbliche Geliebte, hier und da freudig, dann wieder traurig. Vom Schicksaale abwartend, ob es unß erhört - leben kann ich entweder nur gantz mit dir oder gar nicht, ja ich habe beschlossen in der Ferne so lange herum zu irren, bis ich in deine Arme fliegen kann, und mich ganz heimathlich bei dir nennen kann, meine Seele von dir umgeben ins Reich der Geister schicken kann - ja leider muß es sejn - du wirst dich fassen um so mehr, da du meine Treue gegen dich kennst, nie eine andre kann mein Herz besizen, nie - nie -
O GOTT warum sich entfernen müßen, was man so liebt und doch ist mein Leben in V.(Vienna = Wien) so wie jezt ein kümerliches Leben -
Deine Liebe macht mich zum glücklichsten und zum unglücklichsten zugleich in meinen Jahren jezt bedürfte ich einiger Einförmigkeit Gleichheit des Lebens - kann diese bej unserm Verhältniße bestehen? -
Engel, eben erfahre ich, daß die Post alle Tage abgeht - und ich muß daher schließen, damit du den B. gleich erhälst - sej ruhig, nur durch Ruhiges beschauen unsres Dasejns können wir unsern Zweck zusamen zu leben erreichen -
sej ruhig - liebe mich - heute - gestern - Welche Sehnsucht mit Thränen nach dir - dir - dir - mein Leben mein alles - leb wohl - o liebe mich fort - verken nie das treuste Herz
deines Geliebten
L.

ewig dein
ewig mein
ewig unß
Man wird sehen, wie die Knackpunkte der Theorien an den Jahreszahlen hängen. Der Brief nennt nur die Daten, aber keine Jahreszahl. Also können es nur Jahre sein, in denen der 6. Juli auf einen Montag fällt. In Frage kommen die Jahre 1795, 1801, 1807, 1812 und 1818. Erst nach Beethovens Tod gibt es diese Konstellation wieder und vor 1795 kann man die Jahre 1778 und 1789 wohl vergessen, weil Beethoven in diesem Alter noch keinen Kontakt zu Damen pflegt. Spekulationsmöglichkeiten in Massen - eine abschließend verbindliche Lösung gibt es bis heute nicht, aber viele erklärbare Theorien.
 
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