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Kulturgeschichte - Barock


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Die Niederlande - De Ooostindien Compagnie
zusammengestellt von Martin Schlu © 2009 (Stand: 1. Juni 2010)
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1613 Jayakarta - Seitenanfang
An der Nordwestküste der Insel Java, an der Mündung des Flusses Ciliwung liegt ein alter Handelsplatz, der schon früher (1522) von den  Portugiesen genutzt wurde. Diese werden aber 1527 bereits wieder vertrieben und der siegreich lokale Feldherr eliminiert dabei auch noch ein konkurrierendes Königshaus. Nun nennt er den Platz seines Sieges "Jayakarta" (Doppelter Sieg). Im Laufe der Jahre steigt dieser Handelsplatz zu einer befestigten Stadt auf.

1616   -   Reede von Texel Seitenanfang
Auch in Dänemark entsteht nun eine ostindische Kompanie, die "Dansk Ostindien", die direkt dem dänischen König untersteht (er hat gerade der schwedischen Königin größere Gebiete abgenommen und die gesamte Finnmark erhalten) - nun gibt es drei wichtige Seemächte, die mit Ostasien Handel treiben, Holländer, Briten und Dänen.
Die Massen an Schiffen, die nun zwischen den Niederlanden und Ostindien hin und her fahren, benötigen ein Gewässer, in dem sie notfalls wochenlang auf günstigen Wind warten können. Aus diesem Grunde gewinnt die nordholländische Insel Texel an Bedeutung, denn sie liegt so, daß die Schiffe zwischen dem Festland (Den Helder) und der Insel Texel im geschützten Wattenmeer liegen können, ohne irgend jemanden zu behindern. Die Versorgung der Schiffe geschieht entweder vom Festland aus oder vom Texeler Hafen Oudeschilde.

Der Hafen Oudeschilde auf Texel (Foto: Martin Schlu, 2007)
Wer mal nach Texel kommt, sollte sich unbedingt das "Maritim et Juttersmuseum" anschauen, in dem die "Reede von Texel" als Modell nachgebaut ist (Links dazu unten auf der Seite).

1619 Batavia - Seitenanfang
Die VOC benötigt mittlerweile einen größeren Umschlagplatz  um den Gewürzexport aus den Molukken stärker zu kontrollieren und findet ihn an der Stelle dieser Stadt. Kleinere Gefechte mit dem ortsansässigen Sultan von Banten kann die VOC für sich entscheiden und 1619 wird Jayakarta endgültig von den Niederländern erobert und niedergebrannt.

Nach der Zerstörung wird diese von der VOC in Besitz genommen Stadt  unter dem neuen Namen "Batavia" (nach der lateinischen Bezeichnung der Niederlande) neu gegründet, neu angelegt und zu einem Handelszentrum ausgebaut. 1620 beträgt der Anteil des Pfeffers an allen Lieferungen etwa 50 bis 56%, sinkt jedoch im Laufe der Jahre und wird durch andere Handelsgüter ersetzt (so machen um 1850 Textilien die Hälfte der Ladungen aus). Batavia wird in den Folgejahren zur Festung ausgebaut und unter Jan Pieterszoon Coen zur Hauptstadt der Kolonie Niederländisch-Indien, eines Gebietes von der arabischen Halbinsel im Persischen Golf, einigen indischen Niederlassungen und in Japan.

1699 wird Batavia /Djarkarta von einem Erdbeben zerstört, danach noch ein paarmal um- und weitergebaut und die Bevölkerung steigt dabei von etwa 50.000 Anfang des 19. Jht bis heute etwa 8, 5 Millionen.

1624 Japan I - Seitenanfang
Die VOC hat ein Auge auf Japan geworden, nachdem die Spanier von der japanischen Regierung ausgewiesen wurden. Als die Portugiesen 1634 das gleiche Schicksal erleiden, ist absehbar, daß die VOC den Platz in Japan einnehmen wird.

1635 Silberhandel - Seitenanfang
Die VOC macht nun regelmäßig mit dem Ostasienhandel Gewinne. Ein Grund dafür ist der florierende Silberhandel, denn in Asien ist das Silber erheblich billiger als in Europa und die asiatischen Händler werden genötigt, die Waren mit Silber zu bezahlen. Da können selbst die Spanier mit den geraubten Edelmetallen aus Südamerika nicht mehr mithalten.

1639 Japan II  - Seitenanfang
Die VOC hat das Handelsmonopol mit dem Handel nach Japan. Zur Lagerung der Waren mietet man sich gleich eine ganze Insel, auf der knapp 300 Menschen beschäftigt sind. Gehandelt werden japanische Seide, die nach Bengalen und nach Amsterdam verkauft werden.

1641 Malakka - Seitenanfang
Die VOC erobert das portugiesische Malakka. Im niederländischen Mutterland liegt die Bevölkerungszahl bei etwa 1,9 Millionen Einwohnern - Tendenz steigend. Wo gut verdient wird ist auch mehr Platz für Kinder (Drews, S. 5).

1652 Versorgungsstation in Südfrika - Seitenanfang
Die VOC baut
am Kap der Guten Hoffnung eine Werft und Versorgungsstation und
vertreibt in Makassar (Sulawesi) alle dort wohnenden Portugiesen. Die hatten immer wieder für Konkurrenz auf den Linien der VOC gesorgt und nun wird durchgegriffen - sonst kann man ja das Monopol nie erreichen.
Außenpolitisch gibt es Probleme mit der englischen EIC, die im ersten englischen Seekrieg gipfeln. Nach zwei Jahren Seekrieg ist die Situation aber offen und der status quo bleibt.

1667 Kaffeehandel - Seitenanfang
Makassar wird von der VOC erobert und damit sind alle Häfen der Region unter der Kontrolle der VOC. Nun wird der Kaffeehandel systematisch ausgebaut: es entstehen Kaffeeplantagen in niederländischem Besitz, die auf niederländischen Schiffen an die niederländischen Börsen transportiert werden. Wie gut, daß Kaffee in Europa gerade in Mode kommt, so entsteht ein weiteres Milliardengeschäft - es ist etwa so wie beim Hamburger Hafen und dem internationalen Teppichhandel. Daß das Teegeschäft schon lange in der Hand der VOC liegt, sei nur am Rande erwähnt. Übrigens fahren die Schiffe natürlich nicht leer nach Ostasien. Dort herrscht eine rege Nachfrage nach Butter, Olivenöl, Bordeaux-Weinen und dem niederländischen Genever und so exportieren die Niederlande auch fleißig.

1728 Teelinie - Seitenanfang
Eine regelmäßge Schiffslinie wird zwischen Amsterdam und Kanton eingerichtet, die ausschließlich chinesischen Tee und europäische Lebensmittel transportiert, ab 1734 gibt es eine Direktverbindung von Bengalen nach Amsterdam für bengalische und indische Baumwollstoffe.

1750 Teelinie - Seitenanfang
Die VOC verfügt nun über 12.000 Seeleute, die von 17.000 Soldaten militärisch abgesischert werden. Damit hat die Ostindien-Kompanie in etwa das militärische Gewicht eines mittelgroßen Staates. Noch extremer ist es beim englischen Gegenstück, der East India Company - die haben in Indien etwa 100.000 Sodaten unter Waffen und sind damit eine militärische Großmacht.

1782 Rendite - Seitenanfang
Bis zu diesem Jahr schüttet die VOC ihren Teilhabern und Aktionären fast jedes Jahr etwa 18% der Einlage als Rendite aus  (Drews, S. 10) - auch heute noch kann man von solchen Quoten nur noch träumen. Ein paar Jahre später wird klar werden, daß eine geringere Rendite doch besser gewesen wäre - ähnlich wie beim Bankencrash 2009. 

1796  Verstaatlichung - Seitenanfang
Die niederländische Regierung übernimmt die VOC und verstaatlicht sie damit, doch sie verdient an ihr kein Geld mehr.

1798 -    Seitenanfang
Nach dem Vierten Englisch-Niederländischen Krieg (1780–1784) kommt die Kompanie in finanzielle Schwierigkeiten und wird zum 1. 1. 1800 aufgelöst. Bis zu diesem Stichtag haben sich Schulden in einer Größe von 140 Mio. Gulden aufgehäuft - ein unvorstellbarer Wert, den man heute etwa mit Milliarden Euro gleichsetzen müßte.

Das englische Gegenstück, die EAC, hält sich noch bis 1858 und wird dann ebenfalls verstaatlicht - ebenfalls hoch verschuldet.


Links
Zur Geschichte des Ostindienhandels:
http://www.vocsite.nl/geschiedenis/index.html (in niederländisch)
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Portugals#Personalunion_mit_Spanien
http://de.wikipedia.org/wiki/Niederländische_Ostindien-Kompanie
http://de.wikipedia.org/wiki/Jakarta
http://www.texel.net/de/uber-texel/geschichte/voc-texel/texel-und-die-voc/ - zurück
http://www.modellmarine.de/index.php?option=com_content&view=article&id=827
Nautiker und Kartographen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Huygen_van_Linschoten
http://de.wikipedia.org/wiki/Dirck_Gerritz_Pomp
http://de.wikipedia.org/wiki/Lucas_Janszoon_Waghenaer
Jugendbuch zum Einlesen:
An Rutgers: Wrack unter Wasser (Wrak onder water, Amsterdam 1970), dt.: Oetinger-Verlag, Hamburg
(sehr gut recherchierte Geschichte um zwei seeländische Jungen, die bei einer VOC-Expedition mit ihrem Schiff vor den Shetland-Inseln stranden)

Schülerlink zum Einlesen (in niederländisch, kann man aber gut verstehen)
http://proto.thinkquest.nl/~klb013/vader/VOC.htm

Basisliteratur:
Jürgen G. Nagel: Abenteuer Fernhandel. Die Ostindienkompanien, WBG, Darmstadt 2007
(zur Zeit das deutsche Standardwerk)